Zürcher Nachrichten - Drei EU-Regierungschefs in ukrainischer Hauptstadt eingetroffen

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Drei EU-Regierungschefs in ukrainischer Hauptstadt eingetroffen
Drei EU-Regierungschefs in ukrainischer Hauptstadt eingetroffen

Drei EU-Regierungschefs in ukrainischer Hauptstadt eingetroffen

Zum ersten Mal seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben ausländische Regierungschefs die belagerte Hauptstadt Kiew besucht. Die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien trafen am Dienstagabend in der von russischen Truppen nahezu eingekesselten Hauptstadt ein. Derweil führte Russland seinen Angriffskrieg mit unverminderter Härte fort. Bei der vierten Verhandlungsrunde, die nach einer Unterbrechung am Vortag wieder aufgenommen wurde, stießen Moskau und Kiew derweil nach ukrainischen Angaben auf "fundamentale Gegensätze".

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"Wir müssen dieser Tragödie, die sich im Osten abspielt, so schnell wie möglich ein Ende bereiten", erklärte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Dienstagabend im Online-Dienst Facebook. Deshalb sei er mit dem polnischen Vize-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski und den Regierungschefs von Tschechien und Slowenien, Petr Fiala und Janez Jansa, mit dem Zug nach Kiew gefahren.

Der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal bestätigte die Ankunft der Politiker im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er lobte "den Mut der wahren Freunde der Ukraine" und erklärte, dass ihre Gespräche "die Unterstützung der Ukraine und die Verschärfung der Sanktionen gegen die russische Aggression" zum Thema haben sollten.

Unterhändler beider Seiten nahmen derweil am Dienstag ihre Gespräche wieder auf. In den Verhandlungen bestünden weiterhin "fundamentale Gegensätze", erklärte der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak. Einen Kompromiss hielt er dennoch für möglich. "Wir werden morgen weitermachen."

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj scheint indes in der strittigen Frage eines Nato-Beitritts seines Landes zu einem wichtigen Zugeständnis bereit zu sein. "Wir haben jahrelang gehört, dass die Türen offen sind, aber wir haben auch gehört, dass wir nicht beitreten können. Das ist die Wahrheit und wir müssen das anerkennen", sagte er bei einer Videokonferenz mit westlichen Staats- und Regierungschefs.

Auch Ankara beteiligt sich nach eigenen Angaben weiter an den internationalen Vermittlungsversuchen: Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wird am Mittwoch Gespräche zum Ukraine-Krieg in Moskau führen. Am Donnerstag reist er dann weiter nach Kiew, wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ankündigte.

Am Dienstag wurde derweil eine ganze Reihe heftiger Attacken auf die Hauptstadt Kiew gemeldet. Die russische Armee versucht derzeit, Kiew einzukesseln. Mindestens vier Menschen wurden nach Behördenangaben beim Angriff auf ein Wohnhaus im Stadtteil Swjatoschin getötet. Rund 40 weitere wurden nach dem russischen Luftangriff lebend geborgen.

Bürgermeister Vitali Klitschko verhängte ab Dienstagabend eine 35-stündige Ausgangssperre. Selenskyj ernannte zudem den bisherigen Befehlshaber in der Ostukraine, Olexander Pawljuk, zum neuen Leiter der Militäreinsätze in der Hauptstadtregion. In der Stadt befinden sich noch rund die Hälfte der einst 3,5 Millionen Einwohner.

Auch in anderen Landesteilen der Ukraine setzte Russland seinen Angriffskrieg derweil fort. Der Flughafen der Stadt Dnipro wurde nach ukrainischen Angaben weitgehend zerstört und im östlichen Charkiw starben mindestens drei Menschen durch russischen Beschuss.

Die Evakuierung der ukrainischen Hafenstadt Mariupol wurde fortgesetzt. Rund 20.000 Menschen verließen nach ukrainischen Angaben die belagerte Stadt. "Heute sind rund 20.000 Menschen in Privatautos über den humanitären Korridor aus Mariupol gefahren", gab der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko, im Messengerdienst Telegram bekannt.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor knapp drei Wochen sind nach UN-Angaben mittlerweile mehr als drei Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Außerdem wurden nach Angaben des ukrainischen Präsidenten insgesamt 97 Kinder getötet.

Auch vier Journalisten wurden seit Beginn des russischen Einmarschs getötet und mehr als 30 weitere verletzt. Zuletzt meldete der US-Sender Fox News den Tod seines Kameramanns Pierre Zakrzewski.

W.Vogt--NZN