Zürcher Nachrichten - Nach Elfer-Drama: Der deutsche EM-Traum lebt

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Nach Elfer-Drama: Der deutsche EM-Traum lebt
Nach Elfer-Drama: Der deutsche EM-Traum lebt / Foto: Fabrice COFFRINI - AFP

Nach Elfer-Drama: Der deutsche EM-Traum lebt

Großer Kampf mit Happy End: Die deutschen Fußballerinnen haben ihren Titeltraum bei der EM mit einer riesigen Willensleistung am Leben erhalten. Die früh dezimierte Auswahl von Bundestrainer Christian Wück bezwang Lieblingsturniergegner Frankreich trotz 105-minütiger Unterzahl im Viertelfinale von Basel mit 6:5 i.E. und fordert nun Weltmeister Spanien. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:1) gestanden.

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Die überragende Torfrau Ann-Katrin Berger parierte im Shootout zwei Elfmeter. Im Halbfinale gegen den Topfavoriten am Mittwoch (21.00 Uhr) in Zürich ist der Rekordeuropameister, für den Sjoeke Nüsken den entscheidenden Versuch vom Punkt verwandelte, trotz aller Leidenschaft aber Außenseiter.

Nach der Roten Karte gegen Kathrin Hendrich (14.), die ihre Gegenspielerin am Zopf festgehalten hatte, schien es ein Himmelfahrtskommando für Wücks neu formierte Mannschaft. Zumal Grace Geyoro (15.) den fälligen Elfmeter versenkte.

Nüsken (25.), die gegen Spanien gelbgesperrt fehlen wird, glich aber aus - und verschoss einen Foulelfmeter (69.). Doch vom Punkt sicherten sich Wücks Kämpferinnen im sechsten Versuch den nicht mehr für möglich gehaltenen sechsten Sieg gegen Les Bleues bei einem großen Turnier.

10.000 deutsche Fans hatten im St. Jakob-Park alles bereitet für die Rückkehr in die Erfolgsspur nach dem bösen Nackenschlag im Gruppenfinale gegen Schweden (1:4). Bernd Neuendorf fand bei seinem Besuch in der Kabine vor dem 50. deutschen EM-Spiel eine entschlossene Mannschaft vor. "Sie verspüren eine große Lust und Freude. Jede weiß, worum es geht", sagte der DFB-Präsident. Auch Wück strahlte Zuversicht aus, als er lächelnd ins Stadion schlenderte.

Sein Plan? Seiner Elf mit der Umstellung auf eine Dreierkette "Stabilität" verleihen. Und: Mit der Leipzigerin Giovanna Hoffmann, die der erfahreneren Lea Schüller vorgezogen wurde, eine Mittelstürmerin bringen, "die Bälle festmachen muss". All das funktionierte.

Die verletzte Kapitänin Giulia Gwinn machte ihre Kolleginnen im Kabinengang nochmal heiß, Wück hoffte, "dass sie ihre Nerven im Griff behalten". Das galt vor allem für die junge EM-Debütantin Franziska Kett in ihrem vierten Länderspiel, aber auch für Sarai Linder. Die Wolfsburgerin musste nach der Verletzung von Gwinn und wegen der Rotsperre von Carlotta Wamser rechts hinten ran - und verletzte sich früh am linken Fuß.

Mit dem Ausfall der schon dritten Rechtsverteidigerin und dem Platzverweis waren Wücks Pläne Makulatur. Ausgerechnet die erfahrene Hendrich leistete sich in ihrem ersten Startelf-Einsatz bei dieser EM einen Blackout und griff Frankreichs Kapitänin Griedge Mbock ins Haar. Beim zentral geschossenen Elfmeter hatte Berger die Hand am Ball, konnte diesen aber nicht abwehren.

Für Linder kam Sophia Kleinherne zu ihrem ersten Turniereinsatz in einem dezimierten Team, das sich nicht aufgab. Nüsken war bei einer von Hoffmann herausgeholten Ecke per Kopf zur Stelle - Ausgleich! Ein Hackentreffer von Delphine Cascarino (40.) zählte wegen einer Abseitsstellung nicht.

Ersatzkapitänin Janina Minge und Co. hielten weiter mit viel Einsatzfreude dagegen, die gegen Schweden in Unterzahl vermisste Kompaktheit war da. So gelang es, den Französinnen ihre gefährlichste Waffe zu nehmen: ihre unfassbare Geschwindigkeit.

Auch einem zweiten Geyoro-Treffer (57.) wurde die Anerkennung versagt, weil die im Abseits stehende Maëlle Lakrar Torfrau Berger behindert hatte. Nach einem Foul an Jule Brand scheiterte Nüsken mit ihrem schwach geschossenen Elfer an Frankreichs Keeperin Pauline Peyraud-Magnin. In der Verlängerung verhinderte Berger (103.) nach einem Kopfball von Minge per Glanzparade das 1:2.

O.Pereira--NZN