Zürcher Nachrichten - Nach neuen Trump-Drohungen: Europäer sichern Dänemark Solidarität zu

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Nach neuen Trump-Drohungen: Europäer sichern Dänemark Solidarität zu
Nach neuen Trump-Drohungen: Europäer sichern Dänemark Solidarität zu / Foto: Odd ANDERSEN - AFP/Archiv

Nach neuen Trump-Drohungen: Europäer sichern Dänemark Solidarität zu

Nach den jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit einer möglichen Annexion Grönlands durch die USA haben europäische Staaten Dänemark ihre Solidarität zugesichert. Die Souveränität sowie Unverletzlichkeit der Grenzen seien "allgemein geltende Prinzipien, wir werden nicht aufhören, sie zu verteidigen", hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Staatenlenker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte, ein US-Angriff auf Grönland würde das Ende der Nato besiegeln.

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Trump hatte am Sonntag den US-Anspruch auf das zu Dänemark gehörende Grönland bekräftigt: "Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein", sagte er an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One. Er fügte hinzu: "Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen."

Nach dem US-Militärangriff auf Venezuela und der Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro sind die Ängste bei westlichen Partnern der USA gewachsen, dass Trump es mit seinen Drohungen mit einer Einnahme des rohstoffreichen und geostrategisch günstig gelegenen Grönland ernst meinen könnte.

Zu den von Trump vorgebrachten US-Sicherheitsinteressen in Grönland erklärten die europäischen Staats- und Regierungschefs nun, die Sicherheit im Gebiet der Arktis habe "eine große Bedeutung für Europa". Diese müsse gemeinsam gewährleistet werden, "mit den Nato-Verbündeten, darunter die USA, unter Beachtung der Prinzipien der UN-Charta". Die USA, die seit 1951 mit Dänemark ein Verteidigungsabkommen hätten, seien in dieser Hinsicht ein "wichtiger Partner".

Die Erklärung wurde neben Merz und Frederiksen vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie den Regierungschefs von Großbritannien, Polen, Italien und Spanien, Keir Starmer, Donald Tusk, Georgia Meloni und Pedro Sánchez, unterzeichnet. Sie betonten auch: "Grönland gehört seinem Volk. Es ist an Dänemark und Grönland, und nur an ihnen, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen."

Trump hatte zuvor auch in einem Interview mit dem Magazin "The Atlantic" gesagt: "Wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung." Sein Berater Stephen Miller äußerte im Sender CNN die Einschätzung, dass es gegen eine US-Annexion Grönlands durch die USA keinen bewaffneten Widerstand geben werde: "Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen."

Miller stellte auch die Berechtigung der Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark in Frage. Auf die Frage, ob die USA ein militärisches Vorgehen ausschließen würden, konterte er mit der Gegenfrage, auf welcher "Grundlage" Grönland eine "Kolonie Dänemarks" sei. "Die Vereinigten Staaten sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten haben. Es gibt überhaupt keinen Grund, darüber im Zusammenhang mit einer Militäroperation nachzudenken."

Die dänische Ministerpräsidentin Frederiksen zeigte sich alarmiert. Sollten sich die USA zu einer Attacke auf Grönland entscheiden, "dann ist alles vorbei", sagte sie dem dänischen Sender TV2. Dies betreffe die Nato und die Sicherheitsarchitektur nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Regierung tue "alles, was möglich ist, damit dies nicht geschieht". Frederiksen appellierte an die US-Regierung, ihre "Drohungen gegen einen historischen Verbündeten" einzustellen.

Auch Grönlands Regierungschef Jens Frederik Nielsen wies Trumps Drohungen scharf zurück: "Das reicht jetzt", erklärte er. "Keine weiteren Annexions-Fantasien", schrieb er im Onlinedienst Facebook. "Wir sind offen für Dialog. Wir sind offen für Diskussionen", betonte er.

Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit der Übernahme Grönlands durch die USA gedroht und dabei auch die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen. Zur Begründung der US-Sicherheitsinteressen in Grönland verwies der Präsident auf eine angebliche Präsenz Russland und Chinas rund um die Insel. Die Abgeordnete Aaja Chemnitz, die Grönland im dänischen Parlament vertritt, warf Trump jedoch vor, "Lügen über chinesische und russische Kriegsschiffe zu verbreiten".

Trotz seiner Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark genießt Grönland weitgehende Autonomie. Die größte Insel der Welt liegt im Nordatlantik und Arktischen Ozean zwischen Nordamerika und Europa. Auch befindet sich die Insel auf direkter Strecke einer möglichen Raketenflugbahn zwischen Russland und den USA.

Im Boden Grönlands lagern wertvolle Rohstoffe, die bisher kaum genutzt werden. Durch neu eröffnete Seewege infolge des Klimawandels ist das geostrategische Interesse an der Arktis von Seiten der USA, Chinas und Russlands deutlich gewachsen.

H.Roth--NZN