Zürcher Nachrichten - Nach Druck in Epstein-Affäre: Trump versucht den Befreiungsschlag

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Nach Druck in Epstein-Affäre: Trump versucht den Befreiungsschlag
Nach Druck in Epstein-Affäre: Trump versucht den Befreiungsschlag / Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS - AFP/Archiv

Nach Druck in Epstein-Affäre: Trump versucht den Befreiungsschlag

In der Affäre um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein versucht der unter Druck geratene US-Präsident Donald Trump einen Befreiungsschlag: Trump stellte seinen Anhängern am Donnerstag (Ortszeit) die Offenlegung juristischer Dokumente in dem Fall in Aussicht. Zudem kündigte er eine Klage gegen das "Wall Street Journal" an. Die Zeitung berichtet, Trump habe in einem Brief an Epstein über ein gemeinsames "Geheimnis" gesprochen.

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Trump schrieb in seinem Onlinedienst Truth Social, er habe "aufgrund des lächerlichen Ausmaßes an Aufmerksamkeit, die Jeffrey Epstein zuteil wird", Justizministerin Pam Bondi gebeten, bestimmte Gerichtsdokumente zu dem Fall zu veröffentlichen.

Konkret stellte Trump die Freigabe von Protokollen der Grand Jury in Aussicht. Eine Grand Jury ist eine Gruppe von Geschworenen, die auf der Grundlage von Unterlagen der Staatsanwaltschaft über die Zulässigkeit einer Anklage entscheiden. Bondi erklärte daraufhin, sie werde die Freigabe der Protokolle beantragen. Die Zustimmung des Gerichts ist angesichts strenger Vorgaben allerdings ungewiss.

Die Affäre um Epstein hatte in den vergangenen Wochen zu einer Kluft zwischen Trump und den sonst loyalen Anhängern seiner Maga-Bewegung (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig) geführt. Zahlreiche Trump-Anhänger hatten sich in Onlinediensten empört, weil seine Regierung nicht wie versprochen Licht in den Skandal um den Investmentbanker gebracht hatte, der 2019 tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan aufgefunden wurde. Epstein wurde vorgeworfen, zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht und Prominenten zugeführt zu haben.

Der Vorsitzende von Trumps Republikaner-Partei im Repräsentantenhaus, Mike Johnson, hatte kürzlich den Druck auf den Präsidenten erhöht und die Veröffentlichung der Akte Epstein gefordert. "Wir müssen alles auf den Tisch legen und die Menschen entscheiden lassen", sagte Johnson.

Justizministerin Bondi hatte in der Affäre zunächst den Eindruck erweckt, es gebe eine geheime "Kundenliste" Epsteins. Anfang Juli erklärten sie und die Bundespolizei FBI dann aber zum Unmut des Trump-Lagers, die Liste existiere gar nicht. Trumps früherer Berater Steve Bannon hatte zunächst zu den Kritikern gehört, nun stellte er sich aber hinter den Präsidenten. Trump schlage "gegen seine wahren Feinde zurück", zitierte der Sender CNN Bannon.

Damit ist die Demokratische Partei gemeint, die Trump für den "Schwindel" um Epstein verantwortlich macht. Die Demokraten hätten aber "nichts" gegen ihn in der Hand - schon gar nicht einen "rauchenden Colt", schrieb er auf Truth Social. Sonst hätten sie die Unterlagen längst selbst veröffentlicht.

Trumps Rolle in der Affäre wirft wegen früherer Aussagen Fragen auf. Er hatte seinen damaligen Nachbarn Epstein 2002 noch als "tollen Typen" bezeichnet und gesagt, dieser möge "schöne Frauen genauso wie ich". In später freigegebenen Dokumenten zur Epstein-Affäre war auch Trumps Name aufgetaucht, ein Fehlverhalten wurde ihm allerdings nicht vorgeworfen.

Das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtete nun über einen Brief Trumps an Epstein aus dem Jahr 2003. Neben der Zeichnung einer nackten Frau habe Trump Epstein zum 50. Geburtstag gratuliert und geschrieben "Happy Birthday - und möge jeder neue Tag ein wunderbares Geheimnis sein".

Trump reagierte wütend auf den "falschen, böswilligen und diffamierenden Artikel". Er kündigte an, "WSJ"-Inhaber Rupert Murdoch in Grund und Boden zu verklagen. "Das sind nicht meine Worte, so spreche ich nicht. Ich zeichne außerdem keine Bilder", schrieb Trump auf Truth Social. Der Präsident hatte in den vergangenen Monaten zahlreiche US-Medien verklagt und in mehreren Fällen Zahlungen in Millionenhöhe erstritten.

S.Scheidegger--NZN