Zürcher Nachrichten - Nächtliche russische Angriffswelle in der Ukraine - polnische Kampfjets steigen auf

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Nächtliche russische Angriffswelle in der Ukraine - polnische Kampfjets steigen auf
Nächtliche russische Angriffswelle in der Ukraine - polnische Kampfjets steigen auf / Foto: Roman PILIPEY - AFP

Nächtliche russische Angriffswelle in der Ukraine - polnische Kampfjets steigen auf

Bei nächtlichen russischen Angriffen mit hunderten Drohnen und Raketen sind in der Ukraine nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte am Sonntag, da Russland nicht mit dem Töten aufhöre, verdiene es "den härtesten Druck der Welt". Wegen der zwölfstündigen Angriffswelle ließ das benachbarte Nato-Land Polen Kampfjets aufsteigen und erhöhte die Alarmbereitschaft seines Luftabwehrsystems.

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Der Chef der Kiewer Militärverwaltung, Timur Tkatschenko, erklärte, unter den Todesopfern sei ein zwölfjähriges Mädchen. Aus den Regionen Sumy im Nordosten, Tscherkassy im Zentrum, Mykolajiw sowie Odessa und Saporischschja im Süden der Ukraine wurden insgesamt mehr als 40 Verletzte gemeldet. Nach Angaben des russischen Generalstabs setzte Russland in der Nacht 643 Drohnen und Raketen ein.

"Moskau will das Kämpfen und Töten fortsetzen und verdient nur den härtesten Druck der Welt", erklärte Selenskyj und rief die Verbündeten der Ukraine erneut zu härteren Sanktionen gegen Russland auf. Der Kreml profitiere "von der Fortsetzung dieses Krieges und Terrors, solange es Profite aus Energieverkäufen gibt".

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht seien nur militärische Ziele angegriffen worden. Seit seinem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 hat Russland noch nie bestätigt, dort Zivilisten ins Visier genommen zu haben.

Selenskyj veröffentlichte nach der neuen Angriffswelle Fotos von brennenden Häusern und der Bergung von Menschen aus zerstörten Gebäuden. Einsatzkräfte erklärten, angesichts der anhaltenden Suche nach Verschütteten werde die Opferzahl womöglich weiter steigen. Laut Außenministerium wurden außer Wohnhäusern unter anderem auch ein Herzzentrum und ein Kindergarten beschossen. Der ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak erklärte: "Wieder einmal ist es ein Krieg gegen Zivilisten."

Der 35-jährige Mark Sergejew aus der Hauptstadtregion Kiew schilderte der Nachrichtenagentur AFP, wie in dem Dach, unter dem sich seine Kinder aufgehalten hatten, ein Geschoss einschlug. "Ich kann nicht glauben, dass die Kinder noch am Leben sind", sagte er. "Das Dach wurde direkt über dem Bett meines ältesten Sohnes weggerissen."

Wegen der zahlreichen Angriffe im Nachbarland ließ Polen Kampfjets aufsteigen und versetzte sein Luftabwehrsystem am Boden in hohe Alarmbereitschaft. Die polnische Armee erklärte dazu, es habe sich um Vorsichtsmaßnahmen gehandelt, um die Menschen in Polen zu schützen, insbesondere in den an die Ukraine grenzenden Gebieten.

In den vergangenen Wochen hatten Polen und weitere EU-Länder Russland wiederholt Verletzungen ihres Luftraums vorgeworfen. Die Nato vermutet dahinter eine hybride Taktik Moskaus, um damit die Entschlossenheit und Einsatzbereitschaft des Verteidigungsbündnisses zu testen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies die Vorwürfe am Samstag in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York zurück. Zugleich drohte er dem Westen mit einer "entschlossenen Reaktion" auf "jegliche Aggression".

Die russische Armee erklärte am Samstag, sie habe drei weitere Dörfer in der Region Donezk sowie um Stepowe in der Region Dnipropetrowsk eingenommen. Nach ukrainischen Angaben wurden in der Nacht zum Samstag durch russisches Sperrfeuer in der südöstlichen Region Cherson ein Mensch getötet und zwölf weitere verletzt.

Im Kampf gegen Russland ist die Ukraine dringend auf weitere Rüstungslieferungen angewiesen. Präsident Selenskyj teilte am Samstag mit, dass sein Land ein Patriot-Luftabwehrsystem von Israel erhalten habe, das bereits seit einem Monat in der Ukraine im Einsatz sei. Im Herbst werde die Ukraine zwei weitere Patriot-Systeme erhalten.

H.Roth--NZN