Zürcher Nachrichten - Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss "El Mencho"

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Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss "El Mencho"
Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss "El Mencho" / Foto: Ulises RUIZ - AFP

Gewalt in Mexiko nach Tötung von Drogenboss "El Mencho"

Nach der Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes durch die mexikanische Armee haben mutmaßliche Bandenmitglieder weite Teile des Landes mit einer Welle der Gewalt überzogen. In 20 der 32 Bundesstaaten kam es am Sonntag (Ortszeit) zu Ausschreitungen, massiv betroffen war auch ein Austragungsort der Fußball-WM. Am Montag blieben in mehreren Staaten die Schulen geschlossen. Das Auswärtige Amt rief Deutsche in Mexiko zur Vorsicht auf.

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Die mexikanische Armee hatte am Sonntag die Tötung des Anführers des mächtigen Drogenkartells Jalisco Nueva Generación bekannt gegeben. "El Mencho", der in Mexiko und im Nachbarland USA auf den Fahndungslisten stand, sei bei einem Einsatz in Tapalpa im Bundesstaat Jalisco verletzt worden und auf dem Flug in die Hauptstadt Mexiko-Stadt gestorben, erklärte die Armee. Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen Dollar (12,7 Millionen Euro) für Hinweise zu seiner Ergreifung ausgesetzt.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte im Onlinedienst X, die US-Regierung habe den Einsatz, bei dem "El Mencho" "eliminiert" worden sei, mit Geheimdienstinformationen unterstützt. US-Vizeaußenminister Christopher Landau erklärte, "El Menchos" Tod sei "eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die Welt".

Neben "El Mencho" wurden der mexikanischen Armee zufolge sieben mutmaßliche Bandenmitglieder getötet und drei Soldaten verletzt. Zwei mutmaßliche Bandenmitglieder seien festgenommen und eine Vielzahl von Waffen beschlagnahmt worden, darunter Raketenwerfer.

Nach dem Einsatz blockierten mutmaßliche Bandenmitglieder in Jalisco mehr als 20 Straßen mit brennenden Autos und Lastwagen. Den mexikanischen Behörden zufolge konnte der Großteil der Straßensperren bis Sonntagabend aufgelöst werden. In Jalisco wurden angesichts der Gewalt alle größeren Veranstaltungen wie Fußballspiele abgesagt. In mindestens acht Staaten blieben am Montag die Schulen und auch Gerichte geschlossen.

Die Bevölkerung in Jaliscos Hauptstadt Guadalajara wurde dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Die Straßen waren am Sonntag nahezu leer, Geschäfte, Apotheken und Tankstellen waren geschlossen.

In Guadalajara finden in diesem Sommer mehrere Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer statt. Die deutsche Mannschaft absolviert alle ihre Vorrundenspiele in den USA.

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Mexikanerinnen und Mexikaner bei X dazu auf, Ruhe zu bewahren und sich über die Situation zu informieren.

Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Mexiko riefen Deutsche in Mexiko dazu auf, sichere Orte wie Hotels möglichst nicht zu verlassen und Menschenansammlungen und Orte, an denen Polizeieinsätze stattfinden, zu meiden. Wer in eine Straßensperre gerate, solle sich nicht widersetzen oder flüchten. Schon zuvor hatte das Auswärtige Amt von Reisen in Teile mehrerer mexikanischer Bundesstaaten abgeraten.

Einige Fluggesellschaften aus den USA und Kanada sagten Flüge in mexikanische Städte ab. Einige Maschinen, die bereits auf dem Weg nach Mexiko waren, mussten auf halber Strecke umkehren. Mexikos Nachbarland Guatemala verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze.

Das 2009 von "El Mencho" gegründete Kartell Jalisco Nueva Generación gilt als besonders gewalttätig und ist eines der mexikanischen Drogenkartelle, die US-Präsident Donald Trump als terroristische Organisation eingestuft hat. Die US-Behörden legen dem Kartell zur Last, Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl aus Mexiko über die Grenze in die USA zu schmuggeln. Die Trump-Regierung hat Drogenbanden unter anderem aus Mexiko den "Krieg" erklärt. Im Januar drohte der US-Präsident, auf mexikanischem Staatsgebiet gegen Drogenkartelle vorzugehen.

Die Tötung von "El Mencho" ist der bedeutendste Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle seit der Festnahme der Drogenbosse Joaquín "El Chapo" Guzman und Ismael "El Mayo" Zambada, die in den USA in Haft sitzen. Das Kartell des 59-Jährigen stieg nach der Auslieferung von "El Chapo" und "El Mayo" an die USA zum mächtigsten seines Landes auf. "El Mencho" forderte den Staat offen heraus. So verletzte sein Kartell bei einem Angriff im Juni 2020 den damaligen Polizeichef von Mexiko-Stadt und heutigen Minister für öffentliche Sicherheit, Omar García Harfuch.

W.Vogt--NZN