Zürcher Nachrichten - Israel startet beispiellosen Großangriff auf den Iran

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Israel startet beispiellosen Großangriff auf den Iran
Israel startet beispiellosen Großangriff auf den Iran / Foto: MEGHDAD MADADI - TASNIM NEWS/AFP

Israel startet beispiellosen Großangriff auf den Iran

Dramatische Eskalation in Nahost: Israel hat Freitagmorgen einen beispiellosen Großangriff auf seinen Erzfeind Iran gestartet. Nach Angaben der israelischen Armee richtete sich die erste Angriffswelle gegen rund hundert Ziele und traf Atom- und Militäranlagen. Israel begründete den "Präventivschlag" mit dem weit fortgeschrittenen iranischen Atomprogramm. Die Befehlshaber der iranischen Armee und der Revolutionsgarden wurden getötet. Der Iran sprach von einer "Kriegserklärung" Israels. US-Präsident Donald Trump warnte, dem Iran drohten "noch brutalere" Angriffe, wenn Teheran keinen "Deal" eingehe.

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Im Zuge des "Rising Lion" (sich erhebender Löwe) genannten Großangriffs stiegen am frühen Morgen israelische Kampfflugzeuge auf und bombardierten Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran, die Atomanlage Natans und mehrere Militäranlagen im Iran. In Natans wurden unterirdische Anlagen zur Urananreicherung angegriffen, laut iranischem Staatsfernsehen wurde der Großteil des Schadens nur an der Oberfläche angerichtet.

Bei den israelischen Angriffen wurden der iranische Armeechef Mohammed Bagheri und der Chef der mächtigen Revolutionsgarden, Hussein Salami, getötet. Das israelische Verteidigungsministerium erklärte, auch fast der gesamte Führungsstab der Luftwaffe der Revolutionsgarden sei "während einer Sitzung in ihrem unterirdischen Hauptquartier neutralisiert" worden.

Laut Armee hatten sich die Kommandeure dort versammelt, "um einen Angriff auf den Staat Israel vorzubereiten". Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe hätten die Kommandozentrale daraufhin bombardiert. Die Revolutionsgarden bestätigten die Tötung ihres Luftwaffen-Chefs: Amir Ali Hadschisadeh und mehrere "tapfere und treue Kämpfer" seiner Einheit seien "bei einem israelischen Angriff auf eine Kommandozentrale als Märtyrer gestorben", teilten die Revolutionsgarden mit.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, die gezielten Angriffe seien eine klare Botschaft: "Diejenigen, die auf Israels Zerstörung hinarbeiten, werden eliminiert." Nach den Worten von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wurde "das Herz" des iranischen Atom- und Raketenprogramms getroffen. Netanjahu kündigte an, der israelische Militäreinsatz gegen den Iran werde solange dauern wie nötig.

Die israelische Armee begründete den Großangriff damit, dass sich die Islamische Republik bei ihrem Atomprogramm einem "unumkehrbaren Punkt" genähert habe. In den vergangenen Monaten gesammelte Geheimdienstinformationen hätten Beweise dafür geliefert, dass Teheran inzwischen "Uran auf militärisches Niveau anreichern" und "innerhalb kurzer Zeit eine Atomwaffe" bauen könne.

Die Angriffe richteten sich auch gegen Atom-Forscher. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasmin wurden sechs Wissenschaftler getötet. Iranische Staatsmedien berichteten, auch Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, seien bei den Angriffen getötet worden, 95 weitere Menschen seien verletzt worden.

Der Iran startete am Freitag einen Gegenangriff und griff israelisches Staatsgebiet mit Drohnen an. Zunächst war von hundert iranischen Drohnen die Rede; Israels Armee erklärte Stunden später, sie fange weiterhin Drohnen außerhalb von israelischem Staatsgebiet ab.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete den israelischen Angriff als "Kriegserklärung". Die iranische Armee erklärte, bei ihrer Reaktion werde es "keine Grenzen" geben. Irans Präsident Massud Peseschkian kündigte Vergeltung an und erklärte, die "legitime und starke Reaktion" der Islamischen Republik werde "den Feind seine dumme Tat bereuen lassen".

Die Führung in Teheran machte die USA, mit denen sie derzeit über ein neues Atomabkommen verhandelt, für die Folgen des israelischen Angriffs verantwortlich. Die Angriffe hätten "nicht ohne die Koordinierung und Genehmigung der Vereinigten Staaten ausgeführt worden sein" können, erklärte das Außenministerium in Teheran.

In Washington hieß es, die USA seien an dem israelischen Vorgehen nicht beteiligt gewesen. Außenminister Marco Rubio warnte Teheran vor Angriffen "auf US-Interessen oder Personal". Präsident Trump forderte den Iran zu einem "Deal" auf. "Es hat bereits viel Tod und Zerstörung gegeben, aber es ist noch Zeit, diesem Massaker ein Ende zu setzen - wobei die nächsten bereits geplanten Angriffe noch brutaler sein werden", schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.

Israel sieht seine Existenz seit langem durch den Iran bedroht. Die westlichen Staaten werfen Teheran vor, den Bau von Atomwaffen anzustreben. Ein internationales Abkommen zur Eindämmung des iranischen Atomprogramms aus dem Jahr 2015 hat keine Gültigkeit mehr.

Seit dem Beginn des Gazakrieges im Oktober 2023, der durch den Überfall der vom Iran unterstützten Palästinenserorganisation Hamas auf Israel ausgelöst wurde, hatte es bereits mehrfach gegenseitige Angriffe zwischen den beiden seit Jahrzehnten verfeindeten Staaten gegeben.

International löste das Vorgehen Israels größte Besorgnis aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rief die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf und warnte vor einer Destabilisierung der gesamten Region. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte, "von Vergeltungsmaßnahmen abzusehen". Auch Länder wie Saudi-Arabien, Russland, China und die Türkei warnten vor einer Eskalation.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, mahnte mit Blick auf Natans, Atomanlagen dürften "niemals angegriffen werden". Das iranische Atomkraftwerk Buschehr und die Atomanlagen Fordo und Isfahan waren von den Angriffen nicht betroffen.

Die militärische Eskalation des Konflikts sorgte auch für massive Beeinträchtigungen im Luftverkehr. Der Luftraum in mehreren Ländern der Region wurde am Freitag geschlossen. Airlines setzten reihenweise Flüge aus, teils für mehrere Wochen. Der Ölpreis schnellte an den internationalen Märkten in die Höhe.

A.Senn--NZN