Zürcher Nachrichten - Dschihadisten in Mali rufen zu "gemeinsamer Front" gegen Junta auf - Tuareg rücken vor

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Dschihadisten in Mali rufen zu "gemeinsamer Front" gegen Junta auf - Tuareg rücken vor
Dschihadisten in Mali rufen zu "gemeinsamer Front" gegen Junta auf - Tuareg rücken vor / Foto: abdollah Ag Mohamed - AFP/Archiv

Dschihadisten in Mali rufen zu "gemeinsamer Front" gegen Junta auf - Tuareg rücken vor

Knapp eine Woche nach Beginn ihrer gemeinsamen Angriffe mit Tuareg-Rebellen haben die Dschihadisten in Mali zur Bildung einer "gemeinsamen Front" gegen die regierende Militärjunta aufgerufen. "Wir rufen alle aufrichtigen Patrioten, ohne jegliche Unterscheidung, dazu auf, sich zu erheben und unsere Kräfte in einer gemeinsamen Front zu vereinen", erklärte die Dschihadistengruppe JNIM am Donnerstag. Unterdessen meldete die Tuareg-Rebellengruppe FLA am Freitag die Einnahme des wichtigen Militärstützpunktes Tessalit im Norden des Landes.

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Ihren Aufruf zur Bildung einer Einheitsfront richtete die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete JNIM an "die politischen Parteien, die nationalen Streitkräfte, religiöse Autoritäten, traditionelle Anführer und alle Bestandteile der malischen Gesellschaft". Es sei "zwingend notwendig", der Junta ein Ende zu setzen, um "einen friedlichen und inklusiven Übergang" hin zu einem "neuen Mali" zu ermöglichen. In diesem werde "eine der wesentlichen Prioritäten die Einführung der Scharia", des islamischen Rechts, sein.

Zuvor hatte die Gruppe mit einer Blockade der malischen Hauptstadt Bamako begonnen. Mehrere Hauptverkehrsstraßen wurden gesperrt, nach Angaben von Transportunternehmen saßen am Donnerstag hunderte Fahrzeuge mit Waren fest. Betroffen waren insbesondere Routen in Richtung der für Malis Wirtschaft wichtigen Hafenstädte Conakry, Abidjan und Dakar. Die JNIM hatte die Blockade der Zufahrtsstraßen nach Bamako zwei Tage zuvor angekündigt.

Die Islamisten drohten zudem allen, die sich noch auf den Straßen in Richtung Hauptstadt oder der nahegelegenen wichtigen Stadt Kati aufhielten, mit schweren Vergeltungsmaßnahmen. Nur, wer sich bereits in Bamako befinde, dürfe die Stadt verlassen, erklärte ein JNIM-Sprecher.

Dschihadisten und Tuareg-Rebellen hatten am vergangenen Wochenende im ganzen Land Positionen der Militärjunta angegriffen und dabei die Kontrolle über die wichtige Stadt Kidal im Norden des Landes übernommen. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA und die islamistische JNIM bekannten sich zu den Angriffen.

Am Freitag gab die FLA dann bekannt, dass sich die malische Armee und russische Söldner auch aus der wichtigen Militärfestung Tessalit zurückgezogen hätten. Die Truppen und Söldner dort hätten sich ebenso ergeben wie zuvor in Kidal, sagte ein FLA-Sprecher. Aus Sicherheitskreisen in Gao erfuhr AFP, dass es keine Zusammenstöße gegeben habe und dass die Truppen bereits abgezogen waren, als die Rebellen einmarschierten.

Tessalit liegt nahe der Grenze zu Algerien und ist von großer strategischer Bedeutung. Es beherbergt malische und russische Truppen und militärische Ausrüstung. Zudem befindet sich auf dem Stützpunkt eine Landebahn, die für Hubschrauber und große Militärflugzeuge geeignet ist.

Russland unterstützt mit Söldnern die Militärregierung in Mali. Mali hat - wie auch seine Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso - die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich abgebrochen und sich Moskau angenähert.

Die Regierung im Nachbarland Niger gab derweil Angriffe der gegen die Dschihadisten gerichteten AES-Allianz auf Ziele im Norden Malis bekannt. Die nigrischen Behörden sprachen von einer "schnellen und energischen Reaktion der Einheiten der gemeinsamen Truppe". Diese habe "in den Stunden nach den feigen Angriffen vom 25. April 2026 in Gao, Ménaka und Kidal intensive Luftkampagnen" ausgeführt.

Ein Sprecher der FLA hatte am Mittwoch mit Blick auf die Militärregierung in Bamako gesagt, diese werde "früher oder später fallen". Angesichts der Offensive der FLA zur Rückeroberung des Gebiets Azawad im Norden Malis einerseits und einer Offensive der JNIM auf Bamako und andere Städte andererseits werde "die Junta nicht standhalten können", sagte der Sprecher Mohamed Elmaulud Ramadan AFP.

Mali wird seit vielen Jahren von Gewalt erschüttert. Die seit zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben. Zudem sind kriminelle Banden in dem Land aktiv. Die koordinierten Angriffe vom Wochenende hatten Experten zufolge allerdings eine neue Qualität.

Durch die koordinierten Attacken befindet sich die Militärregierung des Landes in einer beispiellos geschwächten Lage: Nach Angaben der JNIM wurden bei Angriffen in Kati die Wohnhäuser von Junta-Chef Goita und Verteidigungsminister Sadio Camara angegriffen. Camara, der als maßgeblicher Architekt der malischen Annäherung an Russland gilt, wurde bei den Angriffen getötet. In Bamako fand am Donnerstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen eine Gedenkfeier für ihn statt.

Y.Keller--NZN