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Die Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer am Bundesstützpunkt Erfurt haben die umstrittene Athletenvereinbarung der Deutschen Eisschnelllauf und Shorttrack Gemeinschaft (DESG) "ausdrücklich unter Protest" unterschrieben. Das Vertrauen in das DESG-Präsidium bleibe ungeachtet dessen "erheblich beschädigt", teilten die Athletinnen und Athleten um Hendrik Dombek und Toptalent Finn Sonnekalb in einer Stellungnahme am Donnerstagabend mit. Um 20 Uhr war die Frist der DESG abgelaufen.
Die Unterzeichnung sei "in der begründeten Annahme" geschehen, "dass Erfurt als Bundesstützpunkt für Nachwuchs- und Spitzensport bestehen bleibt". Die Unterschriften, heißt es weiter, stellen "weder eine Zustimmung zum Vorgehen der DESG-Verantwortlichen in den vergangenen Monaten noch ein Fallenlassen der von uns vorgebrachten Einwände gegen Passagen in der Vereinbarung dar", heiß es weiter. Auch führten die Sportlerinnen und Sportler in ihrer gemeinsamen Stellungnahme "erheblichen Druck" über Monate an, der "teilweise als psychische Gewalt wahrgenommen wurde".
Die Unterschrift erfolge "zur Abwendung weiterer sportlicher Nachteile, die uns in der vergangenen Woche erneut seitens des Verbandes vor Augen geführt wurden". Sachliche und auch sportfachliche Argumente würden im Verband nicht zählen, ebenso wenig Transparenz oder Good Governance. Im Vordergrund stünden vielmehr "machtpolitische Erwägungen".
Derartige Vorwürfe hatten einige Erfurter Athletinnen und Athleten bereits im Juni formuliert, als die weitreichenden Pläne der DESG-Führung publik wurden. Diese sahen vor, dass die Erfurter Athletinnen und Athleten künftig in Berlin bzw. Inzell trainieren. An die Unterzeichnung der damals vorgelegten Athletenvereinbarung war der Verbleib im Bundeskader geknüpft.
"Zahlreiche Möglichkeiten zur gemeinsamen Klärung der Angelegenheit wurden aus unserer Sicht nicht genutzt", betonten die Sportlerinnen und Sportler am Donnerstag.
Hoffnung ziehen die Aktiven aus externen Faktoren: "Mit der positiven Votierung für das Profil 1 durch den DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund; d.Red.) wurde bestätigt, dass der Standort die hierfür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt. Wir sehen hierin ein wichtiges Signal."
Zugleich äußerten die Athletinnen und Athleten ihre Hoffnung, dass nach der außerordentlichen DESG-Mitgliederversammlung am 17. Oktober "ein Neustart für eine konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Verband und Athletenschaft möglich sein wird und der Sport wieder in den Mittelpunkt rückt".
Der Thüringer Eis- und Rollsportverband e. V. (TERV), der sich wie die Erfurter Aktiven seit Sommer im Dauerzwist mit der DESG befindet, hatte im September einen Antrag zur Abberufung des DESG-Präsidiums gestellt.
Am vergangenen Dienstag erklärte die DESG, der TERV habe ein im Juli beschlossenes Moratorium einseitig aufgekündigt. Die thüringische Seite widersprach energisch, TERV-Vizepräsident Peter Rüberg sprach gegenüber dem SID von einer "erneuten Lüge, die mit kaum zu überbietender Frechheit in die Welt gesetzt wurde". Wieder einmal stand Aussage gegen Aussage.
Ronald Rauhe, Staatsminister für Sport und Ehrenamt, nahm am Donnerstag auf SID-Anfrage beide Streitparteien in die Pflicht. "Ich sehe hier ganz klar den autonomen Sport gefordert", so Rauhe. Der 45-Jährige erklärte gleichwohl weiter, der Bund werde "zeitnah über die Anerkennung der Bundesstützpunkte entscheiden", die DESG werde man "weiter eng mit Blick auf die Einhaltung der Fördervoraussetzungen beobachten und begleiten".
H.Roth--NZN