Zürcher Nachrichten - Angreifer erschießt sechs Menschen in Kiew - Ermittler prüfen terroristisches Motiv

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Angreifer erschießt sechs Menschen in Kiew -  Ermittler prüfen terroristisches Motiv
Angreifer erschießt sechs Menschen in Kiew - Ermittler prüfen terroristisches Motiv / Foto: Sergei SUPINSKY - AFP

Angreifer erschießt sechs Menschen in Kiew - Ermittler prüfen terroristisches Motiv

Er feuerte auf der Straße auf Passanten und nahm dann in einem Supermarkt Geiseln: In einem Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat ein Angreifer sechs Menschen getötet. Weitere 14 Menschen wurden bei der Gewalttat am Samstag verletzt, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte. Der Täter wurde schließlich von Sondereinsatzkräften der Polizei erschossen. Die Hintergründe des Verbrechens waren zunächst unklar.

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Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft erklärte jedoch, dass sie möglichen terroristischen Motiven des Täters nachgehe. Der Mann war nach Angaben der Ermittler 1968 in Moskau geboren worden und somit Ende 40.

Die Sprecherin des ukrainischen Innenministeriums, Mariana Reva, teilte über den Täter mit, dass es "bislang keine Bestätigung dafür gibt, dass er die russische Staatsbürgerschaft hatte". Die Ukraine steckt seit mittlerweile mehr als vier Jahren in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg.

Selenskyj erklärte, "alle Umstände" der Gewalttat würden nun ermittelt. Er forderte eine "rasche Untersuchung". Den Hinterbliebenen der Opfer sprach der Präsident sein Beileid aus.

Nach Angaben Selenskyjs hatte der Täter zunächst auf der Straße vier Menschen erschossen, bevor er in den Supermarkt eindrang und dort die Geiseln nahm. Bei ihrem Zugriff konnten die Spezialkräfte vier der Geiseln befreien, wie der Präsident in Onlinenetzwerken mitteilte. Eine der Geiseln sei jedoch von dem Täter erschossen worden. Eine weitere Frau sei im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen.

Der ukrainische Innenminister Ihor Klymenko erklärte, das Verhalten des Mannes auf der Straße sei "chaotisch" gewesen. Der Täter habe dann später auch auf die Polizisten gefeuert, die zunächst versucht hätten, ihn lebend zu fassen. Die Sicherheitskräfte hätten etwa 40 Minuten lang versucht, den Mann dazu zu bewegen, aufzugeben und seine Geiseln freizulassen.

Die Polizisten hätten den Täter auch dazu bringen wollen, die Versorgung eines mutmaßlich blutenden Menschen in dem Geschäft zuzulassen - "aber er hat nicht geantwortet". Deshalb sei schließlich der Befehl erteilt worden, "ihn zu eliminieren", teilte Klymenko mit.

Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko erklärte, der Täter habe nach ersten Erkenntnissen eine Schnellfeuerwaffe benutzt. Auch sei ein Feuer in der Wohnung ausgebrochen, in welcher der Täter gemeldet gewesen sei. Die Wohnung liegt den Angaben zufolge in der Nähe des Supermarkts.

Ein der Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft angehängtes Foto zeigt einen in einem Geschäft liegenden Körper, der von Blut bedeckt ist. Nahe den Füßen liegt eine Schusswaffe. Eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP sah Blutflecken auf der gläsernen Eingangstür des von der Polizei abgeriegelten Supermarkts und eine Einschussstelle in einer Scheibe.

Die Nachrichtenagentur Unian veröffentlichte Aufnahmen eines Mannes, der nahe eines Wohnblocks aus nächster Nähe auf einen Menschen schießt. AFP konnte die Aufnahmen zunächst nicht verifizieren.

Eine Angestellte des Supermarkts mit dem Vornamen Tetjana sagte AFP, sie habe Geräusche aus dem Inneren des Ladens gehört, die sich wie das Knallen von Champagnerkorken oder platzende Luftballons angehört hätten. "Dann haben die Kunden angefangen zu schreien: 'Rennt'!". Sie hätten sich dann hinter den Kühlschränken versteckt, berichtete Tetjana mit zitternder Stimme.

Ein Nachbar des Angreifers sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe Rauch aus der Wohnung des Mannes kommen sehen und sofort die Feuerwehr alarmiert. "Wir waren fünf Minuten früher nach Hause gekommen. Es ist ein Wunder, dass wir ihm nicht in die Arme gelaufen sind." Eine andere Nachbarin sagte, der Mann habe "seit zehn Jahren" in der Wohnung gelebt und nur sehr wenig gesprochen.

E.Schneyder--NZN