Zürcher Nachrichten - Keine Hoffnung mehr für Buckelwal: Tier vor Ostseeküste liegt im Sterben

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Keine Hoffnung mehr für Buckelwal: Tier vor Ostseeküste liegt im Sterben
Keine Hoffnung mehr für Buckelwal: Tier vor Ostseeküste liegt im Sterben / Foto: Daniel Müller - Greenpeace Germany/AFP/Archiv

Keine Hoffnung mehr für Buckelwal: Tier vor Ostseeküste liegt im Sterben

Für den wochenlang vor der Ostseeküste umherirrenden Buckelwal gibt es keine Hoffnung mehr. Behörden und Experten stellten am Mittwoch die aktiven Bemühungen zur Rettung des in flachem Wasser vor der Insel Poel bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern festliegenden Meeressäugers ein. "Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt", sagte der Experte Burkard Baschek bei einer streckenweise emotionalen gemeinsamen Pressekonferenz mit Mecklenburg-Vorpommerns Landesumweltminister Till Backhaus (SPD).

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"Wir sind allen Ideen nachgegangen", betonte Backhaus. Zuletzt seien nach einer weiteren Begutachtung am Mittwoch nochmals alle Ansätze überprüft worden. Alle Beteiligten seien zu der Auffassung gelangt, dass der Wal an seiner jetzigen Stelle "seinen Platz gefunden" habe. "Ich wünsche dem Wal, dass er zur Ruhe kommt", fügte der Minister an. Es sei nun klar, dass das Tier "am Ende das Zeitliche segnen muss".

Aktive Rettungsbemühungen wie in den vergangenen Tagen soll es demnach nicht mehr geben. Um den Wal wurde nach Angaben von Backhaus eine Sperrzone eingerichtet, die von der Polizei überwacht wird. Auch Drohnenüberflüge sind verboten. Der Landesminister rief alle Menschen dazu auf, den sterbenden Wal in Ruhe zu lassen. Alle Verstöße würden von den Behörden konsequent verfolgt.

Der etwa zwölf bis 15 Meter lange Buckelwal irrt nach Behördenangaben seit rund vier Wochen durch die Ostsee, am Montag vergangener Woche strandete das Tier zunächst vor der schleswig-holsteinischen Küste auf einer Sandbank. Nachdem er dort mit Baggern wieder befreit wurde, saß er seit Samstag vor Mecklenburg-Vorpommern in der Wismarer Bucht fest.

Am Montagabend hatte sich das zunehmend geschwächte und wohl kranke Tier nochmals aus eigener Kraft vom Meeresgrund gelöst und war für einige Stunden verschwunden, bevor es am Dienstag in die Wismarer Bucht zurückkehrte und sich vor Poel erneut auf Grund legte. Begleitboote konnte dies nicht verhindern. Experten gingen außerdem davon aus, dass sich der Wal theoretisch selbst wieder befreien könnte.

Am Mittwoch fuhren die Fachleute der beteiligen Institutionen, darunter auch die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Sea Shepherd, erneut zum Wal. Anschließend gaben sie angesichts seines Zustands sämtliche Hoffnungen auf etwaige weitere Kraftanstrengungen des von Medien "Timmy" getauften Tieres auf. Der Wal zeige nur noch eine reduzierte und sehr unregelmäßige Atemfrequenz und bewege sich zudem kaum noch, sagte Baschek. Die Reaktionen auf menschliche Annäherung seien "quasi null".

Weitere Versuche, den Wal zum Losschwimmen zu animieren, wären "reine Tierquälerei", sagte Baschek, wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Deutsches Meeresmuseum. Es sei in den vergangenen Tagen nochmal "alles" versucht worden, ergänzte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack bei der gemeinsamen Pressekonferenz der Einsatzkräfte. Nun gehe es darum, dem Tier "die Ruhe zu geben, die es sucht und braucht". Auch Sea Shepherd erklärte, alle weiteren Rettungsaktionen verstießen gegen das Tierwohl.

Baschek zufolge kann der Sterbeprozess des Tieres "länger" dauern. Die Öffentlichkeit wollen Behörden und Experten laut Backhaus weiter regelmäßig unterrichten.

Größere Wale sind in der Ostsee nicht heimisch, da die Bedingungen dort für sie nicht geeignet sind. Wie das Tier in das Binnenmeer gelangte und warum es nicht hinaus fand, ist unklar. Laut Behörden und Experten ist der Wal krank und geschwächt. Unter anderem leidet er unter Hautproblemen wegen des niedrigen Salzgehalts der Ostsee.

Zudem hat der Wal Netzreste im Maul, die bislang nur teilweise entfernt werden konnten. Einsatzkräfte hätten bei früheren Gelegenheiten etwa 50 bis 70 Meter Netz entfernt, sagte Backhaus am Mittwoch Es sei jedoch nicht bekannt, ob der Meeressäuger weitere Netzteile verschluckt habe.

Der eigentlich im Atlantik heimische Buckelwal war erstmals am 3. März im Hafen von Wismar beobachtet worden und bewegte sich nach Angaben der Stiftung Deutsches Meeresmuseum in den folgenden Wochen zunächst weiter vor der mecklenburg-vorpommerschen Küste. In der Nacht auf den 23. März strandete er bei Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dort kam er am 27. März wieder frei, danach schwamm er zurück in die Wismarer Bucht.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Meeresschutz wurden Buckelwale und auch andere Großwale in den vergangenen Jahren bereits mehrfach in der Ostsee gesichtet oder tot gefunden. Experten zufolge könnten sie bei der Verfolgung von Fischschwärmen, von denen sie sich ernähren, in das im Schnitt nur rund 52 Meter flache Binnenmeer geraten. Vielleicht biegen manche Wale auf ihren Wanderungen demnach aber auch einfach "falsch" ab.

M.J.Baumann--NZN