Zürcher Nachrichten - Tod einer "Jahrhundert-Legende": Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben

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Tod einer "Jahrhundert-Legende": Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben
Tod einer "Jahrhundert-Legende": Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben / Foto: Vincent AMALVY - AFP/Archiv

Tod einer "Jahrhundert-Legende": Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben

Leinwandgöttin, Sexsymbol, Tierschützerin: Die französische Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot. Die auch unter ihren Initialen "B.B." weltbekannte Schauspielerin starb am Sonntag im Alter von 91 Jahren, wie ihre Stiftung mitteilte. Mit sinnlichen Rollen in Filmen wie "Und immer lockt das Weib" und "Die Verachtung" war Bardot in den 50er und 60er Jahren zu Weltruhm gelangt. Zuletzt hatte sie zurückgezogen in Südfrankreich gelebt und geriet wegen rassistischer Äußerungen mehrfach in die Kritik.

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"Die Stiftung Brigitte Bardot gibt mit unsäglicher Trauer den Tod ihrer Gründerin und Präsidentin, Madame Brigitte Bardot, bekannt", hieß es in einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AFP. Bardot sei eine "weltweit anerkannte Schauspielerin und Sängerin" gewesen, "die sich entschieden hat, ihre glanzvolle Karriere aufzugeben, um ihr Leben und ihre Energie der Verteidigung der Tiere und ihrer Stiftung zu widmen".

Wie die Stiftung weiter mitteilte, starb Bardot am Sonntag auf ihrem Anwesen La Madrague im südfranzösischen Saint-Tropez. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron erklärte im Onlinedienst X: "Wir weinen um eine Jahrhundert-Legende." Bardot habe mit ihren Filmen und ihrer "großzügigen Leidenschaft für Tiere" für "ein Leben in Freiheit" gestanden und die Franzosen "berührt".

Bardot wurde 1934 in Paris als Tochter eines Fabrikbesitzers geboren und wuchs in einem gutbürgerlichen katholischen Elternhaus auf. Ende der 1940er Jahre lernte sie den Filmregisseur Roger Vadim kennen. In dem Film "Und immer lockt das Weib" von 1956 schrieb er ihr die Rolle einer jungen Frau, die selbstbewusst und ohne Schuldgefühle ihre sexuellen Bedürfnisse auslebt, auf den Leib.

Die erotischen Szenen des Films sorgten international für Aufsehen, in den USA fielen zahlreiche Einstellungen der Zensur zum Opfer. Bardot wurde fortan weltweit als Sexsymbol gefeiert, später galt sie auch als Wegbereiterin eines neuen, selbstbewussteren Frauenbildes. Durch die Heirat mit Vadim kurz nach ihrem 18. Geburtstag war Bardot der Enge ihres Pariser Elternhauses entflohen. Vadim hatte schon früh erkannt, dass Brigitte, die eine solide Tanzausbildung genossen hatte und schon als Jugendliche mit dem Modeln begann, das Zeug zum Star hatte.

Bardot machte dutzende Filme, die meisten waren weder besonders anspruchsvoll noch kommerzielle Erfolge. Sie arbeitete aber auch mit angesehenen Regisseuren wie Jean-Luc Godard und Louis Malle zusammen. Bis Anfang der 70er Jahre spielte sie in mehr als 50 Filmen mit. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören "Die Wahrheit" von 1960 oder "Die Verachtung" von 1963, in dem sie in einer damals für Furore sorgenden Szene nackt im Bett liegend ihren Liebhaber zu ihren Körperpartien befragt.

Auch ihr Privatleben trug zu Bardots Ruf als "femme fatale" bei. Sie hatte Affären etwa mit dem Sänger Serge Gainsbourg, zu ihren vier Ehemännern zählte der deutsche Playboy und Industrieerbe Gunther Sachs. Zuvor überließ sie ihrem zweiten Mann, dem Schauspieler Jacques Charrier, die Erziehung des gemeinsamen Sohnes Nicolas. In vierter Ehe war sie mit dem französischen Geschäftsmann Bernard d'Ormale verheiratet, einem ehemaligen Berater des rechtsextremen Politikers Jean-Marie Le Pen. Auch unter seinem Einfluss driftete Bardot politisch zunehmend nach Rechtsaußen ab.

In ihren 1996 veröffentlichten Memoiren mit dem Titel "Initiales B.B." ("B.B.-Memoiren") rechnete Bardot mit ihren verflossenen Liebhabern und Ehemännern ab. Nach einer Klage ihres Ex-Mannes Charrier und ihres Sohnes Nicolas gegen bestimmte Buchpassagen wurde sie zur Zahlung eines Schmerzensgeldes verurteilt.

1973 gab Bardot ihre Schauspielkarriere komplett auf und widmete ihr Leben fortan bedrohten Tieren aller Art. Sie gründete dazu ihre Stiftung, für die sie Teile ihres Schmucks und ihres Besitzes versteigerte. "Ich habe meine Jugend und meine Schönheit den Männern gegeben. Nun gebe ich meine Weisheit und meine Erfahrung den Tieren", sagte sie einmal.

Bardot nahm nicht nur herrenlose Hunde und Katzen bei sich auf, sondern kämpfte auch gegen Jäger, die Pelz- und Schlachtindustrie, das Totprügeln von Seehundbabys und das Wildern von Elefanten. Zudem richtete sie mehrere Heime für ausgesetzte und misshandelte Tiere ein. Die Tierschutzorganisation Peta würdigte Bardot als einen "Engel für die Tiere". "Von ihren in Saint-Tropez geretteten Tauben bis zu ihren geliebten Hunden - Brigitte wird Peta fehlen", erklärte Organisationsgründerin Ingrid Newkirk.

In den vergangenen Jahren wetterte Bardot gegen eine angebliche "Islamisierung" oder "ausländische Überbevölkerung" in Frankreich durch muslimische Einwanderer. Über die Rechtspopulistin und Fraktionschefin des Rassemblement National (RN), Marine Le Pen, äußerte sie sich lobend: "Ich mag Marine Le Pen sehr. Sie ist die einzige Frau, (...) die Eier hat." Wegen rassistischer Äußerungen wurde Bardot mehrfach zu Geldstrafen verurteilt.

In ihrem letzten Buch, das wenige Wochen vor ihrem Tod veröffentlicht wurde, hielt Bardot fest, dass sie keine "Menge Idioten" bei ihrer Beerdigung dabei haben wolle. Sie wollte demnach in ihrem Garten beigesetzt werden, mit einem schlichten Holzkreuz auf dem Grab, wie es auch ihre verstorbenen Tiere bekamen.

M.J.Baumann--NZN