Zürcher Nachrichten - Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts

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Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts
Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat zum Jahrestag der antijüdischen Progrome 1938 vor linkem Antisemitismus in Deutschland gewarnt. Er sei gefährlicher als der von rechts und gefährlicher als der islamistische Antisemitismus, "weil er seine Absichten verschleiert", sagte Prosor den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagsausgaben).

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In Deutschland "weiß man im politischen und juristischen Bereich sehr gut, wie man den Antisemitismus von rechts bekämpft". Der islamistische Antisemitismus sei "brandgefährlich", weil er die demokratische Ordnung wie ein trojanisches Pferd unterwandere. "Damit lernt man jedoch umzugehen".

Der linke Antisemitismus aber bewege sich "immer an der Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzungsfreiheit – und hat diese Grenze inzwischen deutlich überschritten", sagte Israels Botschafter. Deshalb sei der linke Antisemitismus für ihn der gefährlichste.

In Europa sei linker Antisemitismus an den Hochschulen und Theatern zu sehen. "Man gibt sich gebildet, moralisch und politisch korrekt. Aber die rote Linie dessen, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, ist längst überschritten". Tag für Tag werde Israel dämonisiert und delegitimiert, die Folgen seien für alle Juden spürbar. Noch sei es ein Skandal, dass ein israelischer Dirigent von einem Festival in Belgien ausgeladen werde, "doch die Räume des Sagbaren verschieben sich".

Auch der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sagte dem "Tagesspiegel" vom Samstag, Deutschland habe "seit Jahrzehnten eingeübte Abwehrreflexe gegenüber Rechts - das ist gut". Die Beschäftigung mit Antisemitismus etwa aus dem arabischen Raum hingegen sei lange vernachlässigt worden. Dort könne es "völlig normal" sein, mit antisemitischen Vorstellungen aufzuwachsen.

Gauck sprach auch den linken Antisemitismus an. Darüber hätten manche in Deutschland Probleme zu sprechen, sagte er dem "Tagesspiegel". Aber "egal wo Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit herrühren: Wir brauchen mehr Entschlossenheit beim Schutz der Menschenwürde". Negative Haltungen würden nicht einfach verschwinden - "egal ob sie bodenständig sächsisch und thüringisch oder arabisch und türkisch sind. Wir müssen uns mit denen auseinandersetzen, die Hass zu einem Teil ihres Lebens gemacht haben."

ilo/hex

N.Fischer--NZN