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Sportökonom Wolfgang Maennig (66) fordert für den Fall einer erfolgreichen Olympiabewerbung radikale Maßnahmen im deutschen Sport. "Holen wir die Spiele, werden wir uns für unseren Spitzensport etwas Neues ausdenken müssen, viel konsequenter als bisher", sagt der Ruder-Olympiasieger von 1988 im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).
Maennig hofft, dass Olympische Sommerspiele im eigenen Land den Abwärtstrend der deutschen Athletinnen und Athleten im internationalen Vergleich stoppen. "Gastgeber von Olympischen Spielen haben teilweise ihre Medaillenzahl verdreifacht. Die Olympischen Spiele in den Gastgeberländern haben immer zu massiven Strukturverbesserungen im Leistungssport beigetragen", sagt er.
Programme wie das australische "Go for Gold" oder das kanadische "Own the Podium" seien beispielhaft. Die Maßnahmen würden zwar "nicht allen gefallen", die Ergebnisse wären aber "medaillenträchtig". Das sei "gut für unsere Sportler, aber auch gut für unsere internationale Wahrnehmung".
Maennig erinnert an die Sommerspiele von München 1972. Davor "hatte der Westen Angst, dass die DDR viel erfolgreicher sein würde. Daher wurden beispielsweise die Sporthilfe, die Sportwissenschaften an den Universitäten und die Glücksspirale eingeführt. All das gibt es noch immer", sagt Maennig und setzt auf neue, innovative Ideen zur Sportförderung.
Olympische Spiele in Deutschland hätten aber auch über den Sport hinaus Mehrwert für die Gesellschaft, meint Maennig. "Olympia bringt den notwendigen Handlungsdruck mit sich", sagt er: "2036 oder auch 2040 ist nicht mehr weit weg. Eine erfolgreiche Ausrichtung wird mit unserer bisherigen Herangehensweise an Konzeptionierung, Planung und Durchführung nicht funktionieren. Wir brauchen andere Ideen, und da können wir sicher auch von anderen Ländern lernen, die schneller sind."
Maennig spricht sich für eine "Sonderplanungszone" aus. "Von einem möglichen Aha-Effekt" könne ganz Deutschland profitieren, meint er, denn: "Es fehlt diesem Land eine Vision." Und laut Maennig wäre es gut, "wenn wir ein gemeinsames Projekt hätten, auf das wir hinarbeiten: Von den Bundes- zu den Landesbeamten zu den Sportfunktionären und so weiter, um der Welt ein tolles Ergebnis zu einem bestimmt Zeitpunkt zu präsentieren. Diese Gesellschaft braucht ein konkretes Ziel. Olympia könnte eines sein."
Die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) entscheiden bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September in Baden-Baden über den Bewerber beim IOC. Berlin, München und Köln/Rhein-Ruhr haben Konzepte eingereicht. Der DOSB bewirbt sich beim Internationalen Olympischen Komitee für die Sommerspiele 2036, 2044 oder 2044.
M.Hug--NZN