Zürcher Nachrichten - Branchenverband vermisst "Schwung" im Einzelhandel - Wachstum nur online erwartet

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Branchenverband vermisst "Schwung" im Einzelhandel - Wachstum nur online erwartet
Branchenverband vermisst "Schwung" im Einzelhandel - Wachstum nur online erwartet / Foto: Kirill KUDRYAVTSEV - AFP

Branchenverband vermisst "Schwung" im Einzelhandel - Wachstum nur online erwartet

"Ohne richtigen Schwung" hat das Jahr für den deutschen Einzelhandel begonnen - rund die Hälfte der Unternehmen der Branche erwartet 2026 Umsätze unter dem Vorjahr. Der Branchenverband HDE macht vor allem die große Verunsicherung der Verbraucher angesichts der Konflikte in aller Welt verantwortlich. Sie gäben ihr Geld statt in den Geschäften lieber für Freizeitgestaltung und die "Flucht in den Urlaub" aus, sagte HDE-Präsident Alexander von Preen am Montag.

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Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet in diesem Jahr insgesamt nur mit einem Mini-Umsatzplus von preisbereinigt 0,5 Prozent auf rund 697 Milliarden Euro, wie er am Montag mitteilte. Das liege aber vor allem am "satten Wachstum" im Onlinehandel: Hier erwartet der Verband eine Zunahme von preisbereinigt 3,5 Prozent im Vorjahresvergleich auf insgesamt rund 96 Milliarden Euro. Gründe sind unter anderem neue Käufergruppen, etwa Ältere, zudem auch höhere Ausgaben online.

Bereits das vergangene Jahr war "ein schwaches Jahr, ein verlorenes Jahr" für den Einzelhandel, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der private Konsum sei zwar leicht gewachsen - die Verbraucher gaben ihr Geld demnach aber vor allem in den Bereichen Gesundheit und Mobilität aus. Zudem hätten hohe Kosten für Personal, Energie und Logistik die Unternehmen belastet. Auch vom wichtigen Weihnachtsgeschäft seien "die meisten Händler enttäuscht" gewesen - besonders in den Innenstädten.

Das Statistische Bundesamt meldete am Montag zwar einen deutlichen Umsatzzuwachs um real 3,8 Prozent für den Einzelhandel 2025 - dies geht aber zum Teil auf einen Sondereffekt zurück: Ein "größeres Unternehmen im Internet- und Versandhandel", gemeint ist Amazon, habe eine Umstrukturierung vorgenommen; bislang nicht in Deutschland erfasste Umsätze seien so ab August hinzugekommen. Dem HDE zufolge blieb die Branche 2025 "nur leicht oberhalb der Nulllinie".

"Aufbruchstimmung" müsse in diesem Jahr die Bundesregierung erzeugen, forderte HDE-Präsident von Preen. Sie könne "mit den richtigen Maßnahmen einen Aufwärtstrend auslösen". Laut aktueller Umfrage des Verbands unter knapp 600 Mitgliedsunternehmen sind für sie die wichtigsten Handlungsfelder ein "spürbarer" Bürokratieabbau, den Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge zu begrenzen sowie eine Unternehmensteuerreform. Wichtig sind laut HDE auch eine Senkung der Energiekosten und mit Blick auf Brüssel ein Abbau der Wettbewerbsverzerrungen zu Drittstaatenhändlern.

Gemeint sind hier Onlineplattformen wie Temu und Shein, die laut HDE im Jahr fünf Milliarden Umsatz hierzulande machen und von denen aktuell laut HDE täglich 400.000 Pakete in Deutschland ankommen. HDE-Präsident von Preen sagte, 80 bis 90 Prozent der Produkte "dürften hier gar nicht verkauft werden", etwa weil sie unsicher, gefährlich oder falsch deklariert seien. Die Schritte der EU gegen diese Plattformen wie die ab Juli geplante Paketgebühr seien richtig, "reichen aber nicht aus". Die EU müsse "auch mal klare Kante beweisen: Es muss auch möglich sein, eine Plattform abzuschalten".

E.Leuenberger--NZN