Zürcher Nachrichten - Rassismus-Eklat in Lissabon: "Vini, du bist nicht allein"

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Rassismus-Eklat in Lissabon: "Vini, du bist nicht allein"
Rassismus-Eklat in Lissabon: "Vini, du bist nicht allein" / Foto: Valter Gouveia - Imago/Sports Press Photo/SID

Rassismus-Eklat in Lissabon: "Vini, du bist nicht allein"

Um Punkt Mitternacht meldete sich Vinicius Júnior endlich selbst zu Wort. "Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich das Hemd über den Mund ziehen, um zu zeigen, wie schwach sie sind", postete der Starstürmer von Real Madrid mit etwas Abstand nach dem 1:0 (0:0) im Play-off-Hinspiel der Champions League bei Benfica Lissabon in seiner Instagram-Story. "Nichts von dem, was heute geschehen ist, ist neu in meinem Leben oder im Leben meiner Familie."

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Was sein Gegenspieler Gianluca Prestianni genau gesagt habe, verschwieg Vinicius in seinem Statement. Das hatten zuvor schon seine Teamkollegen übernommen. "Der Spieler mit der Nummer 25 hat Vini fünfmal als Affen bezeichnet. Das habe ich selbst gesehen", wütete Kylian Mbappé laut spanischen Medienberichten in den Katakomben - und holte gegenüber Prestianni fassungslos zum Rundumschlag aus.

"Wir können nicht akzeptieren, dass sich ein Spieler, der in Europas wichtigstem Wettbewerb spielt, so verhält", sagte Mbappé bei Movistar über den Benfica-Stürmer. "Wir müssen ein Vorbild für all die Kinder sein, die zu uns aufschauen. Es gibt Dinge, die wir nicht akzeptieren können."

Vinicius hatte nach seinem Traumtor in der 50. Minute mit einem Tänzchen an der Eckfahne provokant vor den Benfica-Fans gejubelt, anschließend wurde der Brasilianer von Prestianni angegangen und offenbar beleidigt. Der Argentinier hielt sich dabei das Trikot vor den Mund, Vinicius stürmte daraufhin wild gestikulierend zu Schiedsrichter Francois Letexier, der das Spiel umgehend unterbrach. Erst nach zehn Minuten hitziger Diskussionen an der Seitenlinie ging es weiter.

Das Zeichen von Letexier weise "eindeutig auf einen rassistischen Vorfall" hin, sagte Lutz Wagner, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter und heutiger Referee-Lehrwart beim DFB, bei Prime Video: "Der Schiedsrichter hat beide Arme über dem Kopf verschränkt. Da müssen rassistische Beleidigungen oder Zwischenrufe gefallen sein."

Die brachten vor allem Mbappé auf 180. "Dieser Junge hat es nicht mehr verdient, in der Champions League zu spielen", schimpfte der Franzose: "Überlassen wir es der UEFA, die immer versucht, etwas zu unternehmen. Diesmal haben sie einen ernsten Fall, und ich hoffe, sie unternehmen etwas." Sogar ein Abbruch habe im Raum gestanden: "Ich habe Vini gefragt, was er tun möchte. Was auch immer er tun möchte, wir werden es als Team tun. Wir werden Vini niemals im Stich lassen."

Auch der brasilianische Fußballverband CBF bekundete seine Solidarität mit dem 45-maligen Nationalspieler. "Rassismus ist ein Verbrechen. Er ist inakzeptabel. Er darf weder im Fußball noch irgendwo sonst existieren. Vini, du bist nicht allein", hieß es in dem Statement auf X.

Und Vinicius selbst? Veröffentlichte neben der Story noch einen Post. Dieser zeigte seinen Jubel an der Eckfahne, darunter stand "Bernabéu. WIR SEHEN UNS DORT", versehen war der Beitrag zudem mit mehreren Ausrufezeichen, einem weißen Herz und einem Tänzer-Emoji. "Tanze Vini - und bitte hör niemals auf. Sie werden uns niemals vorschreiben, was wir tun müssen oder nicht", schrieb Mbappé.

A.Weber--NZN