Zürcher Nachrichten - Frankreich: Scharia-Debatte

EUR -
AED 4.326694
AFN 76.015935
ALL 95.630861
AMD 439.431256
ANG 2.108723
AOA 1080.348558
ARS 1597.898276
AUD 1.643464
AWG 2.120641
AZN 1.990074
BAM 1.955939
BBD 2.372869
BDT 144.840302
BGN 1.965247
BHD 0.444211
BIF 3503.046501
BMD 1.178134
BND 1.498634
BOB 8.140579
BRL 5.884893
BSD 1.178134
BTN 109.925484
BWP 15.806795
BYN 3.353939
BYR 23091.422431
BZD 2.369469
CAD 1.611734
CDF 2716.776701
CHF 0.922809
CLF 0.02654
CLP 1044.55684
CNY 8.036699
CNH 8.038549
COP 4259.483838
CRC 539.484163
CUC 1.178134
CUP 31.220546
CVE 110.272843
CZK 24.319866
DJF 209.793826
DKK 7.473079
DOP 70.541005
DZD 155.658556
EGP 60.992696
ERN 17.672007
ETB 183.961899
FJD 2.613452
FKP 0.868258
GBP 0.871642
GEL 3.175068
GGP 0.868258
GHS 12.987924
GIP 0.868258
GMD 86.003927
GNF 10336.612587
GTQ 9.009641
GYD 246.487532
HKD 9.222944
HNL 31.298883
HRK 7.533929
HTG 154.214059
HUF 364.812077
IDR 20236.568613
ILS 3.525247
IMP 0.868258
INR 109.170003
IQD 1543.355275
IRR 1556314.746843
ISK 143.991139
JEP 0.868258
JMD 186.041128
JOD 0.835294
JPY 187.857557
KES 152.21254
KGS 103.027527
KHR 4723.736937
KMF 493.638095
KPW 1060.33193
KRW 1743.083922
KWD 0.363537
KYD 0.98177
KZT 555.669523
LAK 25991.84873
LBP 105477.266867
LKR 372.096466
LRD 216.765418
LSL 19.333138
LTL 3.478722
LVL 0.712641
LYD 7.445823
MAD 10.880652
MDL 20.133432
MGA 4891.555521
MKD 61.632845
MMK 2474.512738
MNT 4230.96113
MOP 9.496675
MRU 47.019643
MUR 54.535436
MVR 18.202305
MWK 2046.418394
MXN 20.311086
MYR 4.66011
MZN 75.347539
NAD 19.333421
NGN 1580.395554
NIO 43.356764
NOK 11.014132
NPR 175.88844
NZD 2.000925
OMR 0.452994
PAB 1.178084
PEN 4.053188
PGK 5.105797
PHP 70.65307
PKR 328.582546
PLN 4.238466
PYG 7509.852874
QAR 4.296062
RON 5.098019
RSD 117.365262
RUB 89.981471
RWF 1720.075344
SAR 4.41947
SBD 9.466982
SCR 17.549237
SDG 708.058356
SEK 10.820096
SGD 1.499434
SHP 0.879596
SLE 29.070421
SLL 24704.872149
SOS 673.276462
SRD 44.182339
STD 24384.990965
STN 24.858623
SVC 10.307733
SYP 130.215791
SZL 19.33291
THB 37.776272
TJS 11.173995
TMT 4.129359
TND 3.399507
TOP 2.836664
TRY 52.857238
TTD 8.002569
TWD 37.216039
TZS 3076.367068
UAH 51.476046
UGX 4353.309639
USD 1.178134
UYU 47.023345
UZS 14331.019327
VES 565.101154
VND 31024.386356
VUV 139.571525
WST 3.199753
XAF 656.031504
XAG 0.014928
XAU 0.000246
XCD 3.183966
XCG 2.123151
XDR 0.815893
XOF 656.031504
XPF 119.331742
YER 281.161289
ZAR 19.330706
ZMK 10604.619103
ZMW 22.531559
ZWL 379.358602
  • DAX

    47.6500

    24202.12

    +0.2%

  • SDAX

    94.4300

    18072.7

    +0.52%

  • Goldpreis

    -5.9000

    4802.4

    -0.12%

  • Euro STOXX 50

    10.2500

    5943.53

    +0.17%

  • MDAX

    60.1100

    30998.46

    +0.19%

  • EUR/USD

    0.0003

    1.1787

    +0.03%

  • TecDAX

    24.8400

    3677.9

    +0.68%


Frankreich: Scharia-Debatte




Frankreichs Verhältnis zum Islam ist geprägt von einem strengen Laizismus, einer großen muslimischen Minderheit und hitzigen Debatten über religiöse Praktiken. Das jüngste Aufflammen der Diskussion um die Scharia – das islamische Rechtssystem – zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen religiöser Vielfalt und dem Anspruch auf staatliche Neutralität ist.

Eine wachsende muslimische Gemeinschaft
Frankreich beherbergt mit mehr als sechs Millionen Gläubigen die größte muslimische Bevölkerung Europas. Die meisten stammen aus den ehemaligen Kolonien in Nord- und Westafrika und sind seit Generationen fester Bestandteil der französischen Gesellschaft. Während islamisches Recht in Frankreich keine juristische Geltung besitzt, gewinnen religiöse Normen im Alltag einiger Gemeinden an Bedeutung: regelmäßige Moscheebesuche haben sich seit den späten 1980er‑Jahren vervierfacht, das Fasten im Ramadan wird von deutlich mehr Menschen eingehalten, und der Anteil junger Frauen, die ein Kopftuch oder einen Schleier tragen, ist stark gestiegen. Gleichzeitig lehnt die große Mehrheit der muslimischen Bürger Gewalt ab und respektiert die französische Rechtsordnung.

Umfragen und ihre Kontroverse
Im Herbst 2025 sorgte eine Umfrage des Instituts Ifop im Auftrag des Magazins „Écran de veille“ für Schlagzeilen. Demnach gaben 57 Prozent der befragten 15‑ bis 24‑jährigen Muslime an, sie hielten die Scharia bei persönlichen Angelegenheiten wie Hochzeit, Erbschaft oder ritueller Schlachtung für wichtiger als die Gesetze der Republik; 46 Prozent sagten, islamisches Recht solle auch in nicht‑muslimischen Ländern gelten. Historiker sprachen daraufhin von einer „Re‑Islamisierung“ einer Minderheit junger Muslime und verwiesen darauf, dass die regelmäßige Teilnahme am Freitagsgebet von sieben Prozent im Jahr 1989 auf heute etwa vierzig Prozent gestiegen sei.

Kritiker der Umfrage warfen ihr jedoch vor, suggestive Fragen zu stellen und die Ergebnisse zu dramatisieren. Mehrere muslimische Regionalräte reichten eine Beschwerde ein und argumentierten, die Befragung bediene anti‑muslimische Ressentiments in einer Zeit, in der Hassverbrechen gegen Muslime deutlich zunehmen. Für sie spiegeln die stärker religiöse Ausrichtung vieler junger Muslime eher die Erfahrung von Diskriminierung wider als den Wunsch, Frankreich nach islamischem Recht zu regieren.

Staatliche Reaktion und politische Instrumentalisierung
Der französische Staat reagierte in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Maßnahmen auf das, was die Regierung als „islamistischen Separatismus“ bezeichnet. Ein 2021 verabschiedetes Gesetz verschärfte die Aufsicht über religiöse Einrichtungen, beschränkte den privaten Schulunterricht und gab der Regierung erweiterte Befugnisse zur Schließung von Vereinen. 2023 wurde an öffentlichen Schulen das Tragen des abaya, eines langen Überkleids, und anderer als religiös wahrgenommener Kleidung untersagt. Der damalige Bildungsminister begründete das Verbot damit, dass man in einem Klassenzimmer die Religion eines Kindes nicht erkennen dürfe. Diese Schritte werden von muslimischen Organisationen und Teilen der Linken als diskriminierend kritisiert, während konservative und rechtsextreme Parteien sie als unzureichend ansehen.

Im Mai 2025 legte das Innenministerium einen vertraulichen Bericht vor, der dem muslimischen Dachverband „Musulmans de France“ enge Verbindungen zur Muslimbruderschaft und das Ziel unterstellte, langfristig die französische Gesellschaft nach islamischem Recht zu gestalten. In dem Dokument wird von „Entryismus“ gesprochen: lokale Vereine und Moscheen sollten schrittweise Einfluss in kommunalen Einrichtungen gewinnen, um Scharia‑konforme Lebensweisen zu fördern. Der Bericht diente Innenminister Bruno Retailleau als Grundlage, um strengere Kontrollen und finanzielle Sanktionen gegen bestimmte Organisationen zu fordern.

Muslimische Vertreter wiesen diese Vorwürfe entschieden zurück. Der Rektor der Großen Moschee von Paris sprach von einem „Schlag ins Gesicht“ für seine jahrelange Zusammenarbeit mit den Behörden. Wissenschaftler betonten, dass der Verband zwar einen konservativen Islam vertrete, aber keine Belege für Bestrebungen zur Etablierung eines islamischen Staates vorlägen. Präsident Emmanuel Macron versicherte, der Islam habe seinen Platz in Frankreich, doch es müsse klare Grenzen gegen Extremismus geben.

Zwischen Realität und Mythos
Die Vorstellung, es gebe in Frankreich „Scharia‑Zonen“ oder „No‑Go‑Areas“, in denen staatliches Recht nicht mehr gelte, wird seit Jahren von rechtspopulistischen Kreisen verbreitet. Experten für Rassismusforschung weisen darauf hin, dass solche Begriffe von der extremen Rechten als Werkzeug genutzt werden, um Ängste zu schüren. Tatsächlich existieren in Frankreich keine rechtsfreien Räume, in denen islamisches Recht durchgesetzt wird. Auch sogenannte „Scharia‑Räte“, wie sie in Großbritannien zur gütlichen Beilegung von Scheidungen genutzt werden, haben in Frankreich keine juristische Bedeutung.

Die wachsende Sichtbarkeit muslimischer Religiosität und der Wunsch einiger Jugendlicher nach stärkerer Orientierung am islamischen Recht treffen jedoch auf ein gesellschaftliches Klima, das durch steigende Islamfeindlichkeit geprägt ist. Zwischen Januar und März 2025 registrierte das Innenministerium 79 antimuslimische Angriffe – ein Anstieg um 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Südfrankreich tötete im Mai 2025 ein Nachbar einen tunesischen Friseur in einem offensichtlich rassistisch motivierten Angriff; die Staatsanwaltschaft untersucht, ob ein terroristischer Hintergrund vorliegt. Solche Ereignisse verstärken die Wahrnehmung vieler Muslime, von Staat und Gesellschaft stigmatisiert zu werden.

Ein gesamtgesellschaftlicher Konflikt
Die Debatte über die „Ausbreitung der Scharia“ in Frankreich ist weniger eine juristische Realität als ein Spiegelbild politischer Auseinandersetzungen. Auf der einen Seite stehen rechte Parteien, die angesichts steigender Religiosität vor einem „kulturellen Umsturz“ warnen und härtere Maßnahmen fordern. Auf der anderen Seite betonen muslimische Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen, dass die überwiegende Mehrheit der Muslime loyale Bürgerinnen und Bürger sind, die sich nach Anerkennung und gleichen Chancen sehnen und in Umfragen keine Mehrheit für die Einführung islamischer Gesetze erzielen würden.

Frankreichs Herausforderung besteht darin, einer wachsenden religiösen Diversität gerecht zu werden, ohne die Prinzipien der Republik zu untergraben oder Minderheiten zu marginalisieren. Die hitzige Diskussion über die Scharia zeigt, wie unterschiedlich die Erfahrungen und Wahrnehmungen innerhalb der französischen Gesellschaft sind. Eine nachhaltige Antwort liegt weniger in repressiven Gesetzen als in der Schaffung von Vertrauen: durch Dialog, gerechte Bildungschancen und den entschlossenen Schutz aller Bürgerinnen und Bürger vor Hassverbrechen und Diskriminierung.



Vorgestellt


Wirtschaft: Ist Indien wegen Großbritannien so arm?

Die Wirtschaft von Indien stagniert, ein Großteil der Bevölkerung Indiens lebt in bitterer Armut, aber wo liegt der Grund? Ist die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien schuld an der Armut von Indien?Schauen Sie sich das Video an, es könnte Sie interessieren....!

Wirtschaft: Afrika, das Milliarden-Grab von China

China ist der größte Kreditgeber in ganz Afrika. Aber aus einem bisher unerklärlichen Grund scheint Pekings Strategie in Bezug auf Afrika zu einem Ende zu kommen. Und die große Frage ist: Warum? Ist Afrika etwa zum finanziellen Milliarden-Grab von China geworden?Schauen Sie isch das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein was Sie sehen...

Politik: Georgien als Marionetten-Staat von Russland?

Russland ist ein Terror-Staat, dies beweist der kriminelle Angriff der Russen auf das Nachbarland Ukraine; sein "Präsident" Wladimir Putin (72) ist ein ruchloser Kriegsverbrecher! Da passt es in das sprichwörtliche Bild, dass die Russen Marionetten als willfährigen Lakaien benötigen, ist Georgien und sind die Georgier ein solcher Marionetten-Staat der Terror-Russen? Proteste haben sich in ganz Georgien ausgebreitet. Die Regierung blickt zunehmend nach Moskau, während achtzig Prozent der Georgier den Westen wollen. Was bringt die Zukunft, ist Georgien der jüngste Triumph des Massenmörder Wladimir Putin?Schauen Sie sich das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein...