Zürcher Nachrichten - Leben Retten und globale Gesundheitskrise bekämpfen: Internationales Expert:innen-Panel fordert Paradigmenwechsel in Medizin, Bildung und Gesundheitswesen

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Leben Retten und globale Gesundheitskrise bekämpfen: Internationales Expert:innen-Panel fordert Paradigmenwechsel in Medizin, Bildung und Gesundheitswesen
Leben Retten und globale Gesundheitskrise bekämpfen: Internationales Expert:innen-Panel fordert Paradigmenwechsel in Medizin, Bildung und Gesundheitswesen

Leben Retten und globale Gesundheitskrise bekämpfen: Internationales Expert:innen-Panel fordert Paradigmenwechsel in Medizin, Bildung und Gesundheitswesen

Ein globales Konsortium aus 64 Expert:innen (72 Einrichtungen, 5 Kontinente) hat 2 aufeinander abgestimmte Konsens- und Policy-Brief Reports veröffentlicht, welche einen wissenschaftlich-fundierten Fahrplan vorlegen, um die eskalierende Gesundheitskrise zu bekämpfen und die wachsende Belastung durch Zivilisationserkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes usw.; 75 % aller weltweiten Todesfälle; 82 % in Ländern mit niedrigem/mittlerem Einkommen; 90 % aller Todesfälle in der europäischen Region) einzudämmen.

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Im Mittelpunkt steht die duale Verknüpfung von gesunder Ernährung & aktivem Lebensstil: HEAL-Healthy Eating & Active Living, idealerweise vollwertige, überwiegend pflanzliche (vegetarisch/veganer) Ernährungsweisen und tägliche Bewegung im Freien (inkl. aktiver Mobilität)-als Mindestempfehlung im Alltag und routinemäßiger Standard in Gesundheit und Medizin.

Die Studien-Autor:Innen fordern rasches Handeln und unmittelbare Umsetzung: Prävention vor Behandlung von Zivilisationserkrankungen sowie eine Reform von Ausbildung und human-relevanter Wissenschaft (Wirkstoff-Fehlerquote aus Tierversuchen: 90-95 %, bei Alzheimer bis zu 99,6 %), verbunden mit einem Wandel weg von krankheitsfokussiert-reaktiver Praxis hin zu einer personenzentriert-proaktiven Gesundheitswesen, mit Lebensstil an erster Stelle.

Grafik 1. HEAL- die Entscheidung für vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung kombiniert mit täglich Bewegung Outdoor, um den Start in ein gesünderes Leben zu ermöglichen. Credit: iStock/LightFieldStudios.

„Nachhaltige Gesundheit ist zwar kostenlos, lässt sich aber weder herunterladen noch verordnen-sie muss täglich gelebt und durch funiderte und bewusste Lebensentscheidungen erworben werden. Da in der Kindheit verankerte Gesundheitskompetenzen ein Leben lang wirken, ist die Verankerung von HEAL als Startspunkt auf allen Bildungsebenen von Primar-, Sekundar-, bis Tertiäre Bildung die gesundheitspolitische Priorität unserer Generation." -Studienkoordinatorin Katharina Wirnitzer | PH Tirol,Universität Innsbruck,CCCTIM, Charité Universitätsmedizin Berlin

„Evidenzbasiert sind Bewegung und Ernährung zentrale Präventionsmaßnahmen zur nachhaltigen Förderung von Gesundheit, die in allen Bildungseinrichtungen-insbesondere schulische Sport- und Bewegungserziehung mit umfassenden Möglichkeiten-dual vermittelt werden sollten."

-Clemens Drenowatz | PH Oberösterreich; Gerhard Ruedl & Werner Kirschner, Universität Innsbruck

Foto 2. Katharina Wirnitzer/Keynote zu Veganer Ernährung im Sport. Credit: ©Katharina Wirnitzer.

Paradigmenwechsel zwingend notwendig.

  • Das Paradoxon: Trotz wissenschaftlichem Fortschritte und ständig-steigender Gesundheitsausgaben steigen Zivilisationserkrankungen weiter an und Verbesserungen in der Gesundheit der Bevölkerung bleiben unenthusiastisch. Das Expertengremium legt einen kooridinierten Fahrplan aus 101 konsensualen Statements mit 10‑Punkte-Plan für Politik/Entscheidungsträger mit konkreten Maßnahmen zum Handeln-von individuellem Verhalten bis hin zu Veränderungen auf Bevölkerungsebene.

  • Power of Lifestyle-Warum HEAL, jetzt: HEAL kombiniert vollwertige, überwiegend-pflanzliche Ernährung (vorzugsweise vegetarisch/vegan) mit Active Living (idealerweise tägliche Bewegung/Sport Outdoor inkl. aktiver Mobilität). Wissenschaftliche Belege unterstreichen synergistische Effekte, welche über die Wirksamkeit der Einzel-Komponenten hinausgehen, den Bedarf und die Notwendigkeit von Medikamenten und chirurgischen Eingriffen reduziert, und Resilienz sowie Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme verbessert.

  • Prävention an 1. Stelle (3:1): Die Konsensus-Reports empfehlen Prävention, Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung gegenüber Therapie im 3:1-Verhältnis zu priorisieren (Grafik 3), als Erst-Maßnahme gesunde zu einfachen Entscheidungen zu machen, und medizinische Behandlung für spezifische Situationen vorzubehalten.

  • Bildung und Fachkräfte in Gesundheit und Bildung: HEAL grundlegend von Primar- bis zur Tertiärbildung curricular verankern sowie Gesundheits- und Bildungs-Personal kontinuierlich weiterqualifizieren, um evidenzbasierte Lebensstilberatung und routinemäßiges Monitoring zu gewährleisten; darüberhinaus Verpflegungsstandards öffentlicher Einrichtungen verbessern und aktive Mobilität in Schulen und öffentlichen Räumen fördern.

  • Human‑relevante Wissenschaft und Forschung: Den raschen Übergang zu tierversuchsfreien, human-relevanten Methoden für die Grundlagen- und präklinische Forschung sowie für Wirksamkeits-, Sicherheits- und Toxizitätstests durch Förderprioritäten, Validierung und regulatorische Anerkennung beschleunigen.

  • Policy roadmap: Anwendung von Health in All Policies (HiAP), um individuelle Entscheidungen mit system-relevanten Strukturen zu unterstützen und zu verknüpfen (Grafik 4); Investitionen in gesundheitsförderliche Staats-Strukturen (öffentliche Verpflegung, aktive Mobilität, Gestaltung öffentlicher Räume, kommunale HEAL-Gesundheitsprogramme); HEAL verbindlich in Lehrplänen verankern; und Ergebnisse mit robuster Evaluation überprüfen, um wirksame Ansätze zu skalieren.

"Jeder Euro, der in evidenzbasierte Prävention investiert wird, spart ein Vielfaches in Diagnostik und Therapie. HEAL ist eine kluge und weitsichtige Investition für ein nachhaltiges Gesundheitssystem." -Bernd Haditsch | ÖGK - Österreichische Gesundheitskasse, Gesundheitszentrum für Vorsorgeuntersuchungen Graz

„Wer Zivilisationskrankheiten wirksam stoppen und ernsthaft bekämpfen will, muss bei Kindern beginnen. Dafür braucht es evidenzbasierte Leitlinien für Familien, Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen, sowie verbindliche Ernährungs- und Gesundheitsbildung in Schulen und der medizinischen Ausbildung. Eine gut geplante pflanzliche Ernährung ist sicher und der stärkster Hebel bzgl. aktiver Gesundheitsförderung und Prävention."

-Simon Straub | tirol kliniken

"Gesundheitskompetenz entsteht nicht zufällig - sie muss systematisch gelernt und gelebt werden. Wenn wir Ernährung und Bewegung nicht verbindlich im Bildungssystem und Alltag verankern, und gleichzeitig gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen schaffen, verpassen wir einen der wirksamsten Hebel für die Gesundheit der Bevölkerung." -Manuel Schätzer | SIPCAN

Grafik 3. Vier Handlungsfelder für lebenslange Gesundheit in einer 3:1-Balance. Credit: ©Katharina Wirnitzer.

„Angesichts ihrer Kosteneffizienz werden Traditionelle, Integrative und Komplementär-Medizin den evidenzbasierten Standard der globalen Gesundheitsversorgung von morgen bilden." -Tomáš Pfeiffer | ITCIM

„Allein durch Behandlung lassen sich Gesundheitssysteme nicht nachhaltig aufrechterhalten. HEAL verknüpft Prävention, Lebensstilmedizin und integrative Versorgung und Pflege, um Salutogenese im planetaren Maßstab voranzubringen. Wir müssen wesentlich mehr in die Entstehung von Gesundheit investieren." -Georg Seifert | WHO CC&CCCTIM, Charité Universitätsmedizin Berlin, Thomas Rosemann | UZH, Institut für Hausarztmedizin

„Angesichts der Komplexität der menschlichen Gesundheit und der Tatsache, dass Tierversuche bei der Heilung menschlicher Krankheiten versagen, übertreffen human-relevante Methoden Tierversuche bereits jetzt und müssen daher in Wissenschaft vorrangig umgesetzt werden, wobei Fördergelder in human-zentrierte Forschung fließen sollten. Bürger:innen in der EU und den USA sprechen sich klar für diesen Übergang aus.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen eindeutig: Menschliche Gesundheit verbunden mit Tierschutz ist eine Win-win-Situation. HEAL bedeutet: Krankheiten vermeiden-Tierversuche beenden."

-Doris Wilflingseder | Vetmed Uni Wien, Merel Ritskes-Hoitinga | Universitäten Aarhus & Utrecht,

Corina Gericke & Gaby Neumann | Ärzte gegen Tierversuche, Aysha Akhtar | CCS

Grafik 4. Systematische Anwendung von HEAL zur Verbesserung von persönlicher und öffentlicher Gesundheit auf Mikro-, Mesoebene (z. B. Gemeinden) und Makroebene für optimale vertikale und horizontale Durchlässigkeit. Credit: ©Katharina Wirnitzer.

Zentrale Sofort-Maßnahmen.

  • HEAL als Mindestempfehlung und Startpunkt in der Primär-Prävention etablieren.

  • Lebensstilbezogene Gesundheits-Beratung vor routinemäßigen Verordnung von Medikamenten als Erstmaßnahme verankern.

  • Priorität von Prävention gegenüber Behandlung von Erkrankungen im Verhältnis 3:1.

  • Lebensstil-Bildung an Schulen verpflichtend machen; HEAL in gesundheitsrelevanten tertiären Studiengängen verankern.

  • Fachkräfte in Medizin, Gesundheit und Bildung kontinuierlich für evidenzbasierte Lebensstil-Beratung/-Monitoring weiterqualifizieren.

  • Beschleunigung der Einführung human-relevanter Methoden zur Ablösung von Tierversuchen in Forschung, Lehre und regulatorischer Prüfung zu beenden.

Grafik 5. Power of Lifestyle: Starte mit HEAL im Rahmen der 6 verknüpften Lebensstilbereiche um Gesundheit und Wohlbefinden zu verbrsssern. Credit: ©ACLM. Grafisch modifiziert: ©Katharina Wirnitzer (Genehmigung: 24.11.2021).

Rückfragenhinweis

Katharina C. Wirnitzer-Professur für Sports Public Health, insbes. Child Public Health
Email: katharina@wirnitzer. at | Mobil: +43 (650) 5901794
Pädagogische Hochschule Tirol (PH Tirol), Innsbruck, Österreich

SOURCE: Institut für Sekundarpädagogik

F.Carpenteri--NZN