Trotz ihres enormen Gewichts von oft über 50 Tonnen können moderne Kampfpanzer auf befestigten Straßen überraschend hohe Geschwindigkeiten erreichen. Während der chinesische Type 99A mit 80 km/h die Spitze bildet, liegen andere Hauptkampfwagen wie der französische Leclerc oder südkoreanische K2 bei rund 70 km/h. Die tatsächliche Leistung hängt dabei weniger von der Motorstärke allein ab, sondern vor allem vom Verhältnis von Leistung zu Gewicht und der Konstruktion des Fahrwerks.
Moderne Kampfpanzer wiegen zwischen 40 und mehr als 70 Tonnen. Trotzdem erreichen einige Modelle Geschwindigkeiten, die man solchen Fahrzeugen kaum zutrauen würde.
Dafür sorgen Motoren mit bis zu 1.500 PS, leistungsfähige Getriebe und aufwendige Fahrwerke. Doch die höchste Motorleistung bedeutet nicht automatisch auch die höchste Geschwindigkeit.
Wie schnell ein Kampfpanzer tatsächlich fahren kann, hängt neben der Motorleistung vom Gewicht, der Kraftübertragung und der Konstruktion des Fahrwerks ab. Dabei unterscheiden sich die Fahrzeuge erheblich. Während einige Hersteller auf Dieselmotoren setzen, verwenden andere Gasturbinen. Auch die Panzerung und zusätzliche Schutzausrüstung beeinflussen die Fahrleistungen.
Für die Rangliste haben wir ausschließlich Kampfpanzer berücksichtigt. Radpanzer, Schützenpanzer und Spähfahrzeuge bleiben außen vor. Grundlage sind die veröffentlichten Höchstgeschwindigkeiten auf Straßen beziehungsweise befestigtem Untergrund. Bei Fahrzeugfamilien mit unterschiedlichen Ausführungen werden einzelne Varianten berücksichtigt.
Die technischen Angaben stammen aus Herstellerunterlagen, Veröffentlichungen der Streitkräfte und weiteren öffentlich zugänglichen Fahrzeugdaten. Zudem können sich Gewicht und Höchstgeschwindigkeit je nach Panzerung, Ausstattung und Modernisierungsstand unterscheiden.
Type 99A (China): Der chinesische Kampfpanzer soll mit seinem 1.500 PS starken Dieselmotor bis zu 80 km/h erreichen. Bei einem Gefechtsgewicht von rund 55 Tonnen kommt er auf ein Leistungsgewicht von 27,3 PS pro Tonne. Der Type 99A ist mit einer 125-mm-Glattrohrkanone samt Ladeautomat ausgerüstet. Zur Ausstattung gehören eine Verbundpanzerung mit zusätzlichen reaktiven Schutzelementen sowie moderne Ziel- und Feuerleitsysteme. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit ist nicht unabhängig bestätigt.
Leclerc (Frankreich): Der französische Kampfpanzer erreicht mit seinem 1.500 PS starken V8-Dieselmotor bis zu 72 km/h. Er wiegt je nach Ausführung rund 56 bis 57 Tonnen. Seine 120-mm-Glattrohrkanone wird von einem Ladeautomaten versorgt, sodass die Besatzung nur aus drei Soldaten besteht. Der Leclerc verfügt über eine hydropneumatische Federung und eine Hyperbar-Motoraufladung, die bereits bei niedrigen Drehzahlen ein hohes Drehmoment ermöglicht.
K2 Black Panther (Südkorea): Der K2 erreicht mit 1.500 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und wiegt rund 56 Tonnen. Sein hydropneumatisches Fahrwerk kann die Wanne anheben, absenken und neigen. Der Kampfpanzer besitzt eine 120-mm-Glattrohrkanone mit Ladeautomat und ist für eine dreiköpfige Besatzung ausgelegt. Zur weiteren Ausstattung gehören ein modernes Feuerleitsystem mit automatischer Zielverfolgung und Sensoren zur Erfassung von Wärmequellen.
Type 10 (Japan): Der japanische Kampfpanzer erreicht mit seinem 1.200 PS starken Dieselmotor ebenfalls 70 km/h. Mit rund 44 Tonnen ist er deutlich leichter als viele westliche Kampfpanzer. Er verfügt über ein stufenloses Getriebe, eine hydropneumatische Federung und eine 120-mm-Glattrohrkanone mit Ladeautomat. Ein digitales Führungs- und Informationssystem ermöglicht den Datenaustausch mit anderen Fahrzeugen und militärischen Einheiten.
T-80BVM (Russland): Der russische Kampfpanzer erreicht mit seiner rund 1.250 PS starken Gasturbine nach veröffentlichten Angaben bis zu 70 km/h. Sein Gefechtsgewicht liegt bei etwa 46 Tonnen. Er ist mit einer 125-mm-Glattrohrkanone samt Ladeautomat ausgestattet, die neben konventioneller Munition auch gelenkte Flugkörper verschießen kann. Die modernisierte Ausführung verfügt über eine verbesserte Feuerleitanlage, Wärmebildtechnik und zusätzliche Reaktivpanzerung des Typs Relikt.
Die Motorleistung allein entscheidet nicht über die Geschwindigkeit. Ein Kampfpanzer mit 1.500 PS und 55 Tonnen Gewicht verfügt rechnerisch über 27,3 PS pro Tonne. Steigt das Gewicht bei unveränderter Motorleistung auf 70 Tonnen, sinkt dieser Wert auf 21,4 PS pro Tonne.
Das Leistungsgewicht lässt sich auch wie bei Sportwagen in PS pro Kilogramm angeben. Ein 55 Tonnen schwerer Kampfpanzer mit 1.500 PS erreicht 0,0273 PS/kg. Ein Sportwagen mit 600 PS und 1.500 Kilogramm kommt dagegen auf 0,4 PS/kg. Damit steht dem Sportwagen pro Kilogramm fast die 15-fache Motorleistung zur Verfügung.
Allerdings lässt sich daraus nicht unmittelbar die Beschleunigung ableiten. Ein Kampfpanzer benötigt eine Kraftübertragung, die hohe Drehmomente bewältigt und gleichzeitig die Belastungen beim Fahren im Gelände verkraftet. Dazu kommen die Übersetzung des Getriebes, die Haftung der Ketten und die konstruktiv zulässige Geschwindigkeit des Laufwerks.
Bei höheren Geschwindigkeiten steigen die Belastungen der Laufrollen, Federung und Ketten erheblich. Die Kettenglieder werden beim Umlauf ständig beschleunigt, abgebremst und umgelenkt. Gleichzeitig müssen die Laufrollen Unebenheiten aufnehmen. Besonders auf hartem Untergrund können Vibrationen und Stoßbelastungen die zulässige Fahrgeschwindigkeit begrenzen.
Moderne Kampfpanzer verwenden deshalb aufwendige Fahrwerke. Während der Leopard 2 mit einer Drehstabfederung ausgestattet ist, besitzen K2 und Type 10 hydropneumatische Systeme. Diese ermöglichen eine gezielte Anpassung der Federung und teilweise auch der Fahrzeughöhe. Das kann die Beweglichkeit auf unebenem Untergrund verbessern, erhöht aber die technische Komplexität.
Auch die Bremsanlage muss auf das hohe Gewicht ausgelegt sein. Ein 60 Tonnen schwerer Kampfpanzer besitzt bei 70 km/h eine Bewegungsenergie von rund 11,3 Megajoule. Das entspricht etwa 3,2 Kilowattstunden. Beim Abbremsen muss diese Energie überwiegend in Wärme umgewandelt werden. Bei wiederholten starken Bremsvorgängen werden die Bremsen entsprechend belastet.
Die veröffentlichten Höchstgeschwindigkeiten gelten überwiegend für befestigte Straßen oder geeignete Fahrwege. Im Gelände sind die Unterschiede teilweise erheblich. Hyundai Rotem nennt für den K2 beispielsweise 50 km/h abseits befestigter Straßen. Beim britischen Challenger 2 gibt die British Army 40 km/h an.
Die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit hängt vor allem vom Untergrund ab. Auf weichem Boden können die Ketten einsinken, während Steigungen und Hindernisse zusätzliche Antriebsleistung erfordern. Bei Querfahrten an Hängen oder beim Überwinden größerer Bodenwellen muss der Fahrer das Tempo ebenfalls reduzieren.
Hinzu kommt das Gewicht der Zusatzausrüstung. Der Challenger 2 wiegt in seiner Grundausführung rund 62,5 Tonnen, kann mit zusätzlichen Schutzmodulen aber bis zu 75 Tonnen erreichen. Bei unveränderter Motorleistung sinkt sein Leistungsgewicht dadurch von 19,2 auf 16 PS pro Tonne. Für die Fahrleistungen ist deshalb auch entscheidend, in welcher Konfiguration ein Kampfpanzer eingesetzt wird.
N.Zaugg--NZN