Zürcher Nachrichten - G20 kann sich nicht auf Fahrplan für Ausstieg aus fossilen Energien einigen

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G20 kann sich nicht auf Fahrplan für Ausstieg aus fossilen Energien einigen
G20 kann sich nicht auf Fahrplan für Ausstieg aus fossilen Energien einigen / Foto: MONEY SHARMA - AFP/Archiv

G20 kann sich nicht auf Fahrplan für Ausstieg aus fossilen Energien einigen

Die Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) hat sich bei einem Treffen ihrer Energieminister nicht auf einen Fahrplan für den Ausstieg aus klimaschädlichen fossilen Energien einigen können. Im Abschlussdokument des Treffens im indischen Bundesstaat Goa wurde am Samstag Kohle als besonders klimaschädlicher Energieträger nicht einmal erwähnt.

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Für einige Schwellenländer wie Gastgeber Indien oder die Volksrepublik China, die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde, ist Kohle immer noch ein wichtiger Energielieferant. Die führenden Industriestaaten hatten sich beim G7-Gipfel im japanischen Hiroshima im Mai noch auf eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Energieträgern, bei denen keine Technologien zur Emissionsminderung angewandt werden, verständigt.

Das Scheitern in Goa widerspricht auch den Zielsetzungen bei der UN-Klimakonferenz, bis 2030 die weltweiten Kapazitäten an erneuerbaren Energien zu verdreifachen und die Energieeffizienz zu verdoppeln. Wetterextreme wie Hitzewellen und Überschwemmungen in aller Welt machen derzeit erneut deutlich, welche gefährlichen Folgen die globale Erderwärmung hat.

Nach Angaben des derzeitigen G20-Vorsitzenden Indien hatten einige Länder in Goa geltend gemacht, dass "verschiedene nationale Umstände" bei dem Ausstieg aus fossilen Energieträgern stärker berücksichtigt werden müssten. Außerdem habe es Differenzen hinsichtlich der Technologien zur Verringerung klimaschädlicher Emissionen bei der Nutzung von Energieträgern wie Erdöl und Erdgas gegeben.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der an dem Treffen teilnahm, warf Russland eine destruktive Rolle bei den Verhandlungen vor. Der stellvertretende russische Energieminister habe "eine völlige Verkennung der Wirklichkeit" und eine "völlig verdrehte Weltsicht" demonstriert, indem er die Energiekrise als Folge der Finanzkrise im Jahr 2008 bezeichnet habe, sagte Habeck dem ZDF.

Auch Ed King vom Klima-Kommunikationsnetzwerk GSCC warf Russland sowie Saudi-Arabien eine Blockadehaltung in Goa vor. Die beiden wichtigen Erdölproduzenten hätten "Bemühungen blockiert, eine Vereinbarung zur Verdreifachung von sauberer Energie zu erzielen", schrieb King im Onlinedienst Twitter.

Alden Meyer von der Klima-Denkfabrik E3G erklärte: "Angesichts der täglichen Temperaturrekorde in aller Welt und der außer Kontrolle geratenden Auswirkungen des Klimawandels hätte die Welt von den G20-Energieministern einen Fanfarenruf zum Handeln zu hören bekommen müssen." Stattdessen sei bei dem Treffen kaum etwas herausgekommen.

Vor dem Treffen hatten führende EU-Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich sowie einige der besonders stark vom Klimawandel betroffenen kleinen Inselstaaten die G20 aufgefordert, Tempo beim Ausstieg aus fossilen Energien und bei den Maßnahmen für klimaneutrales Wirtschaften zu machen.

"Die Menschheit kann sich keine Verzögerungen leisten", erklärten sie und forderten, dass die globalen Treibhausgasemissionen bereits 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2019 reduziert werden müssten.

Einige Entwicklungsländer vertreten aber die Position, dass die reichen Industriestaaten als historisch Verantwortliche für den Klimawandel ärmere Staaten stärker finanziell beim klimafreundlichen Umbau ihrer Volkswirtschaften unterstützen müssten. Die Bevölkerung in Entwicklungsländern brauche preisgünstige klimafreundliche Alternativen zu fossilen Energien, betonen sie.

Indien kam in einem Bericht für die G20-Beratungen zu dem Schluss, dass die globale Energiewende jährlich vier Billionen Dollar (3,59 Billionen Euro) koste. Die Industriestaaten müssten ärmeren Ländern daher mit günstiger Finanzierung und Technologietransfer bei der Energiewende helfen.

D.Smith--NZN