Zürcher Nachrichten - Lauterbach präsentiert Aktionsplan für deutlich weniger Hitzetote

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Lauterbach präsentiert Aktionsplan für deutlich weniger Hitzetote
Lauterbach präsentiert Aktionsplan für deutlich weniger Hitzetote / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP

Lauterbach präsentiert Aktionsplan für deutlich weniger Hitzetote

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will die Zahl der Hitzetoten in Deutschland noch in diesem Jahr halbieren. Nach schätzungsweise 8000 Hitzetoten im vergangenen Jahr sei es das Ziel, ihre Zahl in diesem Jahr auf unter 4000 zu senken, sagte Lauterbach am Freitag in Berlin bei der Vorstellung des nationalen Hitzeschutzplans. Dieser sieht unter anderem eine stärkere Sensibilisierung für die Gefahren durch Hitze, Hinweise auf Schutzmaßnahmen und Warnmeldungen bei extremer Hitze vor.

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So sollen nach dem Willen Lauterbachs in möglichst vielen Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen künftig Plakate des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit Verhaltenstipps bei Hitze angebracht werden. Auf den Plakaten, deren Motiv Lauterbach vor Journalisten präsentierte, wird unter anderem zu ausreichendem Trinken, zum Aufhalten im Schatten und zum Vermeiden körperlicher Anstrengung aufgerufen.

Lauterbach hatte den nationalen Hitzeschutzplan im Juni angekündigt. Der Minister traf sich am Freitag nochmals mit Vertretern von Pflege, Ärzteschaft, Kommunen, Ländern, Sozialverbänden sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis. Bei dem Treffen sei der Hitzeschutzplan verabschiedet worden, sagte Lauterbach.

Das Vorgehen ist nach Lauterbachs Darstellung dringlich: Zwischen Anfang April und Anfang Juli dieses Jahres starben dem Minister zufolge bisher bereits rund 1500 Menschen an Hitzefolgen.

Die Bundesregierung sei mit dem Plan "schnell gestartet", sagte Lauterbach. Erklärtes Ziel des Plans ist es Lauterbach zufolge, vor allem besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Ältere, Kranke, Schwangere und Kinder vor Hitze zu schützen. Mit den Kommunen werde auch daran gearbeitet, einen besseren Schutz für Obdachlose zu erreichen.

Markus Beier, Chef des Deutschen Hausärzteverbands, verwies bei der Vorstellung des Plans insbesondere auf die rund 34 Millionen chronisch Erkrankten, die jedes Jahr in Arztpraxen behandelt würden. Ihnen müsse deutlich gemacht werden, dass sie individuell betroffen von der Gefahr durch Hitze seien. So müsse etwa Menschen mit Herzschwäche - die üblicherweise angehalten würden, ihre Flüssigkeitszufuhr zu mäßigen - klargemacht werden, dass sie bei Hitze dennoch auf ausreichendes Trinken achten sollten.

Lauterbach verwies darauf, dass seit dem letzten Treffen zum Hitzeschutzplan im Juni bereits die Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk verstärkt worden sei. "Der Hitzeschutz ist jetzt viel stärker integriert in das Nachrichtengeschehen", sagte der Minister. Warnungen werden dabei mit dem Deutschen Wetterdienst zusammen organisiert.

Angestrebt wird auch eine Warnung per SMS und über die Nina-Warnapp. Hierzu gibt es Lauterbach zufolge Gespräche mit dem Bundesinnenministerium. Warnungen auf diesen Wegen sollten aber nur bei "extremen" Hitzeereignissen erfolgen, sagte der Minister.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrüßte den Hitzeschutzplan. Der Klimawandel sei eine Tatsache, seine Folgen seien auch durch immer heißere Sommer zu spüren. Nun sei es wichtig, "Hitzeschutzpläne und Empfehlungen auch in der Praxis gezielt umzusetzen", sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Samstagausgaben). Dafür sei "gute Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den Akteuren" unerlässlich.

Aus der Union kam Kritik an Lauterbachs Kommunikation zum Hitzeschutzplan. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Tino Sorge (CDU) sagte, der "Alarmismus", den Lauterbach an den Tag lege, sei "nicht angemessen". Die große Mehrheit der Bevölkerung fühle sich "längst gut darüber informiert, wie man mit Hitze umgehen kann". Der "gesunde Menschenverstand" solle die Richtschnur im gesellschaftlichen Umgang mit zunehmender Hitze in Deutschland sein, erklärte Sorge weiter.

O.Hofer--NZN