Zürcher Nachrichten - Frankreich: Scharia-Debatte

EUR -
AED 4.228897
AFN 72.544603
ALL 96.183662
AMD 434.229157
ANG 2.061288
AOA 1055.928483
ARS 1608.200783
AUD 1.625385
AWG 2.075586
AZN 1.956154
BAM 1.959533
BBD 2.316513
BDT 141.128872
BGN 1.968276
BHD 0.434856
BIF 3414.980192
BMD 1.151504
BND 1.471235
BOB 7.976196
BRL 6.034567
BSD 1.150196
BTN 106.089037
BWP 15.682946
BYN 3.426227
BYR 22569.474238
BZD 2.313207
CAD 1.576633
CDF 2608.156684
CHF 0.906193
CLF 0.026536
CLP 1047.776192
CNY 8.010147
CNH 7.929762
COP 4265.757296
CRC 540.24567
CUC 1.151504
CUP 30.51485
CVE 110.475953
CZK 24.447343
DJF 204.811085
DKK 7.472275
DOP 70.205887
DZD 152.237997
EGP 60.200932
ERN 17.272557
ETB 181.174658
FJD 2.547069
FKP 0.865734
GBP 0.863685
GEL 3.131737
GGP 0.865734
GHS 12.518905
GIP 0.865734
GMD 84.639353
GNF 10083.517103
GTQ 8.815834
GYD 240.758681
HKD 9.02418
HNL 30.449068
HRK 7.536477
HTG 150.750475
HUF 391.080654
IDR 19547.928299
ILS 3.595824
IMP 0.865734
INR 106.424571
IQD 1506.670433
IRR 1521194.078995
ISK 143.201496
JEP 0.865734
JMD 180.925476
JOD 0.816406
JPY 183.220375
KES 149.234346
KGS 100.698929
KHR 4611.886464
KMF 493.994725
KPW 1036.403966
KRW 1714.0307
KWD 0.353201
KYD 0.958426
KZT 555.408136
LAK 24682.022961
LBP 102995.121174
LKR 358.152334
LRD 210.470063
LSL 19.349464
LTL 3.400091
LVL 0.696533
LYD 7.372077
MAD 10.805486
MDL 20.012126
MGA 4788.142922
MKD 61.653234
MMK 2418.334396
MNT 4116.047513
MOP 9.275872
MRU 45.857361
MUR 53.68307
MVR 17.80246
MWK 1994.007542
MXN 20.353348
MYR 4.511602
MZN 73.586935
NAD 19.349464
NGN 1575.601776
NIO 42.322837
NOK 11.08236
NPR 169.747291
NZD 1.972077
OMR 0.442684
PAB 1.150191
PEN 3.970264
PGK 4.959556
PHP 68.741757
PKR 321.293307
PLN 4.26821
PYG 7465.417237
QAR 4.204128
RON 5.094269
RSD 117.401537
RUB 94.518744
RWF 1678.605284
SAR 4.321598
SBD 9.271517
SCR 16.144156
SDG 692.054169
SEK 10.733385
SGD 1.471432
SHP 0.863926
SLE 28.330837
SLL 24146.471141
SOS 656.152919
SRD 43.263728
STD 23833.803528
STN 24.547513
SVC 10.064174
SYP 127.674013
SZL 19.33492
THB 37.259785
TJS 11.041287
TMT 4.036021
TND 3.397187
TOP 2.772544
TRY 50.902244
TTD 7.79986
TWD 36.722026
TZS 3002.549389
UAH 50.705321
UGX 4342.272682
USD 1.151504
UYU 46.75888
UZS 13906.49396
VES 513.854247
VND 30264.398299
VUV 137.705052
WST 3.171483
XAF 657.211941
XAG 0.014246
XAU 0.000229
XCD 3.111996
XCG 2.072849
XDR 0.817361
XOF 657.211941
XPF 119.331742
YER 274.636692
ZAR 19.256299
ZMK 10364.926801
ZMW 22.398673
ZWL 370.78375
  • Euro STOXX 50

    17.0500

    5756.06

    +0.3%

  • DAX

    68.4900

    23632.5

    +0.29%

  • TecDAX

    -0.1600

    3558.41

    -0%

  • MDAX

    251.1000

    29202.8

    +0.86%

  • SDAX

    -40.6200

    16725.63

    -0.24%

  • Goldpreis

    9.2000

    5011.4

    +0.18%

  • EUR/USD

    0.0008

    1.1518

    +0.07%


Frankreich: Scharia-Debatte




Frankreichs Verhältnis zum Islam ist geprägt von einem strengen Laizismus, einer großen muslimischen Minderheit und hitzigen Debatten über religiöse Praktiken. Das jüngste Aufflammen der Diskussion um die Scharia – das islamische Rechtssystem – zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen religiöser Vielfalt und dem Anspruch auf staatliche Neutralität ist.

Eine wachsende muslimische Gemeinschaft
Frankreich beherbergt mit mehr als sechs Millionen Gläubigen die größte muslimische Bevölkerung Europas. Die meisten stammen aus den ehemaligen Kolonien in Nord- und Westafrika und sind seit Generationen fester Bestandteil der französischen Gesellschaft. Während islamisches Recht in Frankreich keine juristische Geltung besitzt, gewinnen religiöse Normen im Alltag einiger Gemeinden an Bedeutung: regelmäßige Moscheebesuche haben sich seit den späten 1980er‑Jahren vervierfacht, das Fasten im Ramadan wird von deutlich mehr Menschen eingehalten, und der Anteil junger Frauen, die ein Kopftuch oder einen Schleier tragen, ist stark gestiegen. Gleichzeitig lehnt die große Mehrheit der muslimischen Bürger Gewalt ab und respektiert die französische Rechtsordnung.

Umfragen und ihre Kontroverse
Im Herbst 2025 sorgte eine Umfrage des Instituts Ifop im Auftrag des Magazins „Écran de veille“ für Schlagzeilen. Demnach gaben 57 Prozent der befragten 15‑ bis 24‑jährigen Muslime an, sie hielten die Scharia bei persönlichen Angelegenheiten wie Hochzeit, Erbschaft oder ritueller Schlachtung für wichtiger als die Gesetze der Republik; 46 Prozent sagten, islamisches Recht solle auch in nicht‑muslimischen Ländern gelten. Historiker sprachen daraufhin von einer „Re‑Islamisierung“ einer Minderheit junger Muslime und verwiesen darauf, dass die regelmäßige Teilnahme am Freitagsgebet von sieben Prozent im Jahr 1989 auf heute etwa vierzig Prozent gestiegen sei.

Kritiker der Umfrage warfen ihr jedoch vor, suggestive Fragen zu stellen und die Ergebnisse zu dramatisieren. Mehrere muslimische Regionalräte reichten eine Beschwerde ein und argumentierten, die Befragung bediene anti‑muslimische Ressentiments in einer Zeit, in der Hassverbrechen gegen Muslime deutlich zunehmen. Für sie spiegeln die stärker religiöse Ausrichtung vieler junger Muslime eher die Erfahrung von Diskriminierung wider als den Wunsch, Frankreich nach islamischem Recht zu regieren.

Staatliche Reaktion und politische Instrumentalisierung
Der französische Staat reagierte in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Maßnahmen auf das, was die Regierung als „islamistischen Separatismus“ bezeichnet. Ein 2021 verabschiedetes Gesetz verschärfte die Aufsicht über religiöse Einrichtungen, beschränkte den privaten Schulunterricht und gab der Regierung erweiterte Befugnisse zur Schließung von Vereinen. 2023 wurde an öffentlichen Schulen das Tragen des abaya, eines langen Überkleids, und anderer als religiös wahrgenommener Kleidung untersagt. Der damalige Bildungsminister begründete das Verbot damit, dass man in einem Klassenzimmer die Religion eines Kindes nicht erkennen dürfe. Diese Schritte werden von muslimischen Organisationen und Teilen der Linken als diskriminierend kritisiert, während konservative und rechtsextreme Parteien sie als unzureichend ansehen.

Im Mai 2025 legte das Innenministerium einen vertraulichen Bericht vor, der dem muslimischen Dachverband „Musulmans de France“ enge Verbindungen zur Muslimbruderschaft und das Ziel unterstellte, langfristig die französische Gesellschaft nach islamischem Recht zu gestalten. In dem Dokument wird von „Entryismus“ gesprochen: lokale Vereine und Moscheen sollten schrittweise Einfluss in kommunalen Einrichtungen gewinnen, um Scharia‑konforme Lebensweisen zu fördern. Der Bericht diente Innenminister Bruno Retailleau als Grundlage, um strengere Kontrollen und finanzielle Sanktionen gegen bestimmte Organisationen zu fordern.

Muslimische Vertreter wiesen diese Vorwürfe entschieden zurück. Der Rektor der Großen Moschee von Paris sprach von einem „Schlag ins Gesicht“ für seine jahrelange Zusammenarbeit mit den Behörden. Wissenschaftler betonten, dass der Verband zwar einen konservativen Islam vertrete, aber keine Belege für Bestrebungen zur Etablierung eines islamischen Staates vorlägen. Präsident Emmanuel Macron versicherte, der Islam habe seinen Platz in Frankreich, doch es müsse klare Grenzen gegen Extremismus geben.

Zwischen Realität und Mythos
Die Vorstellung, es gebe in Frankreich „Scharia‑Zonen“ oder „No‑Go‑Areas“, in denen staatliches Recht nicht mehr gelte, wird seit Jahren von rechtspopulistischen Kreisen verbreitet. Experten für Rassismusforschung weisen darauf hin, dass solche Begriffe von der extremen Rechten als Werkzeug genutzt werden, um Ängste zu schüren. Tatsächlich existieren in Frankreich keine rechtsfreien Räume, in denen islamisches Recht durchgesetzt wird. Auch sogenannte „Scharia‑Räte“, wie sie in Großbritannien zur gütlichen Beilegung von Scheidungen genutzt werden, haben in Frankreich keine juristische Bedeutung.

Die wachsende Sichtbarkeit muslimischer Religiosität und der Wunsch einiger Jugendlicher nach stärkerer Orientierung am islamischen Recht treffen jedoch auf ein gesellschaftliches Klima, das durch steigende Islamfeindlichkeit geprägt ist. Zwischen Januar und März 2025 registrierte das Innenministerium 79 antimuslimische Angriffe – ein Anstieg um 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Südfrankreich tötete im Mai 2025 ein Nachbar einen tunesischen Friseur in einem offensichtlich rassistisch motivierten Angriff; die Staatsanwaltschaft untersucht, ob ein terroristischer Hintergrund vorliegt. Solche Ereignisse verstärken die Wahrnehmung vieler Muslime, von Staat und Gesellschaft stigmatisiert zu werden.

Ein gesamtgesellschaftlicher Konflikt
Die Debatte über die „Ausbreitung der Scharia“ in Frankreich ist weniger eine juristische Realität als ein Spiegelbild politischer Auseinandersetzungen. Auf der einen Seite stehen rechte Parteien, die angesichts steigender Religiosität vor einem „kulturellen Umsturz“ warnen und härtere Maßnahmen fordern. Auf der anderen Seite betonen muslimische Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen, dass die überwiegende Mehrheit der Muslime loyale Bürgerinnen und Bürger sind, die sich nach Anerkennung und gleichen Chancen sehnen und in Umfragen keine Mehrheit für die Einführung islamischer Gesetze erzielen würden.

Frankreichs Herausforderung besteht darin, einer wachsenden religiösen Diversität gerecht zu werden, ohne die Prinzipien der Republik zu untergraben oder Minderheiten zu marginalisieren. Die hitzige Diskussion über die Scharia zeigt, wie unterschiedlich die Erfahrungen und Wahrnehmungen innerhalb der französischen Gesellschaft sind. Eine nachhaltige Antwort liegt weniger in repressiven Gesetzen als in der Schaffung von Vertrauen: durch Dialog, gerechte Bildungschancen und den entschlossenen Schutz aller Bürgerinnen und Bürger vor Hassverbrechen und Diskriminierung.



Vorgestellt


Wirtschaft: Ist Indien wegen Großbritannien so arm?

Die Wirtschaft von Indien stagniert, ein Großteil der Bevölkerung Indiens lebt in bitterer Armut, aber wo liegt der Grund? Ist die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien schuld an der Armut von Indien?Schauen Sie sich das Video an, es könnte Sie interessieren....!

Wirtschaft: Afrika, das Milliarden-Grab von China

China ist der größte Kreditgeber in ganz Afrika. Aber aus einem bisher unerklärlichen Grund scheint Pekings Strategie in Bezug auf Afrika zu einem Ende zu kommen. Und die große Frage ist: Warum? Ist Afrika etwa zum finanziellen Milliarden-Grab von China geworden?Schauen Sie isch das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein was Sie sehen...

Politik: Georgien als Marionetten-Staat von Russland?

Russland ist ein Terror-Staat, dies beweist der kriminelle Angriff der Russen auf das Nachbarland Ukraine; sein "Präsident" Wladimir Putin (72) ist ein ruchloser Kriegsverbrecher! Da passt es in das sprichwörtliche Bild, dass die Russen Marionetten als willfährigen Lakaien benötigen, ist Georgien und sind die Georgier ein solcher Marionetten-Staat der Terror-Russen? Proteste haben sich in ganz Georgien ausgebreitet. Die Regierung blickt zunehmend nach Moskau, während achtzig Prozent der Georgier den Westen wollen. Was bringt die Zukunft, ist Georgien der jüngste Triumph des Massenmörder Wladimir Putin?Schauen Sie sich das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein...