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Vor der Beratung des Bundestags über Gesetzesänderungen zur Jagd auf Wölfe hat Bauernpräsident Joachim Rukwied das Vorhaben als "zwingend erforderlich" bezeichnet. Es gebe "eine ständig ansteigende Zahl von Nutztierrissen", sagte Rukwied am Mittwoch. "Das ist Qual durch und durch. Das ist Tierleid." Naturschützer kritisierten die Vorschläge, die den Abschuss der Tiere erleichtern sollen. Die Regierung setze auf "Angstrhetorik und Symbolpolitik", erklärte der Deutsche Tierschutzbund.
Nachdem auf EU-Ebene im vergangenen Jahr der Weg dafür frei gemacht worden war, hatte die Bundesregierung im Dezember die Änderung des Jagdgesetzes auf den Weg gebracht. Am Mittwoch sollte der Bundestag erstmals darüber beraten, auch der Bundesrat muss sich mit der Änderung befassen. Die Novelle sieht ein "regionales Bestandsmanagement" vor. Damit können Bundesländer in Regionen mit hohen Wolfszahlen die Zahl der dort lebenden Tiere regulieren. Vom 1. Juli bis 31. Oktober soll dort dann die Wolfsjagd möglich sein.
Es handele sich um eine "längst überfällige Entwicklung", sagte Bauernpräsident Rukwied. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Herdenschutz auch bei "eineinhalb Metern" hohen Zäunen und Schutzhunden darin "nicht vor Rissen schützt", sagte Rukwied bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Grünen Woche in Berlin.
Die Anzahl der Übergriffe durch Wölfe hatte nach Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in den vergangenen Jahren stetig zugenommen - zuletzt sank sie allerdings wieder. Laut DBBW war es im Jahr 2023 zu 1268 Vorfällen gekommen, bei denen 5000 Tiere von Wölfen getötet oder verletzt wurden. 2024 seien "bei rund 1100 Übergriffen rund 4300 Nutztiere durch Wölfe gerissen oder verletzt" worden, heißt es im Gesetzentwurf.
Naturschützer kritisierten das Gesetzesvorhaben angesichts des jüngsten Rückgangs. "Am Umgang mit dem Wolf zeigt sich, wie sehr Angst zur politischen Währung geworden ist", erklärte James Brückner, Leiter des Fachreferats für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. "Obwohl die Wolfszahlen zuletzt stagnierten und die Risse von Weidetieren stark zurückgegangen sind, tun Entscheidungsträger so, als gäbe es keine Alternative zum Abschuss."
Die Organisation prangerte auch die vorgesehene Jagdzeit an. "Während der Sommermonate werden die Kleinen noch von der Mutter gesäugt und vom Rudel mit Nahrung versorgt", erklärte der Tierschutzbund. In dieser "kritischen Zeit" sollten nun Abschüsse erfolgen. "Für eine Jägerschaft, die sich so oft ihrer sogenannten Waidgerechtigkeit rühmt, ist dieses Vorhaben besonders anstandslos."
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte den Gesetzentwurf als "misslungen". "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass mit einer Jagdzeit keine Verringerung der Nutztierrisse erzielt wird", erklärte BUND-Chef Olaf Bandt. Das trete erst ein, "wenn der Wolfsbestand auf einen kleinen Restbestand zusammengeschossen wird". "Wer dennoch eine mehrmonatige Jagdzeit in Deutschland einführen will, der nimmt das Aussterben des Wolfs billigend in Kauf", bemängelte er. Der Gesetzgeber solle sich auf die "Entnahme von Problemwölfen" konzentrieren sowie den Herdenschutz besser fördern und auswerten.
Ähnlich äußerte sich die Umweltschutzorganisation WWF. "Es ist politisches Wunschdenken, dass die im Gesetzentwurf vorgesehene anlasslose Jagd zu sinkenden Risszahlen führt", erklärte WWF-Expertin Sybille Klenzendorf.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hingegen wies Kritik an dem Gesetzesvorhaben zurück. "Es geht um den Schutz von Weidetieren", sagte Rainer am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". "Wir wollen in keinster Weise den Wolf ausrotten", fuhr Rainer fort. Es gebe in Deutschland inzwischen über 200 Wolfsrudel, "in der Fläche" seien das mehr Wölfe als in Russland. Zugleich sei der Riss von Weidetieren eine hohe Belastung für deren Halter, auch emotional.
A.Senn--NZN