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Drei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan hat eine internationale Geberkonferenz in Berlin über weitere Hilfen für die notleidende Bevölkerung beraten. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) äußerte am Mittwoch die Erwartung, dass bei dem eintägigen Treffen mehr als eine Milliarde US-Dollar (umgerechnet 850 Millionen Euro) an Hilfen zusammenkommen. Der Bürgerkrieg im Sudan hat zu einer der schlimmsten humanitären Krisen weltweit geführt.
Deutschland richtete die Geberkonferenz im Auswärtigen Amt gemeinsam mit anderen Ländern aus - Ko-Gastgeber war der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf. Unter den Teilnehmern waren die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, die britische Außenministerin Yvette Cooper und der französische Chefdiplomat Jean-Noël Barrot. Auch Nichtregierungsorganisationen waren vertreten.
"Es treffen jetzt immer noch Zusagen ein", sagte Wadephul kurz vor Beginn der Konferenz im Deutschlandfunk. "Wir wollen mehr erreichen als bei der letzten Konferenz in London - das war eine Milliarde Dollar".
AU-Kommissionspräsident Youssef hatte am Dienstag nach einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) konkrete Ergebnisse und Hilfszusagen angemahnt. Es müsse darum gehen, "wie wir das sudanesische Volk am besten unterstützen können", sagte er.
Merz betonte, der Konflikt im Sudan sei "die größte humanitäre Krise der Gegenwart", stehe aber "nicht sehr häufig im Blickwinkel unserer öffentlichen Wahrnehmung". Wadephul mahnte, die "humanitäre Katastrophe" im Sudan dürfe trotz der aktuellen Lage in der Ukraine und im Iran nicht vergessen werden.
Ziel der Konferenz war neben der Mobilisierung von Hilfen auch eine Wiederbelebung der Friedensverhandlungen. In dem drittgrößten Land Afrikas liefern sich die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo seit drei Jahren einen erbitterten Machtkampf. Vertreter der Konfliktparteien im Sudan nahmen an der Konferenz in Berlin nicht teil.
Im sudanesischen Bürgerkrieg wurden zehntausende Menschen getötet, elf Millionen Menschen sind auf der Flucht. Laut einem vor der Konferenz veröffentlichen UN-Bericht leben schätzungsweise sieben von zehn Menschen in dem nordostafrikanischen Land in Armut - beinahe doppelt so viele wie vor Beginn des Bürgerkriegs.
Die Kämpfe hatten sich in den vergangenen Monaten verstärkt - dabei wurden wiederholt Drohnen eingesetzt, die bewohnte Gebiete, Schulen und Krankenhäuser trafen. UN-Angaben zufolge wurden allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres fast 700 Zivilisten bei Drohnenangriffen getötet.
Laut dem UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher benötigen fast 34 Millionen Menschen und damit fast zwei Drittel der Bevölkerung humanitäre Hilfe. Hunderttausende Kinder seien unterernährt, Frauen und Mädchen systematischer und brutaler sexualisierter Gewalt ausgesetzt.
In den ersten Monaten des Konflikts waren mehr als 3,7 Millionen Menschen aus der Hauptstadt Khartum geflohen, nachdem die RSF die Kontrolle über die Hauptstadt übernommen hatte. Die von der Armee unterstützte Regierung wurde nach Port Sudan im Osten des Landes verlegt.
2025 eroberte die Armee Khartum zurück - seitdem sind UN-Angaben zufolge etwa 1,7 Millionen Menschen in die Stadt zurückgekehrt. Die RFS konzentrierte sich nach dem Verlust der Hauptstadt auf den Westen des Landes und übernahm Ende Oktober nach 18-monatiger Belagerung die Kontrolle über die Stadt Al-Faschir - die letzte große Stadt in der Region Darfur, die noch nicht von der Miliz kontrolliert wurde. Nun kämpft sich die Miliz in die benachbarte Region Kordofan vor, die über große Ölvorkommen verfügt.
Bemühungen um eine Waffenruhe im Sudan unter Vermittlung der USA, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens waren zuletzt gescheitert. Saudi-Arabien, Ägypten und die Türkei unterstützen mutmaßlich die sudanesische Armee - den Emiraten wird hingegen vorgeworfen, die RSF-Miliz zu bewaffnen. Alle Seiten streiten eine Verwicklung in den Konflikt jedoch ab.
I.Widmer--NZN