Zürcher Nachrichten - Sudan-Konferenz in Berlin sagt Bürgerkriegsland mehr als 1,3 Milliarden Euro zu

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Sudan-Konferenz in Berlin sagt Bürgerkriegsland mehr als 1,3 Milliarden Euro zu
Sudan-Konferenz in Berlin sagt Bürgerkriegsland mehr als 1,3 Milliarden Euro zu / Foto: Odd ANDERSEN - AFP

Sudan-Konferenz in Berlin sagt Bürgerkriegsland mehr als 1,3 Milliarden Euro zu

Drei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan sind dem afrikanischen Land auf einer internationalen Geber-Konferenz in Berlin Hilfen in Höhe von mehr als 1,3 Milliarden Euro zugesagt worden. Deutschland selbst werde seine Hilfen "um mehr als 230 Millionen Euro aufstocken", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) nach der Konferenz am Mittwoch im Auswärtigen Amt. Der Bürgerkrieg im Sudan hat eine der schlimmsten humanitären Krisen weltweit ausgelöst.

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"Dass die Teilnehmer in einer Welt schrumpfender humanitärer Mittel schon jetzt Unterstützungszusagen in Höhe von mehr als 1,3 Milliarden Euro abgegeben haben, ist ein gutes Zeichen", betonte Wadephul (CDU). "Deutschland wird als einer der größten Unterstützer der humanitären Hilfe für die Menschen im Sudan vorangehen. Wir werden unsere Hilfe um mehr als 230 Millionen Euro aufstocken", kündigte der Minister an. "Und wir verbinden das natürlich mit der Bitte, dass auch alle anderen Akteure ihrer humanitären Verantwortung gerecht werden."

Die internationale Konferenz beriet genau am dritten Jahrestags des Beginns des Bürgerkriegs im Sudan über weitere Hilfen für die notleidende Bevölkerung. Ziel war neben der Mobilisierung von Geldern auch eine Wiederbelebung der Friedensverhandlungen. In dem drittgrößten Land Afrikas liefern sich die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo einen erbitterten Machtkampf.

Deutschland richtete die Geberkonferenz gemeinsam mit anderen Ländern aus - Ko-Gastgeber war der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf. Unter den Teilnehmern waren die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, die britische Außenministerin Yvette Cooper und der französische Chefdiplomat Jean-Noël Barrot. Auch Nichtregierungsorganisationen waren vertreten. Vertreter der Konfliktparteien im Sudan nahmen an der Konferenz nicht teil.

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete den dritten Jahrestag des Bürgerkriegsbeginns in einer Videobotschaft an die Konferenz als "tragischen Meilenstein". Die Folgen beschränkten sich nicht nur auf den Sudan. "Sie führen zu einer Destabilisierung der gesamten Region", sagte Guterres. "Dieser Albtraum muss ein Ende haben."

Hilfsorganisationen reagierten gemischt auf die Aufstockung der Hilfen. Ärzte ohne Grenzen begrüßte die Zusage, betonte aber gleichzeitig: "Eine geplante Erhöhung der Hilfsgelder allein reicht nicht aus. Im Sudan sterben Menschen nicht nur an Bomben, sondern auch daran, dass Hilfe weiter blockiert wird." Die Bundesregierung und weitere einflussreiche Staaten müssten sicherstellen, "dass nun auch in der Realität mehr Spielraum für humanitäre Hilfe geschaffen wird", sagte Sarah Meschenmoser, Leiterin der Organisation in Deutschland.

Janine Lietmeyer, Vorständin von World Vision Deutschland, bezeichnete die Zusage als "grünen Zweig in einer Wüste zerstörter Lebenspläne und Kindheiten". Die Hilfen könnten ihre Wirkung aber nur entfalten, "wenn politisch verursachte Blockaden von Hilfen beseitigt und Angriffe gegen zivile Einrichtungen beendet werden".

Die Lage im Sudan ist nach drei Jahren Bürgerkrieg verheerend. Insgesamt liege die Zahl der seit 2023 im Sudan Getöteten wohl "in den Hunderttausenden", sagte Wadephul bei der Pressekonferenz. "Mehr als 13 Millionen Menschen wurden durch den Krieg gewaltsam vertrieben. Mit letzter Kraft retteten sich viele von ihnen in Nachbarländer. Mehr als 20 Millionen Menschen im Sudan leiden akut Hunger, die Hälfte der Bevölkerung." Laut einem vor der Konferenz veröffentlichen UN-Bericht leben schätzungsweise sieben von zehn Menschen in Armut - beinahe doppelt so viele wie vor Beginn des Bürgerkriegs.

Die Kämpfe hatten sich in den vergangenen Monaten verstärkt - dabei wurden wiederholt Drohnen eingesetzt, die bewohnte Gebiete, Schulen und Krankenhäuser trafen. UN-Angaben zufolge wurden allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres fast 700 Zivilisten bei Drohnenangriffen getötet.

Laut dem UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher benötigen fast 34 Millionen Menschen und damit fast zwei Drittel der Bevölkerung humanitäre Hilfe. Hunderttausende Kinder seien unterernährt, Frauen und Mädchen systematischer und brutaler sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

Bemühungen um eine Waffenruhe im Sudan unter Vermittlung der USA, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens waren zuletzt gescheitert. Saudi-Arabien, Ägypten und die Türkei unterstützen mutmaßlich die sudanesische Armee - den Emiraten wird hingegen vorgeworfen, die RSF-Miliz zu bewaffnen. Alle Seiten streiten eine Verwicklung in den Konflikt jedoch ab.

A.P.Huber--NZN