Zürcher Nachrichten - Chinas Schatten über Mexiko

EUR -
AED 4.190867
AFN 72.464907
ALL 91.47379
AMD 414.14551
ANG 2.043073
AOA 1046.433393
ARS 1727.928599
AUD 1.614312
AWG 2.055494
AZN 1.942945
BAM 1.954744
BBD 2.298069
BDT 140.284245
BGN 1.921057
BHD 0.43017
BIF 3428.678529
BMD 1.141149
BND 1.457925
BOB 13.606771
BRL 5.854552
BSD 1.140989
BTN 109.182997
BWP 15.514466
BYN 3.45475
BYR 22366.515881
BZD 2.294771
CAD 1.607924
CDF 2637.194831
CHF 0.938943
CLF 0.027461
CLP 1084.431702
CNY 7.645469
CNH 7.653479
COP 3663.16743
CRC 517.722694
CUC 1.141149
CUP 30.240442
CVE 110.205971
CZK 24.377209
DJF 203.18206
DKK 7.47574
DOP 67.873348
DZD 152.508008
EGP 58.652194
ERN 17.117232
ETB 186.372074
FJD 2.552982
FKP 0.856464
GBP 0.859405
GEL 2.96125
GGP 0.856464
GHS 13.217978
GIP 0.856464
GMD 83.886531
GNF 10034.62518
GTQ 8.709373
GYD 238.713185
HKD 8.950418
HNL 30.625462
HRK 7.535234
HTG 149.129469
HUF 364.372242
IDR 20342.117964
ILS 3.441132
IMP 0.856464
INR 109.243539
IQD 1494.692852
IRR 1568680.155712
ISK 137.999348
JEP 0.856464
JMD 179.774496
JOD 0.809067
JPY 180.204498
KES 147.561602
KGS 99.793232
KHR 4627.156634
KMF 490.693951
KPW 1027.034255
KRW 1557.691291
KWD 0.352707
KYD 0.950816
KZT 507.378234
LAK 25566.305985
LBP 102176.019411
LKR 375.387287
LRD 196.809062
LSL 18.612612
LTL 3.369515
LVL 0.69027
LYD 7.284098
MAD 10.922198
MDL 20.193591
MGA 5013.314731
MKD 61.486797
MMK 2395.930126
MNT 4105.766045
MOP 9.217136
MRU 45.68573
MUR 54.63789
MVR 17.642388
MWK 1978.448957
MXN 19.896317
MYR 4.655543
MZN 72.909884
NAD 18.612449
NGN 1511.42913
NIO 41.987326
NOK 10.798109
NPR 174.69243
NZD 2.004804
OMR 0.438767
PAB 1.140989
PEN 3.85192
PGK 5.0833
PHP 71.388553
PKR 316.195152
PLN 4.376995
PYG 6762.348271
QAR 4.15969
RON 5.278728
RSD 117.393392
RUB 96.256327
RWF 1683.965211
SAR 4.287031
SBD 9.158875
SCR 15.682748
SDG 686.396852
SEK 11.270122
SGD 1.458708
SHP 0.8531
SLE 28.129524
SLL 23929.309855
SOS 652.050744
SRD 43.066397
STD 23619.475557
STN 24.486884
SVC 9.983652
SYP 14837.21659
SZL 18.608115
THB 37.975721
TJS 10.55989
TMT 3.994021
TND 3.37028
TOP 2.747612
TRY 55.730626
TTD 7.754846
TWD 36.139002
TZS 3018.341943
UAH 51.212893
UGX 4438.622552
USD 1.141149
UYU 45.735703
UZS 13463.847387
VES 971.507078
VND 29681.850067
VUV 135.053105
WST 3.141042
XAF 655.957
XAG 0.017516
XAU 0.000265
XCD 3.084012
XCG 2.056299
XDR 0.806851
XOF 655.957
XPF 119.331742
YER 269.93912
ZAR 18.648082
ZMK 10271.707724
ZMW 22.221195
ZWL 367.449438
SSP 6518.915622
MXV 2.254973
  • MDAX

    -340.7800

    31189.13

    -1.09%

  • SDAX

    -80.1400

    18330.7

    -0.44%

  • DAX

    -181.9700

    25396.88

    -0.72%

  • Euro STOXX 50

    -31.6100

    6293.11

    -0.5%

  • Goldpreis

    -56.2000

    4320.2

    -1.3%

  • TecDAX

    -31.6800

    3999.33

    -0.79%

  • EUR/USD

    -0.0048

    1.1405

    -0.42%


Chinas Schatten über Mexiko




Washington blickt im Kampf gegen die mexikanischen Drogenkartelle längst nicht mehr nur auf die Grenze zu Mexiko. Die entscheidenden Spuren führen heute durch Chemiefabriken, Containerhäfen, Online-Marktplätze, Wechselstuben, Scheinfirmen und digitale Zahlungsnetze bis nach China. Was auf den Straßen amerikanischer Städte als Fentanylkrise sichtbar wird, ist das Endprodukt einer Liefer- und Finanzkette, die drei Wirtschaftsräume miteinander verbindet: Chinesische Hersteller und Vermittler liefern Ausgangsstoffe und Ausrüstung, mexikanische Kartelle produzieren und schmuggeln die Drogen, der amerikanische Markt liefert Nachfrage und Milliardengewinne.

Die zugespitzte These, China halte Mexikos Drogenkartelle am Leben, ist deshalb nicht völlig falsch, aber sie verlangt Präzision. Es gibt keinen öffentlich belegten Nachweis dafür, dass die chinesische Staatsführung das Sinaloa-Kartell oder das Kartell Jalisco Nueva Generación zentral steuert oder ihnen offiziell Schutz gewährt. Sehr wohl dokumentiert ist jedoch ein kriminelles Ökosystem, in dem Unternehmen, Chemikalienhändler, Geldwäscher und Untergrundbanken mit Verbindungen nach China zentrale Dienstleistungen für mexikanische Organisationen erbringen. Ohne diese Versorgung mit chemischen Vorprodukten, Maschinen, Kapital und diskreter Geldverschiebung wären die Kartelle schwächer, langsamer und erheblich teurer zu betreiben.

Ein Krieg, der in Chemiefabriken beginnt
Die Macht der großen mexikanischen Kartelle beruht heute nicht mehr allein auf Kokainrouten, Schlafmohnfeldern oder bewaffneten Konvois. Synthetische Drogen haben das Geschäftsmodell grundlegend verändert. Fentanyl und Methamphetamin benötigen keine landwirtschaftlichen Anbauflächen, keine Erntezyklen und keine riesigen Plantagen. Entscheidend sind Rezepturen, kontrollierte oder noch nicht kontrollierte Chemikalien, Pillenpressen, Mischanlagen und gut abgeschirmte Labore.

Amerikanische Ermittler betrachten China weiterhin als wichtigsten Ausgangspunkt für viele der chemischen Vorprodukte und Produktionsgeräte, die in mexikanischen Laboren eingesetzt werden. Auch Indien spielt als Lieferland eine wachsende Rolle. Die Ware gelangt häufig über reguläre Handelswege nach Mexiko, besonders über Pazifikhäfen wie Manzanillo. Genau darin liegt das Problem: Zahlreiche Stoffe besitzen legale industrielle oder pharmazeutische Anwendungen. Sie können korrekt deklariert, falsch bezeichnet, über Zwischenhändler umgeleitet oder erst nach mehreren Handelsstufen für die Drogenproduktion abgezweigt werden.

Die Kartelle reagieren zudem schneller als die Gesetzgebung. Wird ein bestimmter Stoff kontrolliert, wechseln Chemiker auf noch nicht kontrollierte Vorstufen oder verändern das Herstellungsverfahren. Nach Chinas umfassender Kontrolle fertiger Fentanylvarianten im Jahr 2019 verlagerte sich die Wertschöpfung noch stärker nach Mexiko. Statt das fertige Opioid direkt aus China zu versenden, wurden zunehmend Ausgangsstoffe exportiert und in mexikanischen Geheimlaboren verarbeitet. Eine Maßnahme, die einen Teil des direkten Handels eindämmte, trug damit zugleich zur Entstehung einer flexibleren Lieferkette bei.

Wie groß diese industrielle Dimension ist, zeigte eine Beschlagnahmung im Jahr 2025. Amerikanische Behörden stellten mehr als 300.000 Kilogramm chemischer Stoffe sicher, die aus China stammten und nach Erkenntnissen der Ermittler für Methamphetaminlabore des Sinaloa-Kartells in Mexiko bestimmt waren. Der Fall betraf nicht Fentanyl, machte aber sichtbar, dass die Verbindung zwischen chinesischer Chemieproduktion und mexikanischer Drogenindustrie weit über ein einzelnes Rauschmittel hinausreicht.

Die eigentliche Lebensader ist das Geld
Drogen zu verkaufen ist nur die erste Hälfte des Geschäfts. Die zweite besteht darin, Bargeld aus amerikanischen Städten in nutzbares Vermögen für Kartellführer, Lieferanten und bewaffnete Strukturen zu verwandeln. Genau an diesem Punkt haben chinesische Geldwäschenetzwerke den traditionellen Markt verändert.

Mexikanische Kartelle verfügen über große Mengen an US-Dollar, können diese wegen strenger Einzahlungsregeln in Mexiko jedoch nicht beliebig in das formelle Bankensystem bringen. Gleichzeitig dürfen chinesische Privatpersonen aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen ihres Landes regulär nur begrenzte Devisenbeträge ins Ausland transferieren. Die jährliche Obergrenze liegt im Regelfall bei 50.000 US-Dollar. Wohlhabende Chinesen, die Immobilien, Studiengebühren, Luxusgüter oder Investitionen im Ausland bezahlen wollen, suchen deshalb nach inoffiziellen Wegen zu Dollarliquidität.

Aus diesen gegenläufigen Bedürfnissen entstand ein hochprofitables Tauschsystem. Ein Geldwäscher übernimmt Drogendollar in Los Angeles, New York oder einer anderen amerikanischen Stadt. Dem Kartell wird der Gegenwert in Pesos in Mexiko bereitgestellt. Gleichzeitig zahlt ein Kunde in China Renminbi an einen dortigen Partner ein und erhält dafür Zugriff auf die Dollar in den Vereinigten Staaten. Das Geld muss die Grenze nicht sichtbar in derselben Form überqueren. Konten, Forderungen und Guthaben werden über spiegelbildliche Buchungen miteinander verrechnet.

Für die Kartelle ist dieses Modell außerordentlich attraktiv. Chinesische Netzwerke verlangen nach Erkenntnissen aus Ermittlungsverfahren teilweise nur ein bis zwei Prozent Gebühr, arbeiten schnell und übernehmen einen großen Teil des Entdeckungsrisikos. In Anhörungen des amerikanischen Kongresses wurde sogar beschrieben, dass einzelne Anbieter Auszahlungen garantieren, wenn Bargeld von Behörden beschlagnahmt wird. Damit wird Geldwäsche von einer riskanten Nebenaufgabe zu einer professionellen Dienstleistung mit kalkulierbarem Preis.

Das Ausmaß ist gewaltig, muss aber sauber eingeordnet werden. Die amerikanische Finanzaufsicht wertete für die Jahre 2020 bis 2024 insgesamt 137.153 Verdachtsmeldungen aus, die mutmaßlich mit chinesischen Geldwäschenetzwerken zusammenhingen. Das darin erfasste Transaktionsvolumen lag bei rund 312 Milliarden US-Dollar. Diese Summe ist kein Beleg dafür, dass 312 Milliarden Dollar nachweislich aus mexikanischem Drogenhandel stammen. Es handelt sich um verdächtige Finanzaktivitäten, die neben Kartellgeld auch Betrug, Menschenhandel, illegale Glücksspielgeschäfte, Steuerdelikte und weitere Straftaten umfassen können. Dennoch zeigt die Größenordnung, welche finanzielle Infrastruktur den Kartellen inzwischen zur Verfügung steht.

Die Methoden reichen von Bargeldkurieren und Konten sogenannter Geldesel über Scheinfirmen, Handelsrechnungen und Immobilienkäufe bis zu Kryptowährungen und Stablecoins. Elektronik, Luxuswaren, Geschenkkarten, Fahrzeuge oder Flugtickets können als Wertträger dienen. Auf Online-Plattformen werden Geldwechsel und Zahlungsdienste teils mit der Geschwindigkeit gewöhnlicher Handelsangebote vermittelt. Die Kartelle müssen dadurch immer weniger eigene globale Finanzstrukturen unterhalten. Sie kaufen Geldwäsche als Service ein.

Ein kriminelles Dreieck mit legalen Bauteilen
Die besondere Widerstandskraft dieses Systems entsteht daraus, dass viele seiner Bestandteile zunächst legal wirken. Eine Chemikalie kann in der Kunststoff-, Pharma- oder Lackindustrie gebraucht werden. Ein chinesischer Student kann ein Bankkonto eröffnen, ohne zu erkennen, dass er als Geldesel angeworben wurde. Eine Handelsfirma kann reale Waren verschicken und zugleich manipulierte Rechnungen verwenden. Eine Immobilie kann mit scheinbar sauberem Geld erworben werden, obwohl die dahinterstehende Wertübertragung auf Drogenerlösen beruht.

Deshalb wäre es falsch, chinesische Staatsangehörige oder die chinesische Diaspora pauschal mit organisierter Kriminalität gleichzusetzen. Der Begriff chinesisches Geldwäschenetzwerk beschreibt Herkunft, Sprache, Geschäftsbeziehungen und die Nutzung chinesischer Finanz- und Kommunikationsräume. Er ist keine Aussage über eine ethnische Gruppe. Viele Beteiligte handeln wissentlich kriminell, andere werden getäuscht oder erkennen die Funktion ihrer Transaktionen nicht.

Ebenso wichtig ist die Trennung zwischen chinesischem Staat und chinesischen Akteuren. Washington wirft Peking vor, regulatorische Lücken, unzureichende Strafverfolgung und die geringe Kontrolle bestimmter Chemieunternehmen zu dulden. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede Lieferung staatlich angeordnet oder politisch gewollt ist. Die stärkste Kritik an China liegt nicht in einer bislang unbewiesenen geheimen Allianz mit den Kartellen, sondern in der Frage, warum ein hochgradig kontrollierter Staat über Jahre hinweg nicht konsequenter gegen offen werbende Lieferanten, Untergrundbanken und verdächtige Zahlungsströme vorgegangen ist.

Washington greift die Finanzarchitektur an
Die amerikanische Strategie hat sich deshalb verschoben. Grenzkontrollen und Drogenbeschlagnahmungen bleiben wichtig, reichen aber nicht aus. Washington versucht zunehmend, die Kartelle wie international vernetzte Sicherheitsbedrohungen zu behandeln. Mehrere mexikanische Organisationen, darunter das Sinaloa-Kartell und das Kartell Jalisco Nueva Generación, wurden von den Vereinigten Staaten als ausländische Terrororganisationen eingestuft. Dadurch können Finanzsanktionen, Geheimdienstmittel und Strafverfolgungsinstrumente breiter eingesetzt werden.

Im Jahr 2025 nahmen amerikanische Behörden drei mexikanische Finanzhäuser ins Visier. Ihnen wurde vorgeworfen, über Jahre Zahlungen an chinesische Unternehmen ermöglicht zu haben, die Vorprodukte für die illegale Fentanylherstellung lieferten, und zugleich Geldwäsche für Kartelle nicht ausreichend verhindert zu haben. Die Maßnahmen zielten darauf, diese Institute vom amerikanischen Finanzsystem abzuschneiden. Mexiko verlangte Belege und warnte vor den Folgen einseitiger Schritte für sein Bankensystem.

Im Juni 2026 rückte der amerikanische Kongress die chinesischen Geldwäschenetzwerke erneut ins Zentrum. Die Sorge in Washington richtet sich nicht mehr nur auf einzelne Kuriere, sondern auf ein globales Dienstleistungsmodell, das Kartellgewinne beinahe in Echtzeit verfügbar macht. Gefordert werden spezialisierte Ermittlungsgruppen, ein besserer Austausch zwischen Banken und Behörden, strengere Transparenz bei wirtschaftlich Berechtigten, schärfere Kontrollen von Handelsrechnungen und eine engere Überwachung digitaler Vermögenswerte.

Gleichzeitig setzt die Regierung auf Zölle und wirtschaftlichen Druck gegenüber China. Diese Politik kann Verhandlungen erzwingen, birgt aber Risiken. Wird die Drogenbekämpfung vollständig mit dem Handelskonflikt verknüpft, kann jede politische Krise die polizeiliche Zusammenarbeit blockieren. Kriminelle Netzwerke profitieren gerade von solchen Unterbrechungen, weil ihre Geschäfte grenzüberschreitend weiterlaufen, während Behördeninformationen an nationalen und diplomatischen Grenzen hängen bleiben.

Mexiko zwischen Kooperation und Souveränität
Mexiko ist in diesem Dreieck nicht nur Transitland, sondern zugleich Opfer, Produktionsstandort und politisches Schlachtfeld. Kartelle kontrollieren Labore und Transportwege, infiltrieren Häfen und unterhalten lokale Schutznetzwerke. Sie finanzieren bewaffnete Einheiten, korrumpieren Amtsträger, bedrohen Journalisten und Unternehmer und diversifizieren ihre Einnahmen in Kraftstoffdiebstahl, Menschenschmuggel, Schutzgelder und legale Wirtschaftsbereiche.

Die Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum hat den Sicherheitsdruck erhöht, Kartellmitglieder an die Vereinigten Staaten überstellt und die Zusammenarbeit bei Drogenbekämpfung und Finanzermittlungen ausgeweitet. Zugleich lehnt Mexiko jede Vorstellung ab, amerikanische Streitkräfte könnten eigenmächtig auf mexikanischem Boden gegen Kartelle vorgehen. Für die Regierung ist die Grenze klar: Kooperation ja, Verletzung der Souveränität nein.

Diese Haltung ist nachvollziehbar, löst aber das strukturelle Problem nicht. Solange Containerhäfen nicht wirksam überwacht, Zollbehörden nicht gegen Korruption abgeschirmt, Firmenregister nicht transparent und lokale Justizsysteme nicht belastbar sind, finden Kartelle Ersatzrouten. Der Kampf gegen chinesische Vorprodukte kann deshalb nicht in Washington oder Peking allein gewonnen werden. Er entscheidet sich ebenso in mexikanischen Häfen, Lagerhäusern, Banken und Staatsanwaltschaften.

Peking ist Teil des Problems und Teil der Lösung
China weist die amerikanische Darstellung zurück, es trage die Hauptverantwortung für die Fentanylkrise. Peking verweist auf seine strengen Drogengesetze und argumentiert, die Vereinigten Staaten müssten Nachfrage, Abhängigkeit, illegale Verschreibungspraxis und den heimischen Drogenmarkt wirksamer bekämpfen. Dieser Einwand ist nicht bedeutungslos. Ohne den riesigen amerikanischen Absatzmarkt gäbe es die heutige Gewinnmaschine nicht.

Gleichzeitig hat China gezeigt, dass staatliches Handeln die Lieferkette beeinflussen kann. Nach neuen Vereinbarungen mit Washington wurden zusätzliche Vorprodukte kontrolliert, Exportregeln für Lieferungen nach Nordamerika verschärft und Ermittlungen gegen einzelne Firmen und Online-Angebote eingeleitet. Im Februar 2026 trafen sich amerikanische und chinesische Fachleute zu einer bilateralen Arbeitsgruppe über synthetische Drogen, chemische Lieferketten, Pillenpressen, Online-Werbung und illegale Finanzströme. Im Mai nahm China drei weitere Chemikalien in die Kontrolle für Ausfuhren nach Kanada, Mexiko und in die Vereinigten Staaten auf und warnte Unternehmen vor acht weiteren Stoffen, die zur Herstellung synthetischer Drogen missbraucht werden können.

Das ist Fortschritt, aber keine dauerhafte Lösung. Chemische Verbote funktionieren nur, wenn sie kontrolliert, strafrechtlich verfolgt und international abgestimmt werden. Andernfalls ändern Händler Produktnamen, verschieben Lieferungen über Drittländer oder bieten nicht gelistete Ersatzstoffe an. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass Regulierung ohne konsequente Durchsetzung lediglich den nächsten Innovationszyklus der Kartelle auslöst.

Sinkende Todeszahlen sind keine Entwarnung
Die amerikanische Drogenkrise hat zuletzt dennoch eine bemerkenswerte Wendung genommen. Nach vorläufigen Zahlen starben im Jahr 2025 knapp 70.000 Menschen in den Vereinigten Staaten an einer Überdosis. Das waren fast 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Todesfälle mit Opioidbeteiligung sank von rund 55.300 auf etwa 44.600. Auch zu Beginn des Jahres 2026 setzte sich der Rückgang fort.

Die Ursachen sind umstritten. Der breitere Zugang zum Gegenmittel Naloxon, bessere Behandlungsangebote, Veränderungen im Konsumverhalten und lokale Präventionsprogramme haben wahrscheinlich Leben gerettet. Gleichzeitig deuten Daten aus beschlagnahmtem Fentanyl auf eine zeitweilige Verschlechterung der Reinheit und auf Schwierigkeiten bei der Beschaffung bestimmter Vorprodukte hin. Einige Fachleute sehen darin Hinweise auf einen Versorgungsschock, der zumindest teilweise durch chinesische Kontrollen und den internationalen Druck auf Lieferanten ausgelöst wurde.

Gerade dieser mögliche Zusammenhang ist für Washington bedeutsam. Er würde zeigen, dass Maßnahmen am Anfang der Lieferkette Wirkung entfalten können. Er zeigt aber ebenso, wie gefährlich Selbstzufriedenheit wäre. Kartelle können Mischungen verändern, neue synthetische Opioide einsetzen, Methamphetamin stärker vermarkten oder auf andere Chemikalien ausweichen. Sinkende Todeszahlen bedeuten nicht, dass die Finanz- und Produktionsstrukturen verschwunden sind.

Der Kampf wird nicht an einer einzigen Grenze entschieden
Washingtons Alarmbereitschaft ist deshalb berechtigt, sofern sie nicht in eine zu einfache Schuldzuweisung umschlägt. Die Kartelle werden nicht allein durch China am Leben gehalten. Sie leben von amerikanischer Nachfrage, Bargeld und Finanzlücken, von mexikanischer Korruption und schwachen Institutionen sowie von chinesischen Chemie- und Geldwäschediensten. Jede Seite des Dreiecks liefert einen unverzichtbaren Teil.

Eine wirksame Strategie muss gleichzeitig an mehreren Punkten ansetzen. Chemikalien brauchen eine durchgehende Rückverfolgbarkeit vom Hersteller bis zum Endkunden. Hochriskante Lieferungen müssen bereits vor dem Verladen geprüft werden. Häfen wie Manzanillo benötigen moderne Analytik, unabhängige Kontrolle und vor Korruption geschützte Einheiten. Banken, Kryptodienste und Immobilienregister müssen wirtschaftlich Berechtigte zuverlässig identifizieren. Online-Plattformen dürfen nicht länger als Schaufenster für verdächtige Chemikalien und inoffizielle Geldwechsel dienen. Parallel dazu müssen die Vereinigten Staaten Behandlung, Prävention und Nachfragereduktion ausbauen.

Die entscheidende Erkenntnis lautet: Kartelle sind heute keine isolierten Banden, sondern globale Unternehmen ohne rechtliche Fesseln. Die chinesische Staatsführung stellt ihnen nicht offen einen Rettungsring zur Verfügung. Doch Lieferanten, Untergrundbanken und digitale Netzwerke mit Verbindungen nach China liefern einen erheblichen Teil der Chemie und der finanziellen Infrastruktur, die ihr Geschäftsmodell belastbar macht. Solange diese Verbindung nicht dauerhaft unterbrochen wird, kann Washington an der Grenze Tonnen beschlagnahmen und Anführer festnehmen, während das System dahinter weiterarbeitet.

Der gefährlichste Gegner ist deshalb nicht ein einzelner Kartellboss. Es ist die internationale Architektur, die chemische Produktion, legale Handelswege, Kapitalflucht, digitale Zahlungen und amerikanische Drogennachfrage zu einem nahezu selbstheilenden Markt verbindet. Genau deshalb ist Washington in Alarmbereitschaft.



Vorgestellt


Wirtschaft: Ist Indien wegen Großbritannien so arm?

Die Wirtschaft von Indien stagniert, ein Großteil der Bevölkerung Indiens lebt in bitterer Armut, aber wo liegt der Grund? Ist die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien schuld an der Armut von Indien?Schauen Sie sich das Video an, es könnte Sie interessieren....!

Wirtschaft: Afrika, das Milliarden-Grab von China

China ist der größte Kreditgeber in ganz Afrika. Aber aus einem bisher unerklärlichen Grund scheint Pekings Strategie in Bezug auf Afrika zu einem Ende zu kommen. Und die große Frage ist: Warum? Ist Afrika etwa zum finanziellen Milliarden-Grab von China geworden?Schauen Sie isch das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein was Sie sehen...

Politik: Georgien als Marionetten-Staat von Russland?

Russland ist ein Terror-Staat, dies beweist der kriminelle Angriff der Russen auf das Nachbarland Ukraine; sein "Präsident" Wladimir Putin (72) ist ein ruchloser Kriegsverbrecher! Da passt es in das sprichwörtliche Bild, dass die Russen Marionetten als willfährigen Lakaien benötigen, ist Georgien und sind die Georgier ein solcher Marionetten-Staat der Terror-Russen? Proteste haben sich in ganz Georgien ausgebreitet. Die Regierung blickt zunehmend nach Moskau, während achtzig Prozent der Georgier den Westen wollen. Was bringt die Zukunft, ist Georgien der jüngste Triumph des Massenmörder Wladimir Putin?Schauen Sie sich das Video an, Sie werden vielleicht erstaunt sein...