Zürcher Nachrichten - China: Die große Konkurrenz?

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China: Die große Konkurrenz?




In immer mehr Branchen wirken chinesische Produzenten mit aggressiven Preisen und teils staatlich flankierten Strategien auf Europas Märkte ein – häufig zu Lasten der eigenen kurzfristigen Gewinne. Für europäische Anbieter entsteht ein Umfeld, in dem „normal“ zu kalkulieren kaum noch möglich ist.

Elektroautos: Vom Preiskrieg zum Produktwechsel
Seit Ende 2024 gelten in der EU hohe Ausgleichszölle auf in China gefertigte Elektroautos. Die Folge: Chinesische Marken drehen an mehreren Stellschrauben. Erstens verlagern sie ihren Mix Richtung Plug-in-Hybride, die (bislang) oft günstiger behandelt werden als reine Batterie-Autos. Zweitens setzen Hersteller auf Lokalisierung in Europa – mit Werksprojekten in Ungarn und Spanien – oder nutzen Zwischenlösungen wie Montage in Drittländern. Drittens drücken sie Logistikkosten, etwa durch eigene Autotransporterflotten. All das zielt darauf, die Endpreise niedrig zu halten – notfalls mit dünnsten Margen –, um Marktanteile zu verteidigen oder auszubauen.

Solar: Preise unter Produktionskosten – und Werksschließungen
Die Photovoltaik ist zum Brennglas geworden: Europäische Modulpreise sind durch massive Überkapazitäten in China auf Niveaus gefallen, die zeitweise sogar unter den Herstellkosten großer Produzenten lagen. Das drückte heimische Anbieter in die Verlustzone, führte zu Kurzarbeit, Insolvenzen einzelner Gesellschaften und Standortaufgaben. Gleichzeitig stagniert die Entscheidungslust vieler Projektierer: Günstige Preise treffen auf unsichere Rahmenbedingungen – ein toxischer Mix für Investitionen.

Batterien & „Involution“: Wachstum ohne Gewinn
Im Batteriebereich übersteigt die in China angekündigte Zellkapazität den global erwarteten Bedarf um ein Mehrfaches. Das erzeugt einen anhaltenden Preis- und Margendruck entlang der Lieferkette – vom Lithium über Zellen bis zu Speichern. Pikanterweise versucht Peking inzwischen selbst, exzessive Rabatt- und Preisschlachten („Anti-Involution“) einzudämmen, weil die Profitabilität vieler Anbieter erodiert. Einzelne Konzerne drosseln Projekte oder verschieben sie – ein Signal, dass der Markt an Grenzen stößt.

Stahl & Schiffbau: Exportdruck und strategische Sektoren
Bei Stahl melden Statistiken 2025 Exporthöchststände Chinas – trotz wachsender Schutzmaßnahmen weltweit. Im Schiffbau ist Chinas Dominanz ohnehin erdrückend; Europa spielt dort nur eine Nebenrolle. Weil Spezialschiffe und Schiffsmotoren für Volkswirtschaften systemrelevant sind, reagieren die USA bereits mit sektoralen Maßnahmen (u. a. geplante Hafenabgaben auf China-Schiffe), während Europa vorerst auf Handelsinstrumente und Industriepolitik setzt.

E-Commerce: Paketschwemme und Wettbewerbsdruck im Handel
Auch der Onlinehandel steht unter Druck: Milliarden Kleinsendungen pro Jahr – oft von chinesischen Plattformen – umgehen durch geringe Warenwerte klassisches Zoll- und Kontrollregime. Die EU zieht nun die Notbremse: mehr Kontrollen, eine pauschale Abgabe pro Kleinsendung sowie perspektivisch die Abschaffung der Zollfreigrenze. Begründung: fairer Wettbewerb und Produktsicherheit. Für europäische Händler könnte das die Preisabstände gegenüber Dumping-Angeboten verkleinern.

Was bedeutet das für Europa unds gibt es drei Handlungsachsen?
-  Handelsrecht & Vollzug: Anti-Subventions- und Anti-Dumping-Instrumente wurden geschärft. Entscheidend ist nun die konsequente Durchsetzung – inkl. Anti-Umgehungs-Regeln und Prüfungen von Beihilfen im Ausland.
-  Industriepolitik mit Fokus auf Resilienz: Öffentliche Beschaffung, „Resilienz-Quoten“ und gezielte Förderung können strategische Kapazitäten (Batterien, Solar-Wertschöpfung, Schlüsselkomponenten) stützen – ohne Verbrauchernutzen zu opfern.
-  Wettbewerb über Effizienz & Technik: Europäische Anbieter punkten, wenn sie Kostenstrukturen digitalisieren, Energie- und Materialeffizienz heben, in Nischen (Qualität, Service, Nachhaltigkeit) führend sind – und zugleich Tempo bei Genehmigungen und Netzinfrastruktur entsteht.

Fazit und ein Ausblick in die Zukunft:
„Mit China konkurrieren“ heißt derzeit: sich auf Märkte einzulassen, in denen Preiskampf und Skalenvorteile kurzfristige Renditefragen überlagern. Europa kann bestehen – aber nur mit einem Mix aus durchgesetztem Handelsrecht, smarter Industriepolitik und kompromissloser Effizienz in Entwicklung, Produktion und Logistik.



Vorgestellt


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