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Von der gegenwärtigen Hitzewelle in Europa sind hunderte Millionen Menschen betroffen. Fast überall in Deutschland galten am Mittwoch wieder amtliche Hitzewarnungen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Auch in Frankreich galt weiterhin fast im ganzen Land Hitze-Alarm, von hitzebedingten Stromausfällen in der Bretagne waren zehntausende Haushalte betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnte die Europäer eindringlich zu mehr Investitionen in den Hitzeschutz.
Der DWD erklärte, im Südwesten und Westen gebe es derzeit eine "sehr hohe Wärmebelastung", die sich allmählich weiter nach Norden ausbreite. Warnungen vor starker oder sogar extremer Hitze galten am Mittwoch laut DWD in praktisch allen Regionen außer in einigen Teilen von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Erwartet wurden demnach im Tagesverlauf Höchstwerte zwischen 27 und 34 Grad im Norden und 32 bis 39 Grad im Rest des Landes.
Die Temperaturen sollen in den folgenden Tagen demnach weiter ansteigen, da die nach Mitteleuropa einströmende Luft noch einmal heißer wird. Im Westen und Südwesten Deutschlands werden ab Donnerstag und Freitag lokal bis zu 41 Grad erwartet. Die Stadt Stuttgart untersagte angesichts der Hitze und stark gesunkener Pegelstände ab Freitag die Wasserentnahme aus Gewässern. Das Verbot gilt zunächst bis Ende August.
Am Samstag sind in Deutschland allgemein extrem heiße Temperaturen von 35 bis 41 vorhergesagt, mit Ausnahme des äußerten Nordens. Damit könnte auch der bisherige Juni-Temperaturrekord übertroffen werden. Ab Samstag drohen darüber hinaus kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial.
Es ist bereits die zweite Hitzewelle in Europa innerhalb eines Monats. Sie hat schon seit Tagen auch weite Teile von Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und Belgien im Griff.
In der Bretagne waren am Mittwoch nach Behördenangaben rund 68.000 Haushalte ohne Strom. Der Grund war ein überhitzter Transformator in Ergué-Gabéric in der Nähe von Quimper, wo die Temperaturen auf 40 Grad gestiegen waren. Frankreich hatte am Dienstag mit einem Durchschnittswert von 29,8 Grad seinen heißesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt.
In 58 von insgesamt 96 französischen Festland-Départements galt die höchste Hitze-Warnstufe Rot. Für fast alle weiteren wurde die zweithöchste Warnstufe ausgerufen. Bildungsminister Edouard Geffray kündigte an, dass die am Freitag anstehenden Schulabschlussprüfungen beibehalten würden, es aber zusätzliche Pausen gebe.
Auch in mehreren britischen Regionen gilt bis Donnerstagabend die höchste Hitze-Warnstufe. Der Netzbetreiber Neso warnte vor Stromausfällen wegen hitzebedingter Überlastung. In der niederländischen Stadt Amsterdam war der Schwimmbad-Eintritt wegen der Hitze am Mittwoch gratis. Auch Österreich, Ungarn und Kroatien bereiteten sich auf die von West nach Ost rollende Hitzewelle vor.
Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP ergaben, dass am Mittwoch 94 Millionen Menschen in Europa tagsüber Temperaturen von über 35 Grad erlebten, die meisten von ihnen in Spanien und Frankreich. Bei mehr als 350 Millionen Einwohnern Europas (ohne Türkei) lag die Temperatur demnach immerhin bei über als 30 Grad.
Die Zahlen basieren auf den Prognosen des Deutschen Wetterdienstes und den Bevölkerungsprojektionen für 2025 des Joint Research Center. Sie decken sich mit den Angaben der österreichischen Organisation Klimadashboard.
Der Chef des Weltklimarats IPCC, Jim Skea, erklärte, die gegenwärtige Hitzewelle falle heftiger aus als in manchen wissenschaftlichen Prognosen vorhergesagt. "Wir werden zwangsläufig mehr von dem erleben, was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben", warnte er.
Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte zur aktuellen Wetterlage: "Die Hitzewelle in Europa führt zu Schulschließungen und gefährdet die Gesundheit der Menschen." Mit Blick auf die allgemeine Klima-Entwicklung auf unserem Kontinent im Zuge der Erderwärmung fügte er hinzu: "Die Daten sind klar: Die Temperaturen in Europa steigen doppelt so schnell wie im globalen Vergleich, und das erhöht die Wahrscheinlichkeit und die Schwere extremer Wetterphänomene."
Europa könne sich bei den Schutzmaßnahmen daher "keine weiteren Verzögerungen leisten", erklärte Tedros. Die Regierungen müssten "Investitionen in Klima-resiliente Gesundheitssysteme Priorität einräumen und zugleich den Klimaschutz beschleunigen und die Treiber der Klimakrise zurückfahren".
Als praktischer Tipp riet die WHO dazu, zwischen hitzebedingter Erschöpfung und einem lebensgefährlichen Hitzschlag zu unterscheiden. Die Erschöpfung äußere sich in Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Krämpfen. Bei einem Hitzschlag träten aber auch geistige Verwirrung, körperlicher Zusammenbruch und Anfälle auf.
Die WHO rät dazu, bei Temperaturen unter 40 Grad Ventilatoren zu nutzen. Bei Temperaturen über 40 Grad heizten die Geräte den Körper hingegen noch stärker auf. Bei Hitze sollten Menschen außerdem mindestens zwei bis drei Liter pro Tag trinken, heißt es in den WHO-Empfehlungen.
F.Carpenteri--NZN