Zürcher Nachrichten - Heftige Kämpfe und Verhandlungen im Ukraine-Krieg

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Heftige Kämpfe und Verhandlungen im Ukraine-Krieg
Heftige Kämpfe und Verhandlungen im Ukraine-Krieg

Heftige Kämpfe und Verhandlungen im Ukraine-Krieg

In der Ukraine setzen die russischen Streitkräfte ungeachtet von anstehenden neuen Verhandlungen ihre heftigen Angriffe und Blockaden wichtiger Städte fort. Inmitten der Gefechte wollen die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien in das nahezu eingekesselte Kiew reisen, wo bei Angriffen auf Wohngebiete am Dienstagmorgen nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet wurden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sah dennoch Fortschritte bei Verhandlungen mit Russland.

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Am frühen Morgen wurde Kiew nach Angaben von AFP-Journalisten von einer Reihe heftiger Explosionen erschüttert. Einer der Angriffe habe ein 16-stöckiges Wohnhaus im Stadtteil Swjatoschyn getroffen, erklärte der ukrainische Rettungsdienst. "Es wurden zwei Leichen geborgen, 27 Menschen wurden gerettet."

Im Stadtteil Podil löste ein Angriff einen Brand in einem mehrstöckigen Wohngebäude aus. Ein AFP-Journalist berichtete von schwerer Zerstörung. Nach Angaben des Rettungsdienstes wurde auch im Viertel Osokorky ein Wohnhaus getroffen. Bürgermeister Vitali Klitschko kündigte ab Dienstagabend eine 36-stündige Ausgangssperre an.

Die russische Armee versucht derzeit, Kiew einzukesseln. In der Stadt befindet sich noch rund die Hälfte der einst drei Millionen Einwohner. Sie können die Stadt nur noch in Richtung Süden verlassen. Dennoch machten sich die Regierungschefs Polens, Tschechiens und Sloweniens auf ins Kriegsgebiet. Der Zug, der Mateusz Morawiecki, Petr Fiala und Janez Jansa nach Kiew bringen soll, habe am Morgen die Grenze überquert, sagte ein polnischer Regierungsvertreter.

In der ukrainischen Hauptstadt ist nach polnischen Angaben ein Treffen mit Präsident Selenskyj und Regierungschef Denys Schmyhal geplant. "Ziel des Besuchs ist es, die unmissverständliche Unterstützung der gesamten Europäischen Union für die Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine zu bekräftigen" und ein Hilfspaket vorzustellen. Demnach ist die Reise mit EU-Ratspräsident Charles Michel und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen abgesprochen.

Selenskyj verspricht sich zudem von einer neuen Verhandlungsrunde mit Russland im Laufe des Dienstags Fortschritte. Moskau habe "bereits begonnen zu verstehen, dass es mit Krieg nichts erreichen wird", sagte er in einer Videobotschaft. Die jüngste Verhandlungsrunde am Montag bewertete er positiv. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte bereits am Freitag von "positiven Fortschritten" bei den laufenden Verhandlungen gesprochen.

Auch in anderen Landesteilen der Ukraine setzte Russland seinen Angriffskrieg derweil fort. Bei einem Luftangriff im östlichen Charkiw wurden nach ukrainischen Angaben am Montag zwei Menschen getötet. In Tschuschujew südöstlich der Stadt wurde demnach außerdem ein 15-Jähriger bei einem Angriff auf eine Jugendeinrichtung getötet. Dem ukrainischen Generalstab zufolge plant Russland verstärkte "Umgruppierungen" seiner Truppen in Richtung Charkiw.

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass es sich die Eroberung der bereits eingekesselten Großstädte vorbehält. In einem solchen Fall werde es aber humanitäre Korridore zum Schutz der Zivilbevölkerung geben, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Präsident Wladimir Putin habe bislang von einem "sofortigen Angriff" auf die Hauptstadt Kiew und andere ukrainische Großstädte abgesehen, "um große zivile Verluste zu vermeiden".

Die Lage in der von russischen Truppen belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten des Landes blieb dramatisch. Ein Konvoi mit humanitären Hilfsgütern, der seit Tagen versucht, die Stadt zu erreichen, wurde nach Angaben der ukrainischen Behörden am Montag erneut von russischen Soldaten in Berdjansk, 85 Kilometer von Mariupol entfernt, blockiert.

Etwa 400.000 Einwohner von Mariupol leben seit fast zwei Wochen ohne Wasser, Strom, Heizung und Nahrung. Seit dem 24. Februar kamen dort laut Angaben der Regierung mindestens 2200 Zivilisten ums Leben. Nachdem lokale Waffenruhen mehrfach gescheitert waren, verließen am Montag erstmals Bewohner in 160 Autos die Stadt über einen Fluchtkorridor.

A.Wyss--NZN