Zürcher Nachrichten - Ataman: Gut 13 Prozent der Menschen in Deutschland mit Diskriminierungserfahrung

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Ataman: Gut 13 Prozent der Menschen in Deutschland mit Diskriminierungserfahrung
Ataman: Gut 13 Prozent der Menschen in Deutschland mit Diskriminierungserfahrung / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Ataman: Gut 13 Prozent der Menschen in Deutschland mit Diskriminierungserfahrung

Mehr als 13 Prozent oder neun Millionen Menschen in Deutschland haben Erfahrung mit Diskriminierung im Alltag und im Arbeitsleben. Das ergab eine Sonderauswertung von Daten aus dem Sozio-Ökonomischen Panel (SOEP), welche die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, vorstellte. Besonders betroffen seien Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte, Menschen mit Behinderungen und Frauen, erklärte sie. Ataman warnte, dieses Ausmaß an Diskriminierung gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Das SOEP ist eine Langzeitstudie, für die jährlich rund 30.000 Menschen befragt werden. Im Jahr 2023 wurden auch Daten zu Diskriminierung erhoben und Fragen zu subjektiven Erfahrungen aufgenommen, die sich auf den Zeitraum der vergangenen zwölf Monate beziehen. Ausgewertet wurden sie nun im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Diese gibt zu bedenken, dass der berichtete Erfahrungszeitraum auch die Corona-Zeit mit all ihren Einschränkungen umfasst.

Wie Ataman ausführte, berichteten 13,1 Prozent der Befragten, dass sie in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einmal in einem der abgefragten Lebensbereiche Diskriminierung erlebten. Umgerechnet auf die erwachsene Bevölkerung entspreche das rund neun Millionen Menschen.

Entsprechende subjektive Erfahrungen machten die Betroffenen vor allem beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen (40,7 Prozent) sowie in den Bereichen Arbeitsleben (39,2 Prozent), Gesundheit und Pflege (20,3 Prozent) und auf dem Wohnungsmarkt (11,4 Prozent). Bei den in ihren Augen verantwortlichen Akteuren berichteten 19,5 Prozent der betroffenen Befragten von Diskriminierungserfahrungen durch Ämter, Behörden und Polizei, 11,3 Prozent benannten die Schule als Bereich.

Danach befragt, welche Diskriminierungsmerkmale eine Rolle spielten, gaben 41,9 Prozent die ethnische Herkunft beziehungsweise rassistische Gründe an, 23,8 Prozent das Geschlecht oder die Geschlechtsidentität und 18 Prozent ihre Religion. Auch das Alter und eine Behinderung spielten eine größere Rolle. Befragt wurden 5404 Menschen, dabei handelt es sich um die Betroffenen mit entsprechenden Diskriminierungserfahrungen.

"Diskriminierung ist keine Randerscheinung, sondern ein Kernproblem", mahnte Ataman. "Das Ausmaß an Diskriminierung ist eine Belastungsprobe für unser Land." Die hohen Werte für Diskriminierung am Arbeitsmarkt und beim Zugang zu Dienstleistungen und Gütern hätten auch erhebliche wirtschaftliche Folgen, "dafür brauchen wir Lösungen".

Ataman forderte, die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zügig umzusetzen. Außerdem bräuchten Betroffene mehr Unterstützung: Viele Menschen machten Diskriminierung mit sich allein aus, auch weil es zu wenig Beratung gebe und die Rechtslage oft nicht bekannt sei.

P.Gashi--NZN