Zürcher Nachrichten - Frankreich: Scharia-Debatte

EUR -
AED 4.273443
AFN 75.625431
ALL 96.4801
AMD 443.523657
ANG 2.083065
AOA 1066.894695
ARS 1701.912184
AUD 1.737028
AWG 2.071834
AZN 1.982504
BAM 1.954291
BBD 2.34379
BDT 142.199583
BGN 1.939135
BHD 0.44028
BIF 3447.336657
BMD 1.163462
BND 1.496931
BOB 8.058742
BRL 6.249888
BSD 1.163801
BTN 104.808068
BWP 15.613876
BYN 3.407469
BYR 22803.846938
BZD 2.340383
CAD 1.619248
CDF 2629.423588
CHF 0.931845
CLF 0.026547
CLP 1041.449823
CNY 8.117879
CNH 8.116355
COP 4319.932841
CRC 578.650681
CUC 1.163462
CUP 30.831732
CVE 110.766073
CZK 24.284473
DJF 206.770849
DKK 7.471029
DOP 73.589402
DZD 151.944393
EGP 55.14207
ERN 17.451924
ETB 180.744212
FJD 2.646996
FKP 0.866012
GBP 0.867802
GEL 3.135576
GGP 0.866012
GHS 12.478172
GIP 0.866012
GMD 86.09657
GNF 10169.818071
GTQ 8.923033
GYD 243.430977
HKD 9.069474
HNL 30.791057
HRK 7.533069
HTG 152.410999
HUF 385.606522
IDR 19595.776155
ILS 3.662623
IMP 0.866012
INR 105.023757
IQD 1524.134668
IRR 49010.819177
ISK 147.155069
JEP 0.866012
JMD 184.287694
JOD 0.82494
JPY 183.692014
KES 150.086952
KGS 101.737157
KHR 4688.750569
KMF 493.308117
KPW 1047.142312
KRW 1695.547908
KWD 0.357753
KYD 0.969747
KZT 594.470951
LAK 25130.770501
LBP 104173.873684
LKR 359.762193
LRD 209.598047
LSL 19.209194
LTL 3.4354
LVL 0.703767
LYD 6.318039
MAD 10.741664
MDL 19.724684
MGA 5331.567053
MKD 61.540852
MMK 2443.28323
MNT 4141.81393
MOP 9.344344
MRU 44.514481
MUR 53.996692
MVR 17.987556
MWK 2020.933163
MXN 20.916833
MYR 4.762635
MZN 74.349534
NAD 19.201452
NGN 1663.098957
NIO 42.786345
NOK 11.747011
NPR 167.692508
NZD 2.029412
OMR 0.449072
PAB 1.163696
PEN 3.912766
PGK 4.96071
PHP 68.988663
PKR 325.769639
PLN 4.212022
PYG 7701.05327
QAR 4.236455
RON 5.088869
RSD 117.457308
RUB 92.244961
RWF 1692.836597
SAR 4.363372
SBD 9.459194
SCR 16.186944
SDG 699.826416
SEK 10.711646
SGD 1.497419
SHP 0.872898
SLE 28.068555
SLL 24397.211834
SOS 664.922553
SRD 44.433805
STD 24081.305655
STN 24.956251
SVC 10.182094
SYP 12867.390465
SZL 19.226247
THB 36.60293
TJS 10.833987
TMT 4.072116
TND 3.371134
TOP 2.801337
TRY 49.972192
TTD 7.898867
TWD 36.775047
TZS 2905.749514
UAH 50.193325
UGX 4189.764676
USD 1.163462
UYU 45.304821
UZS 14106.972028
VES 378.104839
VND 30564.135667
VUV 140.633034
WST 3.229122
XAF 655.448048
XAG 0.01455
XAU 0.000258
XCD 3.144314
XCG 2.097271
XDR 0.814765
XOF 654.451318
XPF 119.331742
YER 277.427836
ZAR 19.18319
ZMK 10472.554531
ZMW 22.546493
ZWL 374.634154
  • SDAX

    208.3300

    18118.57

    +1.15%

  • TecDAX

    40.1900

    3820.24

    +1.05%

  • Euro STOXX 50

    93.1500

    5997.47

    +1.55%

  • MDAX

    84.1400

    32167.17

    +0.26%

  • DAX

    134.1800

    25261.64

    +0.53%

  • Goldpreis

    40.2000

    4500.9

    +0.89%

  • EUR/USD

    -0.0023

    1.1639

    -0.2%


Frankreich: Scharia-Debatte




Frankreichs Verhältnis zum Islam ist geprägt von einem strengen Laizismus, einer großen muslimischen Minderheit und hitzigen Debatten über religiöse Praktiken. Das jüngste Aufflammen der Diskussion um die Scharia – das islamische Rechtssystem – zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen religiöser Vielfalt und dem Anspruch auf staatliche Neutralität ist.

Eine wachsende muslimische Gemeinschaft
Frankreich beherbergt mit mehr als sechs Millionen Gläubigen die größte muslimische Bevölkerung Europas. Die meisten stammen aus den ehemaligen Kolonien in Nord- und Westafrika und sind seit Generationen fester Bestandteil der französischen Gesellschaft. Während islamisches Recht in Frankreich keine juristische Geltung besitzt, gewinnen religiöse Normen im Alltag einiger Gemeinden an Bedeutung: regelmäßige Moscheebesuche haben sich seit den späten 1980er‑Jahren vervierfacht, das Fasten im Ramadan wird von deutlich mehr Menschen eingehalten, und der Anteil junger Frauen, die ein Kopftuch oder einen Schleier tragen, ist stark gestiegen. Gleichzeitig lehnt die große Mehrheit der muslimischen Bürger Gewalt ab und respektiert die französische Rechtsordnung.

Umfragen und ihre Kontroverse
Im Herbst 2025 sorgte eine Umfrage des Instituts Ifop im Auftrag des Magazins „Écran de veille“ für Schlagzeilen. Demnach gaben 57 Prozent der befragten 15‑ bis 24‑jährigen Muslime an, sie hielten die Scharia bei persönlichen Angelegenheiten wie Hochzeit, Erbschaft oder ritueller Schlachtung für wichtiger als die Gesetze der Republik; 46 Prozent sagten, islamisches Recht solle auch in nicht‑muslimischen Ländern gelten. Historiker sprachen daraufhin von einer „Re‑Islamisierung“ einer Minderheit junger Muslime und verwiesen darauf, dass die regelmäßige Teilnahme am Freitagsgebet von sieben Prozent im Jahr 1989 auf heute etwa vierzig Prozent gestiegen sei.

Kritiker der Umfrage warfen ihr jedoch vor, suggestive Fragen zu stellen und die Ergebnisse zu dramatisieren. Mehrere muslimische Regionalräte reichten eine Beschwerde ein und argumentierten, die Befragung bediene anti‑muslimische Ressentiments in einer Zeit, in der Hassverbrechen gegen Muslime deutlich zunehmen. Für sie spiegeln die stärker religiöse Ausrichtung vieler junger Muslime eher die Erfahrung von Diskriminierung wider als den Wunsch, Frankreich nach islamischem Recht zu regieren.

Staatliche Reaktion und politische Instrumentalisierung
Der französische Staat reagierte in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Maßnahmen auf das, was die Regierung als „islamistischen Separatismus“ bezeichnet. Ein 2021 verabschiedetes Gesetz verschärfte die Aufsicht über religiöse Einrichtungen, beschränkte den privaten Schulunterricht und gab der Regierung erweiterte Befugnisse zur Schließung von Vereinen. 2023 wurde an öffentlichen Schulen das Tragen des abaya, eines langen Überkleids, und anderer als religiös wahrgenommener Kleidung untersagt. Der damalige Bildungsminister begründete das Verbot damit, dass man in einem Klassenzimmer die Religion eines Kindes nicht erkennen dürfe. Diese Schritte werden von muslimischen Organisationen und Teilen der Linken als diskriminierend kritisiert, während konservative und rechtsextreme Parteien sie als unzureichend ansehen.

Im Mai 2025 legte das Innenministerium einen vertraulichen Bericht vor, der dem muslimischen Dachverband „Musulmans de France“ enge Verbindungen zur Muslimbruderschaft und das Ziel unterstellte, langfristig die französische Gesellschaft nach islamischem Recht zu gestalten. In dem Dokument wird von „Entryismus“ gesprochen: lokale Vereine und Moscheen sollten schrittweise Einfluss in kommunalen Einrichtungen gewinnen, um Scharia‑konforme Lebensweisen zu fördern. Der Bericht diente Innenminister Bruno Retailleau als Grundlage, um strengere Kontrollen und finanzielle Sanktionen gegen bestimmte Organisationen zu fordern.

Muslimische Vertreter wiesen diese Vorwürfe entschieden zurück. Der Rektor der Großen Moschee von Paris sprach von einem „Schlag ins Gesicht“ für seine jahrelange Zusammenarbeit mit den Behörden. Wissenschaftler betonten, dass der Verband zwar einen konservativen Islam vertrete, aber keine Belege für Bestrebungen zur Etablierung eines islamischen Staates vorlägen. Präsident Emmanuel Macron versicherte, der Islam habe seinen Platz in Frankreich, doch es müsse klare Grenzen gegen Extremismus geben.

Zwischen Realität und Mythos
Die Vorstellung, es gebe in Frankreich „Scharia‑Zonen“ oder „No‑Go‑Areas“, in denen staatliches Recht nicht mehr gelte, wird seit Jahren von rechtspopulistischen Kreisen verbreitet. Experten für Rassismusforschung weisen darauf hin, dass solche Begriffe von der extremen Rechten als Werkzeug genutzt werden, um Ängste zu schüren. Tatsächlich existieren in Frankreich keine rechtsfreien Räume, in denen islamisches Recht durchgesetzt wird. Auch sogenannte „Scharia‑Räte“, wie sie in Großbritannien zur gütlichen Beilegung von Scheidungen genutzt werden, haben in Frankreich keine juristische Bedeutung.

Die wachsende Sichtbarkeit muslimischer Religiosität und der Wunsch einiger Jugendlicher nach stärkerer Orientierung am islamischen Recht treffen jedoch auf ein gesellschaftliches Klima, das durch steigende Islamfeindlichkeit geprägt ist. Zwischen Januar und März 2025 registrierte das Innenministerium 79 antimuslimische Angriffe – ein Anstieg um 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Südfrankreich tötete im Mai 2025 ein Nachbar einen tunesischen Friseur in einem offensichtlich rassistisch motivierten Angriff; die Staatsanwaltschaft untersucht, ob ein terroristischer Hintergrund vorliegt. Solche Ereignisse verstärken die Wahrnehmung vieler Muslime, von Staat und Gesellschaft stigmatisiert zu werden.

Ein gesamtgesellschaftlicher Konflikt
Die Debatte über die „Ausbreitung der Scharia“ in Frankreich ist weniger eine juristische Realität als ein Spiegelbild politischer Auseinandersetzungen. Auf der einen Seite stehen rechte Parteien, die angesichts steigender Religiosität vor einem „kulturellen Umsturz“ warnen und härtere Maßnahmen fordern. Auf der anderen Seite betonen muslimische Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen, dass die überwiegende Mehrheit der Muslime loyale Bürgerinnen und Bürger sind, die sich nach Anerkennung und gleichen Chancen sehnen und in Umfragen keine Mehrheit für die Einführung islamischer Gesetze erzielen würden.

Frankreichs Herausforderung besteht darin, einer wachsenden religiösen Diversität gerecht zu werden, ohne die Prinzipien der Republik zu untergraben oder Minderheiten zu marginalisieren. Die hitzige Diskussion über die Scharia zeigt, wie unterschiedlich die Erfahrungen und Wahrnehmungen innerhalb der französischen Gesellschaft sind. Eine nachhaltige Antwort liegt weniger in repressiven Gesetzen als in der Schaffung von Vertrauen: durch Dialog, gerechte Bildungschancen und den entschlossenen Schutz aller Bürgerinnen und Bürger vor Hassverbrechen und Diskriminierung.



Vorgestellt


Wirtschaft: Ist Indien wegen Großbritannien so arm?

Die Wirtschaft von Indien stagniert, ein Großteil der Bevölkerung Indiens lebt in bitterer Armut, aber wo liegt der Grund? Ist die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien schuld an der Armut von Indien?Schauen Sie sich das Video an, es könnte Sie interessieren....!

Wirtschaft: Afrika, das Milliarden-Grab von China

China ist der größte Kreditgeber in ganz Afrika. Aber aus einem bisher unerklärlichen Grund scheint Pekings Strategie in Bezug auf Afrika zu einem Ende zu kommen. Und die große Frage ist: Warum? Ist Afrika etwa zum finanziellen Milliarden-Grab von China geworden?Schauen Sie isch das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein was Sie sehen...

Politik: Georgien als Marionetten-Staat von Russland?

Russland ist ein Terror-Staat, dies beweist der kriminelle Angriff der Russen auf das Nachbarland Ukraine; sein "Präsident" Wladimir Putin (72) ist ein ruchloser Kriegsverbrecher! Da passt es in das sprichwörtliche Bild, dass die Russen Marionetten als willfährigen Lakaien benötigen, ist Georgien und sind die Georgier ein solcher Marionetten-Staat der Terror-Russen? Proteste haben sich in ganz Georgien ausgebreitet. Die Regierung blickt zunehmend nach Moskau, während achtzig Prozent der Georgier den Westen wollen. Was bringt die Zukunft, ist Georgien der jüngste Triumph des Massenmörder Wladimir Putin?Schauen Sie sich das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein...