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Die Reallöhne haben zum Beginn des Jahres zugelegt. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, kletterten die Nominallöhne von Januar bis März gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,1 Prozent, während die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um 2,2 Prozent stiegen. Damit blieb den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern unter dem Strich ein Zuwachs von 1,8 Prozent. Die Hans-Böckler-Stiftung warnte aber bereits vor einer Wende.
Überdurchschnittlich stark legten im ersten Quartal des Jahres abermals die Nominallöhne von Geringverdienern in Vollzeitarbeit zu, wie das Statistikamt weiter mitteilte: Das Fünftel mit den geringsten Verdiensten erreichte mit einem Plus von 7,0 Prozent den höchsten Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresquartal.
Über dem Durchschnitt wuchsen der Statistik zufolge auch die Verdienste geringfügig Beschäftigter mit einem Anstieg von 4,4 Prozent. Das liegt vor allem am Mindestlohn, der zum 1. Januar von 12,82 Euro auf 13,90 Euro gestiegen war. Damit erhöhte sich die Minijob-Verdienstgrenze von 556 Euro auf 603 Euro. Durch die ebenfalls zu Jahresbeginn erfolgte Erhöhung der Mindestausbildungsvergütung stiegen auch die Nominallöhne von Auszubildenden im ersten Quartal deutlich um 6,8 Prozent.
Das oberste Fünftel mit den höchsten Verdiensten verzeichnete einen Nominallohnzuwachs von 3,5 Prozent. Insgesamt stiegen die Verdienste für Vollzeitkräfte laut Bundesamt um 4,3 Prozent.
Besonders hohe Steigerungen der Nominallöhne verzeichneten laut Statistik die Bereiche Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden mit einem Plus von 6,9 Prozent sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit einem Zuwachs von 6,5 Prozent. Auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Energieversorgung bekamen mit einem Plus von 5,9 Prozent überdurchschnittlich mehr Lohn.
Im ersten Quartal seien die Löhne schneller gestiegen als die Preise - das Bild könne sich jedoch bald wenden, erklärte Experte Malte Lübker vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. "Falls die Inflation im Zuge des Iran-Kriegs das Lohnwachstum überholt, sinkt die Kaufkraft der Beschäftigten wieder. Das wäre bitter, denn schon die erste Hälfte der 2020er Jahre hat den Beschäftigten bisher per Saldo stagnierende Reallöhne beschert."
Lübker verwies auf die Bedeutung des privaten Konsums für die Konjunktur: Ein Impuls in diesem Bereich "wäre ein wichtiger Beitrag dazu, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nicht stagniert", erklärte er. "Voraussetzung dafür ist wiederum eine positive Kaufkraftentwicklung."
U.Ammann--NZN