Zürcher Nachrichten - Bundesweite Streiks im Nahverkehr: Busse, U- und Straßenbahnen bleiben im Depot

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Bundesweite Streiks im Nahverkehr: Busse, U- und Straßenbahnen bleiben im Depot
Bundesweite Streiks im Nahverkehr: Busse, U- und Straßenbahnen bleiben im Depot / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Bundesweite Streiks im Nahverkehr: Busse, U- und Straßenbahnen bleiben im Depot

Millionen Menschen waren betroffen: Streiks haben am Montag bundesweit den öffentlichen Nahverkehr lahmgelegt. Mit Beginn der Frühschicht um 03.00 Uhr legten Beschäftigte von kommunalen Verkehrsbetrieben vielerorts die Arbeit nieder. Aufgerufen zum Streik hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Regional- und S-Bahnen der Deutschen Bahn fuhren wie gewohnt.

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Mit den Streiks will Verdi in der aktuellen Tarifrunde für knapp 100.000 Beschäftigte in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben Druck auf die Arbeitgeber machen. "Wenn wir nicht für bessere Arbeitsbedingungen streiken, werden die Jobs so unattraktiv bleiben, wie wir das in den letzten Jahren erlebt haben", sagte Andreas Schackert, bei Verdi für den Bereich Busse und Bahnen zuständig, im ZDF. Und wenn nicht genügend Menschen dazu bereit seien, den ÖPNV zu gewährleisten, "dann gibt es auch keinen".

In den seit November laufenden Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi deutlich bessere Arbeitsbedingungen, etwa durch Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Schichtzeiten, Verlängerung der Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.

Nur in Niedersachsen gilt nach Verdi-Angaben aktuell noch die Friedenspflicht für etwa 5000 Beschäftigte. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Die Arbeitgeber kritisieren die Streiks als unverhältnismäßig.

Verdi-Vertreter Schackert sagte im ZDF-"Morgenmagazin", gerade die Belastung durch Schichtarbeit mache den Fahrdienst unattraktiv. Das sei der Grund, warum es nach der Gastronomie einer der unattraktivsten Tätigkeitsbereiche sei. "Wenn wir die Belastung nicht attraktiver machen und die Jobs, dann werden wir auf Dauer die Menschen, die wir da jetzt suchen und finden, auch nicht halten können."

In Berlin fuhren trotz des Streiks einige Straßenbahnen - Fahrgäste beförderten die Bahnen allerdings nicht, die Türen blieben zu. Die regelmäßigen Fahrten sollen dafür sorgen, dass die Oberleitungen in der Hauptstadt eisfrei bleiben. Sie waren zuvor in tagelanger Arbeit enteist worden. Damit steige "die Chance, dass der Trambetrieb nach Streikende am Dienstagmorgen ohne größere Einschränkungen für die Fahrgäste wieder hochgefahren werden kann", erklärten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Die Verkehrsbetriebe kritisierten den Streik am Montag als "unverhältnismäßige Eskalation in den gerade erst begonnenen Tarifverhandlungen". Die BVG rief Verdi auf, "gemeinsam am Verhandlungstisch nach realistischen Lösungen zu suchen".

Der Verdi-Verhandlungsführer für die Tarifrunde bei der BVG, Serat Canyurt, kritisierte, vom Arbeitgeber sei bis zur ersten Verhandlungsrunde im Januar "nichts" gekommen. Verdi in Berlin erwarte nun bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 18 Februar "Antworten und Reaktionen auf unsere Forderungen".

Der Berliner Busfahrer Ekkehard Spiegel sprach bei einer Pressekonferenz der Linkspartei von einer sehr guten Beteiligung am Warnstreik. Die Stimmung sei "ausgesprochen kämpferisch". Linken-Chefin Ines Schwerdtner sagte, "der Streik ist richtig, die Probleme sind politisch, sie sind hausgemacht".

I.Widmer--NZN