Zürcher Nachrichten - Entsetzen über Angriff auf Theater in Mariupol - Hunderte in Gebäude vermutet

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Entsetzen über Angriff auf Theater in Mariupol - Hunderte in Gebäude vermutet
Entsetzen über Angriff auf Theater in Mariupol - Hunderte in Gebäude vermutet

Entsetzen über Angriff auf Theater in Mariupol - Hunderte in Gebäude vermutet

Im Ukraine-Krieg hat die Bombardierung eines Theaters in der Hafenstadt Mariupol für Entsetzen gesorgt. Der Stadtrat von Mariupol sprach am Donnerstag von mehr als 1000 Menschen, die vor dem russischen Angriff in dem Theater Schutz gesucht hätten. Zu Verletzten oder Toten lagen aber weiter keine Informationen vor. Am Morgen wurde auch die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut beschossen, mindestens ein Mensch wurde nach ukrainischen Angaben getötet.

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"In Mariupol hat die russische Luftwaffe wissentlich eine Bombe auf das Drama-Theater im Stadtzentrum abgeworfen. Das Gebäude ist zerstört", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelensky. "Die Zahl der Toten ist noch nicht bekannt".

Der Eingang zum Schutzraum in dem Theater wurde nach Angaben der Mariupoler Stadtverwaltung "durch Trümmer blockiert". Ein von den Behörden veröffentlichtes Foto zeigte ein zerstörtes Gebäude und darüber aufsteigender dichter Rauch. Der ukrainische Abgeordnete Serhij Taruta schrieb auf Facebook, Menschen hätten lebend gerettet werden können, weil der Schutzraum unter dem Theater gehalten habe.

Das Gebäude war offenbar als zivile Schutzeinrichtung markiert gewesen. Auf Satellitenbildern des privaten US-Unternehmens Maxar vom Montag war zu sehen, dass an Vorder- und Rückseite des Gebäudes in großen Buchstaben das Wort "Kinder" auf Russisch auf den Boden geschrieben worden war.

Die Organisation Human Rights Watch erklärte, es sei nicht auszuschließen, dass sich in der Nähe des Theaters ein ukrainisches Militärziel befunden habe. "Aber wir wissen, dass das Theater mindestens 500 Zivilisten beherbergte."

Die Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine ist besonders hart umkämpft. Vor dem Angriff auf das Theater hatten die Behörden bereits von mehr als 2000 Todesopfern in der Stadt gesprochen.

Das russische Verteidigungsministerium dementierte den Angriff auf das Theater. Wie schon nach den Angriffen auf eine Geburtsklinik in Mariupol vergangene Woche erklärte Moskau, die Explosion gehe auf das Konto der nationalistischen ukrainischen Asow-Brigade.

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow forderte die EU auf, Russlands Präsident Wladimir Putin als "Kriegsverbrecher" einzustufen und verwies auf den Angriff auf das Theater. Zuvor hatte auch US-Präsident Joe Biden den Kreml-Chef erstmals als "Kriegsverbrecher" bezeichnet. Der ukrainische Präsident Selenskyj hob in einer Rede per Video vor dem Bundestag hervor: "In Europa wird ein Volk vernichtet." Deutschland müsse eine Führungsrolle zum Schutz der Ukraine vor Russland einnehmen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnte ein militärischen Eingreifens der Nato in den Krieg in der Ukraine allerdings erneut kategorisch ab. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte, es sei "die Verantwortung" der Militärallianz, "zu verhindern, dass dieser Konflikt weiter eskaliert". Denn dies werde nur "mehr Leid, Tod und Zerstörung" bedeuten.

Derweil bombardierte die russische Armee in den frühen Morgenstunden erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew. Ein 16-stöckiges Wohnhaus im östlichen Stadtteil Darnizky sei von Trümmern einer im Anflug abgeschossenen russischen Rakete getroffen worden, erklärte der ukrainische Rettungsdienst. "Nach vorläufigen Informationen wurden 30 Menschen geborgen, drei davon wurden verletzt. Eine Person wurde getötet."

Die USA, Großbritannien, Frankreich und weitere europäische Staaten beantragten wegen der sich zuspitzenden Lage in der Ukraine für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zur humanitären Lage in dem Land. "Russland begeht Kriegsverbrechen und nimmt Zivilisten ins Visier", erklärte die britische Vertretung bei den Vereinten Nationen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen seien mittlerweile "Teil der Kriegsstrategie und -taktik". Seit dem Beginn des Krieges vor drei Wochen sind nach UN-Angaben knapp 3,2 Millionen Menschen aus der Ukraine ins Ausland geflüchtet, die meisten nach Polen.

H.Roth--NZN