Zürcher Nachrichten - Syrische Armee rückt gegen Kurden vor und nimmt größtes Ölfeld des Landes ein

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Syrische Armee rückt gegen Kurden vor und nimmt größtes Ölfeld des Landes ein
Syrische Armee rückt gegen Kurden vor und nimmt größtes Ölfeld des Landes ein / Foto: OMAR HAJ KADOUR - AFP

Syrische Armee rückt gegen Kurden vor und nimmt größtes Ölfeld des Landes ein

Bei ihrem Vorstoß im bisher von Kurden kontrollierten Norden und Osten des Landes haben syrische Regierungstruppen das größte Ölfeld des Landes eingenommen. Die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) zogen sich am Sonntag aus den bislang von ihr kontrollierten Gebieten im östlichen Teil der Region Deir Essor zurück, darunter die Ölfelder Al-Omar und Al-Tanak.

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Kurdische Truppen hatten 2017 Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Al-Omar vertrieben und kontrollierten seither das größte Ölfeld des Landes. Jahrelang befand sich in der Region der größte Stützpunkt der internationalen Anti-IS-Koalition, die gemeinsam mit den SDF 2019 den IS in Syrien besiegte.

Mit der Kontrolle der Ölfelder durch die Regierung werde "das Tor zum Wiederaufbau, zur Erneuerung der Landwirtschaft, der Energie und des Handels weit geöffnet", erklärte Energieminister Mohammed al-Baschir am Sonntag.

Während des 2024 zuende gegangenen Bürgerkriegs in Syrien hatten Kämpfer der kurdischen Minderheit weite Gebiete im ölreichen Norden und Nordosten Syriens eingenommen. Seit mehr als einem Jahrzehnt genießen die Kurden dort de facto Autonomie. Die Übergangsregierung unter dem islamistischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa will diese Gebiete nun unter ihre Kontrolle bringen.

Bei ihrer Offensive im Norden und Osten des Landes hatte die Armee in den vergangenen Tagen kurdische Kämpfer aus mehreren bisher von ihnen beherrschten Gebieten vertrieben, darunter die nordsyrische Großstadt Aleppo. Am Sonntag meldete die Regierung die Einnahme der Stadt Takba in der Provinz Raka. Die Regierungstruppen rückten weiter in Richtung der Stadt Raka in der gleichnamigen Provinz vor, der früheren De-facto-Hauptstadt des IS in Syrien.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Sana wurden in Raka zwei Zivilisten durch Angriffe der SDF getötet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete Kämpfe in mehreren Stadtteilen. Laut Sana sprengten SDF-Kämpfe zwei Brücken über den Euphrat und schnitten Raka damit vom westlichen Flussufer ab.

Beim Sieg über den IS in Syrien 2019 hatten die von den USA unterstützten SDF eine entscheidende Rolle gespielt. Eigentlich sollten die kurdischen Kämpfer der SDF in die Regierungsarmee integriert werden, eine entsprechende Vereinbarung wurde jedoch bisher nicht umgesetzt.

Das regionale US-Armeekommando Centcom rief die syrische Regierungsarmee auf, "jegliche Offensivhandlungen" im Gebiet zwischen Aleppo und Takba zu stoppen. Der französische Präsident Emmanuel Macron und der Anführer der Kurden im Irak, Netschirwan Barsani, riefen zur Deeskalation und einer Waffenruhe auf.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 herrscht in Syrien eine Übergangsregierung unter dem Islamisten al-Scharaa. Dieser wird vorgeworfen, die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen. Die Menschenrechtslage in dem Land gilt generell als fragil.

Übergangspräsident al-Scharaa wird am Dienstag zu einem Besuch in Berlin erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt den früheren Dschihadistenanführer im Kanzleramt, zudem trifft al-Scharaa auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

W.O.Ludwig--NZN