Zürcher Nachrichten - Scharfer Widerspruch nach Trump-Äußerungen zu Afghanistan-Engagement der Verbündeten

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Scharfer Widerspruch nach Trump-Äußerungen zu Afghanistan-Engagement der Verbündeten
Scharfer Widerspruch nach Trump-Äußerungen zu Afghanistan-Engagement der Verbündeten / Foto: Ben STANSALL - AFP/Archiv

Scharfer Widerspruch nach Trump-Äußerungen zu Afghanistan-Engagement der Verbündeten

"Inakzeptabel", "beleidigend": US-Präsident Donald Trump hat mit seinen Äußerungen zum Engagement von Nato-Truppen in Afghanistan scharfen Widerspruch bei den Verbündeten ausgelöst. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verteidigte die gefallenen Bundeswehr-Soldaten in der "Welt am Sonntag" als "Helden", Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verwies darauf, dass die Bundeswehr für die Unterstützung der US-Verbündeten mit 59 getöteten Soldaten "einen hohen Preis bezahlt" habe. Nach deutlicher Kritik auch aus London hob Trump die Rolle der britischen Soldaten in Afghanistan hervor.

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Wadephul betonte, als die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zum einzigen Mal in der Geschichte der Nato den Bündnisfall augelöst hätten, habe Deutschland den US-Alliierten selbstverständlich beigestanden. Der Bundesaußenminister verwies zudem auf die Opfer, welche die Bundeswehr und andere Alliierte am Hindukusch gebracht hätten.

Die deutschen Soldaten seien "Helden, genau wie die amerikanischen, britischen, dänischen, kanadischen, französischen oder Soldaten aus weiteren Ländern, die ihr Leben dafür gegeben haben, unser Bündnis zu verteidigen", sagte Wadephul der "Welt am Sonntag".

Deutschland habe in Afghanistan einen hohen Preis bezahlt, erklärte Pistorius am Samstag. "59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit", betonte der Verteidigungsminister.

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bezeichnete Trumps Äußerungen in der "Bild am Sonntag" als "groteske Verdrehung der Tatsachen" und "Schlag ins Gesicht aller Verwundeten und Familien der Gefallenen – sowie der Soldatinnen und Soldaten, die als Bündnisverpflichtete an der Seite der amerikanischen Kameraden gekämpft haben". Er erwarte eine Entschuldigung des US-Präsidenten, sagte Guttenberg, der während einiger Jahre des Afghanistan-Einsatzes Oberbefehlshaber der Bundeswehr war.

Trump hatte am Freitag die Bedeutung der Truppen aus Nato-Partnerstaaten für den Afghanistan-Einsatz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu schmälern versucht. "Sie werden sagen, dass sie einige Truppen nach Afghanistan geschickt haben", sagte er im Sender Fox News über andere Nato-Mitglieder. "Und das haben sie auch, aber sie blieben etwas zurück, etwas abseits der Front." Zugleich wiederholte der US-Präsident seine Behauptung, dass die Nato den USA nicht zu Hilfe kommen würde, falls sie darum gebeten würde.

Am Samstag schien Trump zumindest in Bezug auf den britischen Beistand zurückzurudern. "Die großen und sehr tapferen Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!", schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. 457 britische Soldaten seien in Afghanistan gestorben und viele weitere schwer verletzt worden. "Sie gehörten zu den größten Kriegern", schrieb Trump weiter.

Dem britischen Verteidigungsministerium zufolge hatte London 150.000 Soldatinnen und Soldaten nach Afghanistan entsandt und stellte damit nach den USA das zweitgrößte Truppenkontingent des Nato-Einsatzes.

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer habe am Samstag mit Trump telefoniert und dabei die Rolle der britischen Armee in Afghanistan hervorgehoben, erklärte eine Sprecherin. Er würdigte demnach "die mutigen und heldenhaften britischen und amerikanischen Soldaten, die Seite an Seite in Afghanistan gekämpft haben" und von denen viele getötet worden seien. Starmer hatte Trumps Äußerungen am Freitag als "beleidigend und wirklich erschreckend" bezeichnet.

Auch bei weiteren Nato-Verbündeten stießen die Äußerungen des US-Präsidenten auf Widerspruch. Australiens Regierungschef Anthony Albanese hob im Sender ABC am Samstag die "Tapferkeit" der 40.000 australischen Soldaten in Afghanistan hervor, "die sicher an der Frontlinie" standen, "um Demokratie und Freiheit und unsere nationalen Interessen zu verteidigen".

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verwies am Samstag im Onlinedienst X auf die 53 in Afghanistan getöteten und mehr als 700 verwundeten italienischen Soldaten. Damit das Solidaritätsprinzip in der Nato weiter funktioniere, brauche es Respekt.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nannte Trumps Äußerungen am Samstag "inakzeptabel". Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betrachte Trumps Kritik ebenfalls als "inakzeptabel", die Äußerungen des US-Präsidenten bedürften "keines Kommentars", hieß es aus Macrons Umfeld.

Das Eingreifen der Nato in Afghanistan nach den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 markierte das erste und einzige Mal, dass die Nato den Bündnisfall gemäß Artikel 5 ausrief. Der Einsatz endete 2021 mit einem chaotischen Abzug nach dem Vorrücken der radikalislamischen Taliban in Afghanistan.

O.Meier--NZN