Zürcher Nachrichten - Mutmaßlicher Drohnenangriff auf Gaza-Hilfsflotte: UNO fordert Untersuchung

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Mutmaßlicher Drohnenangriff auf Gaza-Hilfsflotte: UNO fordert Untersuchung
Mutmaßlicher Drohnenangriff auf Gaza-Hilfsflotte: UNO fordert Untersuchung / Foto: MOHAMED FLISS - AFP

Mutmaßlicher Drohnenangriff auf Gaza-Hilfsflotte: UNO fordert Untersuchung

Nach Berichten über erneute Drohnenangriffe auf eine Gaza-Hilfsflotte im Mittelmeer hat Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto eine Fregatte der italienischen Marine entsandt. Das Schiff sei bereits auf dem Weg in das Gebiet für "mögliche Rettungsmaßnahmen", erklärte Crosetto am Mittwoch auf X. Die Organisatoren der sogenannten Global Sumud Flotilla (GSF) hatten zuvor einen erneuten Drohnenangriff vor Griechenland gemeldet. Die UNO forderte eine Untersuchung. Israel erklärte indes, es werde keine Hilfen in das "Kampfgebiet" lassen.

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Bei dem Vorfall vor der griechischen Küste sei es zu mehr als einem Dutzend Explosionen gekommen, erklärten die pro-palästinensischen Aktivisten in der Nacht zu Mittwoch in Online-Netzwerken. Auf das Deck der Schiffe gefallene "unidentifizierte Objekte" hätten Schäden verursacht.

Die Aktivisten machten Israel verantwortlich. "Israel eskaliert gefährliche Angriffe", erklärten sie. Sie warten Israel den "Einsatz von Spreng- und Brandvorrichtungen, die absichtliche Ausbringung chemischer Substanzen auf zivilen Schiffe" sowie Versuche vor, die Boote seeuntüchtig zu machen. Israel gefährde damit die über 500 Aktivisten an Bord der Flotte.

Zu den prominentesten Mitgliedern der Flotte zählt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Diese sagte in einem auf Instagram veröffentlichten Interview, die "Einschüchterungstaktik" werde die Aktivisten nicht aufhalten. "Wir segeln friedlich in internationalen Gewässern. Wir haben keine Waffen. Wir haben Lebensmittel, Babynahrung, medizinische Hilfsgüter und Wasser dabei."

Die deutsche Aktivistin Yasemin Acar sagte in zwei Videos auf Instagram, insgesamt fünf Schiffe seien attackiert worden. Die Aktivisten an Bord hätten "15 bis 16 Drohnen gesichtet". "Wir transportieren nur humanitäre Hilfe", sagte Acar. "Wir haben keine Waffen. Wir stellen für niemanden eine Bedrohung dar." Ein Video, das auf der Instagram-Seite der Hilfsflotte veröffentlicht wurde, zeigt eine Explosion, die den Angaben zufolge vom Schiff "Spectre" aus gefilmt wurde.

Italiens Verteidigungsminister Crosetto erklärte, er habe "zur Unterstützung der italienischen Staatsbürger auf der 'Flotilla'" mit Regierungschefin Giorgia Meloni gesprochen und den sofortigen Einsatz der Mehrzweckfregatte "Fasan" der italienischen Marine genehmigt.

Zuvor hatte Italiens Außenminister Antonio Tajani Israel dazu aufgerufen, die Sicherheit der Flotte zu gewährleisten. Unter den Aktivisten der Flotte seien "italienische Staatsbürger sowie Mitglieder des Parlaments und des Europäischen Parlaments", erklärte er.

Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte mit Blick auf die Angriffe: "Die Freiheit der Schifffahrt nach internationalem Recht muss gewahrt bleiben. Das ist von größter Bedeutung. Daher sind Angriffe, Drohnenangriffe, Beschlagnahmungen oder jegliche Gewaltanwendung gegen die Flottille nicht akzeptabel".

Die UNO forderte nach dem Vorfall die Aufnahme von Ermittlungen. "Es muss eine unabhängige, unparteiische und gründliche Untersuchung der gemeldeten Angriffe und Belästigungen durch Drohnen und andere Objekte geben", erklärte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Thameen Al-Kheetan.

Die griechische Küstenwache teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, ein Patrouillenboot der EU-Grenzschutzagentur Frontex habe sich einem Schiff genähert und "keine Anzeichen von Schäden" feststellen können. Die Crew der Flotte habe zudem gesagt, sie benötige keine Hilfe.

Israel seinerseits betonte, es werde der Flotte nicht gestatten, das umkämpfte palästinensische Gebiet zu erreichen. "Israel wird Schiffen nicht gestatten, in eine aktive Kampfzone einzudringen, und keine Verletzung der rechtmäßigen Seeblockade zulassen", teilte Außenministeriumssprecher Oren Marmorstein AFP mit. Er rief die Aktivisten auf, die Hilfsgüter zum nahe gelegenen israelischen Hafen Aschkelon zu bringen, damit sie von dort "umgehend und gewaltfrei in den Gazastreifen weitergeleitet werden können".

Bereits im Juni und Juli hatte Israel zwei Versuche von Aktivisten unterbunden, Hilfsgüter auf dem Seeweg in den Gazastreifen zu bringen. Die israelische Armee stoppte die beteiligten Schiffe, nahm die Besatzungen fest und verwies sie des Landes.

Die Gaza-Hilfsflotte war Anfang September in Barcelona in See gestochen und will Hilfsgüter in den von Israel abgeriegelten Gazastreifen bringen. Die Flotte besteht derzeit aus 51 Schiffen, von denen sich die meisten vor der Küste der griechischen Insel Kreta befinden.

Bereits bei einem Zwischenstopp in Tunesien hatte es nach Angaben der Organisatoren zwei mutmaßliche Drohnenangriffe auf die Flotte gegeben.

T.L.Marti--NZN