Zürcher Nachrichten - Mindestens 14 Tote in Kiew: Russland überzieht Ukraine mit massiver Angriffswelle

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Mindestens 14 Tote in Kiew: Russland überzieht Ukraine mit massiver Angriffswelle
Mindestens 14 Tote in Kiew: Russland überzieht Ukraine mit massiver Angriffswelle / Foto: Sergei SUPINSKY - AFP

Mindestens 14 Tote in Kiew: Russland überzieht Ukraine mit massiver Angriffswelle

Russland hat die Ukraine in der Nacht zum Donnerstag mit der offenbar zweitgrößten Luftangriffswelle seit Kriegsbeginn überzogen. Dabei wurden nach Angaben von Rettungskräften allein in der Hauptstadt Kiew mindestens 14 Menschen getötet, darunter drei Kinder. Insgesamt wurde das Gebiet der Ukraine nach Angaben der Luftabwehr mit 598 Drohnen sowie insgesamt 31 ballistischen Raketen und Marschflugkörpern attackiert. Bei den Angriffen wurde auch das Gebäude der EU-Delegation in Kiew beschädigt.

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Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurde ein Großteil der russischen Flugkörper abgefangen: 563 von 598 Drohnen und 26 von 31 Raketen hätten unschädlich gemacht werden können. Trotzdem hatte die Angriffswelle tödliche Auswirkungen. Zu dem Angriff auf Kiew sagten Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP, unter den 14 Todesopfern seien drei Kinder. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor erklärt, mehr als 30 weitere Menschen seien in der Hauptstadt verletzt worden, unter ihnen vier Kinder und ein Teenager.

Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, waren am Donnerstagmorgen in Kiew Rettungskräfte und Anwohner damit beschäftigt, Glasscherben und Baumaterialien von mehreren Straßen im Stadtzentrum zu entfernen. Auf von Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Aufnahmen war ein Wohnhaus zu sehen, in den ein Angriff einen fünf Stockwerke tiefen Riss geschlagen hatte. Die Fenster mehrerer Wohnhäuser und Ladenlokale wurden zerstört. Matratzen hingen von Balkonen herab, die durch einen Treffer zerstört worden waren.

Bei der Angriffswelle wurde in Kiew nach übereinstimmenden Angaben auch das Gebäude der EU-Delegation in der ukrainischen Hauptstadt getroffen. EU-Ratspräsident António Costa schrieb im Onlinedienst X von einem "vorsätzlichen russischen Angriff" und fügte seinem Post ein Bild von dem beschädigten Gebäude bei. Die Botschafterin der EU in der Ukraine, Katarina Mathernova, teilte auf X Fotos der getroffenen Büros, auf denen geborstene Fensterscheiben sowie eingestürzte Deckenpaneele und verbogene Metallstreben zu sehen waren.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, das EU-Delegationsteam in der Ukraine sei "unversehrt". Sie forderte Russland auf, seine "wahllosen Angriffe auf zivile Infrastruktur" sofort zu stoppen einen gerechten und dauerhaften Frieden" aufzunehmen. Ratspräsident Costa erklärte, die EU werde sich "nicht einschüchtern lassen", der russische Angriff verstärke lediglich die "Entschlossenheit, die Ukraine und ihr Volk zu unterstützen".

Selenskyj bewertete den nächtlichen Angriff Russlands als Zeichen dafür, dass sein russischer Amtskollege Wladimir Putin nicht zu einer Einstellung der Kämpfe bereit sei. "Russland entscheidet sich für Raketen anstelle des Verhandlungstischs", schrieb er in einer auf Online-Netzwerken verbreiteten Erklärung. Putin habe kein Interesse an "echter Diplomatie".

Selenskyj schrieb von einem "furchterregenden und gezielten Töten" seitens Russlands. Er fügte an, die Ukraine erwarte eine "Reaktion" anderer Staaten auf die nächtlichen Angriffe auf Kiew. Insbesondere forderte er Moskaus Verbündeten China und das Russland freundlich gesinnte EU-Land Ungarn auf, klar Position zu beziehen.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hatte zuvor von einem "massiven" Angriff auf die Hauptstadt gesprochen, der in fünf Bezirken Schäden verursacht habe. Ein fünfstöckiges Gebäude im Bezirk Darnyzja sei eingestürzt, erklärte er.

Den russischen Streitkräften war es in den vergangenen Monaten gelungen, weitere Gebiete in der Ukraine einzunehmen. Vorschläge für eine Waffenruhe hat Putin bislang stets ausgeschlagen. Selenskyj hatte am Mittwoch erklärt, Mitglieder seiner Regierung würden am Freitag zu weiteren Gesprächen mit der US-Regierung nach New York reisen.

N.Fischer--NZN