Zürcher Nachrichten - Erste Todesopfer von Brand in der Schweiz identifiziert und an Familien übergeben

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Erste Todesopfer von Brand  in der Schweiz identifiziert und an Familien übergeben
Erste Todesopfer von Brand in der Schweiz identifiziert und an Familien übergeben / Foto: MAXIME SCHMID - AFP

Erste Todesopfer von Brand in der Schweiz identifiziert und an Familien übergeben

Zwei Tage nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana sind die ersten vier Todesopfer identifiziert und ihren Angehörigen übergeben worden. Es handele sich um die sterblichen Überreste von zwei weiblichen und zwei männlichen Opfern im Alter zwischen 16 und 21 Jahren aus der Schweiz, teilte die Polizei des Kantons Wallis am Samstag mit. Andere Familien bangten weiter um ihre immer noch vermissten Kinder.

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Während einer Silvesterparty war in der Nacht zum Donnerstag in der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana ein Feuer ausgebrochen, als dort zahlreiche junge Menschen ausgelassen feierten. 40 Menschen kamen ums Leben, 119 weitere wurden verletzt, viele von ihnen erlitten schwerste Verbrennungen.

Im Zentrum des Skiorts verharren immer wieder Menschen in der Nähe des Unglücksorts in Trauer - vor einem immer größer werdenden Meer von Blumen, Kerzen und kleinen Plüschtieren. "Mut all den Familien der Opfer, wir denken an Stefan und hoffen, dass er okay ist: ein Held", heißt es auf einem Zettel. "Wir denken an Dich" und "Mögen sie in Frieden ruhen" steht auf Karten geschrieben.

Die Arbeiten zur Identifizierung der übrigen Todesopfer und Verletzten dauerten an. Bis Freitag konnten 113 der 119 Verletzten identifiziert werden. Das französische Außenministerium erklärte am Samstag, dass bei dem Brand 16 Franzosen verletzt worden seien. Weitere neun blieben demnach vermisst.

Unter denen, die das Schlimmste befürchteten, ist Laetitia Brodard. Die letzte Nachricht ihres Sohnes Arthur lautete "Mama, frohes neues Jahr, ich hab Dich lieb". "Das ist 40 Stunden her. Seit 40 Stunden sind unsere Kinder verschwunden", sagte Brodard am Freitag vor Journalisten.

Die Identifikation der Toten und Verletzten kann nach Angaben der Behörden mehrere Tage dauern. Diese legten in Zusammenarbeit mit mehreren Ländern, darunter Belgien, Frankreich, Italien und die Türkei, sogenannte Ante-Mortem-Akten für die Vermissten an. Hinweise auf mögliche deutsche Opfer gab es weiterhin nicht.

Dutzende Schwerverletzte der Brandkatastrophe waren zunächst in die größte Klinik der Region Wallis gebracht worden. Manche der Verletzten würden nicht nur wegen äußerer Verbrennungen, sondern auch wegen Verbrennungen der Atemwege behandelt, sagte der Leiter des Krankenhauses, Eric Bonvin, der Nachrichtenagentur AFP. Die Behandlung dieser Verletzungen sei "äußerst komplex und schwierig". Neben Verbrennungen hätten Verletzte auch Knochenbrüche davongetragen.

"Wenn Panik ausbricht, versuchen die Menschen zu fliehen", sagte Bonvin. Videos zeigten demnach, dass Menschen die Treppe hinunterstürzten - das sei typisch für Situationen der Panik. "Die Menschen, die erdrückt wurden, das war etwas Schreckliches", fügte er hinzu. "Wir waren nicht vor Ort, wir haben die Verletzungen erst hinterher gesehen", aber wahrscheinlich seien viele der Opfer erstickt.

Mehrere Länder nahmen Schwerverletzte aus der Schweiz auf. Deutschland habe bislang neun Schwerverletzte aufgenommen, erklärte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am Samstag. Vier der Patientinnen und Patienten seien "auf bilateraler Grundlage" mit der Schweiz übernommen worden, weitere fünf seien im Rahmen des Katastrophenschutzmechanismus der EU nach Deutschland verlegt worden.

"Darüber hinaus laufen aktuell Planungen für die mögliche Verlegung weiterer Patientinnen und Patienten nach Deutschland; für einen Transport besteht bereits eine konkrete Planung", hieß es weiter. Nach Angaben der EU wurden bis Freitag 24 Schwerbrandverletzte in Krankenhäuser in Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien gebracht.

Der für die Gesundheitspolitik in der italienischen Region Lombardei verantwortliche Guido Bertolaso schilderte die Schwierigkeiten bei der Identifizierung von Schwerbrandverletzten: "Warum können wir sie nicht identifizieren? Weil ihre Gesichter vollständig verbunden sind. Wir können die Bandagen nicht entfernen, um sie zu erkennen. Sie sind intubiert und können deshalb nicht sprechen."

Im Schweizer Kanton Wallis waren mehrere Gedenkveranstaltungen sowie Gottesdienste geplant, unter anderem am Samstag um 18.00 Uhr in Crans-Montana.

M.J.Baumann--NZN