Zürcher Nachrichten - Kolumbien: Polizei nimmt mutmaßlichen Drahtzieher von Bombenanschlag fest

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Kolumbien: Polizei nimmt mutmaßlichen Drahtzieher von Bombenanschlag fest
Kolumbien: Polizei nimmt mutmaßlichen Drahtzieher von Bombenanschlag fest / Foto: - - Colombian National Police/AFP

Kolumbien: Polizei nimmt mutmaßlichen Drahtzieher von Bombenanschlag fest

Drei Tage nach einem Bombenanschlag mit 21 Toten in der Region Cauca im Westen Kolumbiens hat die Polizei des südamerikanischen Landes den mutmaßlichen Drahtzieher des Angriffs festgenommen. Die Polizei teilte am Dienstag mit, sie habe José Vitonco festgenommen, den mutmaßlichen Anführer einer Gruppe linksgerichteter Rebellen mit Verbindungen zu Iván Mordisco, dem meistgesuchten Verbrecher Kolumbiens. Vitonco sei der "Hauptverantwortliche" für den folgenschwersten Bombenanschlag auf Zivilisten in Kolumbien seit Jahrzehnten.

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Die Polizei wurde bei dem Einsatz zur Ergreifung Vitoncos in der westlichen Stadt Palmira nach eigenen Angaben von der kolumbianischen Armee unterstützt. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten bei dem Rebellen-Anführer eine Pistole und sieben Mobiltelefone. Von den Behörden veröffentlichte Bilder zeigen Vitonco in kugelsicherer Weste, eskortiert von schwer bewaffneten Polizisten. Kolumbiens linksgerichteter Präsident Gustavo Petro erklärte im Onlinedienst X, Vitonco sei ein Verbündeter Mordiscos.

Bei dem Anschlag auf einer Schnellstraße in der Unruhe-Region Cauca am Samstag waren Behördenangaben zufolge 21 Menschen getötet und 56 weitere verletzt worden. Die Explosion riss einen riesigen Krater in die Straße und erfasste mehrere Fahrzeuge, Busse und Autos wurden zerfetzt.

Petro hatte die Gewalttat "Terroristen, Faschisten und Drogenschmugglern" zugeschrieben. Konkret machte der Staatschef Mordisco verantwortlich, den Anführer der Splittergruppe Farc-Dissidenten. Diese erkennen ein 2016 erzieltes Friedensabkommen nicht an. Petro hat Mordisco wiederholt mit dem berüchtigten früheren Drogenbaron Pablo Escobar verglichen. Auf Mordisco ist ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet rund 855.000 Euro ausgesetzt.

Im Vorfeld der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 31. Mai ist die Lage in Kolumbien angespannt. Erst am Freitag waren bei einem Anschlag auf einen Militärstützpunkt in der Region Cali zwei Menschen verletzt worden. In den Regionen Cauca und Cauca-Tal gab es nach Angaben des Verteidigungsministeriums zudem 26 bewaffnete Angriffe innerhalb von zwei Tagen. Verteidigungsminister Pedro Sánchez kündigte am Samstag eine Verstärkung der Militär- und Polizeipräsenz in den betroffenen Gebieten an.

Die Sicherheit im Land ist eines der großen Wahlkampfthemen. Alle drei aussichtsreichen Anwärter für das Präsidentenamt haben nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten und umfangreiche Maßnahmen für ihren Schutz ergriffen.

Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind. Viele der bewaffneten Gruppen Kolumbiens, die einst linken oder rechten Ideologien anhingen, sind heute kriminelle Banden, die sich insbesondere durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt.

Nach seinem Amtsantritt 2022 hatte Petro sich erfolglos darum bemüht, mit den größten bewaffneten Gruppen im Land Friedensabkommen zu verhandeln.

L.Zimmermann--NZN